Engelwurz

pflanzenprofilpflanzeangelica archangelica
Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Engelwurz (Angelica archangelica)

  • Familie: Apiaceae
  • Droge: Angelicae radix (Wurzelstock), auch Angelicae fructus (Samen)
  • Volksnamen: Arznei-Engelwurz, Angelikawurzel, Heiligenwurzel — die “Wurzel des Heiligen Geistes”

Inhaltsstoffe

  • 0,3–1 % ätherisches Öl: α-Pinen, Limonen, β-Phellandren, Bisabolen, Caryophyllen, Borneol
  • Furanocumarine (Bergapten, Angelicin, Imperatorin) — phototoxisch!
  • Bitterstoffe, Cumarine (Umbelliferon, Angelicarcin)
  • Gerbstoffe, Harze, Zucker, Phytosterine, fettes Öl (in den Samen)

Wirkungen

Innerlich:

  • Krampflösend (spasmolytisch) an der glatten Muskulatur von Magen, Darm und Galle
  • Karminativ (blähungslindernd) und magenwirksam, harmonisiert die Verdauung
  • Bitter-aromatisch appetitanregend: steigert Magensaft- und Gallenproduktion
  • Sekretolytisch und schleimlösend (auch bei Husten verwendet)
  • Schweißtreibend und leicht fiebersenkend bei Erkältungen (traditionell)
  • Durchblutungsfördernd und wärmend, tonisierend auf den Kreislauf
  • Mild beruhigend bei nervös bedingten Magen-Darm-Beschwerden

Äußerlich:

  • Einreibungen bei rheumatischen Beschwerden und Verspannungen (durchblutungsfördernd)
  • Phototoxische Wirkung: direkte Sonneneinstrahlung nach Hautkontakt meiden

Indikationen

  • HMPC: Traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Völlegefühl, Blähungen und leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden
  • Kommission E: Dyspepsie, Appetitlosigkeit; Kräftigungsmittel bei allgemeiner Schwäche (“Schwächezustände”)
  • ESCOP: dyspeptische Beschwerden, Völlegefühl
  • Erkältungen mit Frösteln (schweißtreibender Tee)
  • Rekonvaleszenz und Erschöpfung (tonisierend)
  • Bestandteil klassischer Magen- und Verdauungstropfen (Carvomin: Angelikawurzel, Benediktenkraut, Pfefferminze)

Anwendungen

  • Tee (Dekokt): 1 TL (ca. 1 g) kleingeschnittene Wurzel mit 150 ml kaltem Wasser ansetzen, aufkochen, 10 Min. ziehen lassen, abseihen. 1 Tasse 30 Min. vor den Mahlzeiten bei Verdauungsbeschwerden; bei Erkältung bis 3 Tassen täglich. Tagesdosis: 4,5–6 g Droge.
  • Tinktur: Angelicae tinctura, 15–30 Tropfen 1–3-mal täglich in etwas Wasser vor den Mahlzeiten.
  • Fertigarzneimittel: Bestandteil von Verdauungstropfen, Magenbittern und “Carvomin” (mit Benediktenkraut und Pfefferminze).
  • Äußerlich: als Einreibung bei Rheumatismus (nicht der Sonne aussetzen).

[!WARNING] Phototoxizität Furanocumarine machen die Haut lichtempfindlich: Nach Einnahme oder Hautkontakt intensive Sonnen- und UV-Bestrahlung meiden (Dermatitis, Pigmentflecken). In Schwangerschaft kontraindiziert (uterusstimulierende Wirkung in hohen Dosen).

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Nebenwirkungen: In therapeutischer Dosierung selten. Phototoxische Hautreaktionen bei Sonnenexposition. In sehr hohen Dosen Magenreizung und zentralnervöse Symptome.

Gegenanzeigen:

  • Schwangerschaft (uterusstimulierende Wirkung, Furanocumarine) und Stillzeit
  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre (bei ölreicher Droge)
  • Gallengangverschluss
  • Diabetes mellitus (angelicaine Bitterstoffe können blutzuckersenkend wirken — ärztlich kontrollieren)
  • Bekannte Allergie gegen Doldenblütler (Kreuzallergie mit Fenchel, Sellerie, Beifuß)

Kombinationen

Siehe auch

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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