Arnika

pflanzenprofilpflanzearnica montana
Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Arnika (Arnica montana, Asteraceae)

  • Familie: Asteraceae (Korbblütler)
  • Droge: Arnicae flos (Arnikablüten)

Inhaltsstoffe

  • Sesquiterpenlactone (0,3-1 %, vom Helenanolid-Typ): Helenalin, Dihydrohelenalin (Hauptwirkstoffe und zugleich Allergene), 11-alpha,13-Dihydrohelenalin, Arnicolide, Chamissonolid — stark entzündungshemmend (via Hemmung des NF-kappaB-Transkriptionsfaktors, der COX-2 und der 5-LOX), aber auch hautsensibilisierend und zytotoxisch. Helenalin und Dihydrohelenalin sind die wirksamsten antiphlogistischen Sesquiterpenlactone
  • Flavonoide (0,5-2 %): Quercetin, Rutin, Isoquercitrin, Kämpferol, Astragalin — antioxidativ, gefäßschützend, antiexsudativ und ödemhemmend
  • Ätherisches Öl (0,2-0,4 %, Höchstgehalt zu Blütenbeginn): Thymol, Thymolmethylether, Azulen (blau-grün, bei Wasserdampfdestillation), alpha-Pinen, beta-Pinen, Caryophyllen, Germacren-D — antimikrobiell, antimykotisch, antiphlogistisch
  • Cumarine (Spuren): Scopoletin, Umbelliferon — ödemprotektiv, venentonisierend
  • Phenolcarbonsäuren: Chlorogensäure, Kaffeesäure, Ferulasäure — antioxidativ, entzündungshemmend
  • Salicylate (Spuren von Salicylsäure), Anthranoide (in Spuren)
  • Polysaccharide: Arabinogalaktane (immunmodulierend)
  • Carotinoide (Provitamin A, in Spuren), Bitterstoffe, Gerbstoffe, Arnicin

Wirkungen

Äußerlich (NUR topisch!):

  • Kortisonähnlich entzündungshemmend: Sesquiterpenlactone (Helenalin) sind starke selektive Hemmer des Transkriptionsfaktors NF-kappaB — sie blockieren die Synthese aller proinflammatorischen Zytokine (TNF-alpha, IL-1, IL-2, IL-6, IL-8) und Enzyme (COX-2, iNOS, MMP). So entsteht eine pharmakologisch dem Kortison vergleichbare, aber kortison-unabhängige antiphlogistische Wirkung. Arnika zählt damit zu den stärksten pflanzlichen Entzündungshemmern
  • Schmerzlindernd bei Entzündungs- und Schwellungsschmerzen: über die antiphlogistische und antiexsudative Wirkung
  • Antödematös: reduziert die Kapillarpermeabilität und damit das entzündliche Gewebeödem um 40-60 %, fördert Resorption von Hämatomen und Schwellungen
  • Antiseptisch: v. a. gegen grampositive Keime (Staphylococcus aureus, Streptococcus pyogenes), antimykotisch gegen Dermatophyten und Candida
  • Durchblutungs- und resorptionsfördernd: steigert die lokale Durchblutung (Hyperämie — durch Sesquiterpenlactone und ätherisches Öl), fördert die Resorption von Hämatomen, Blutergüssen und Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe nach Traumen
  • Granulationsfördernd und wundheilend in niedriger Konzentration

[!WARNING] Wichtig! Unverdünnt angewendet, reizt Arnika Haut und Schleimhäute! Die zytotoxischen Sesquiterpenlactone können in zu hoher Konzentration eine Kontaktdermatitis mit Bläschen- und Pustelbildung bis hin zur Nekrose auslösen.

Indikationen

HMPC/ESCOP:

  • HMPC: Well-established use (äußerlich) bei stumpfen Verletzungen, Blutergüssen, Zerrungen, rheumatischen Muskel- und Gelenkschmerzen; traditional use (äußerlich) bei leichten Entzündungen der Haut und Schleimhaut, Insektenstichen
  • ESCOP: Unblutige Verletzungs- und Unfallfolgen (Hämatome, Zerrungen, Quetschungen), rheumatische Muskel- und Gelenkschmerzen, Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, Furunkel und Entzündungen als Folge von Insektenstichen

Äußerlich:

  • Unblutige Verletzungs- und Unfallfolgen: Bluterguss (Hämatom), Zerrung, Prellung, Quetschung, Verstauchung (Distorsion)
  • Frakturodeme, postoperative Schwellungen, Ödeme nach stumpfem Trauma
  • Schwer heilende, schmierige Wunden, Furunkel, Insektenstiche (Schwellung und Juckreiz)
  • Zur Schmerzlinderung bei Karpaltunnelsyndrom (Arnika-Umschläge über dem Handgelenk)
  • Rheumatische Muskel- und Gelenkschmerzen, Arthrose-Schmerz, Myalgien, Muskelkater
  • Entzündungen des Mund- und Rachenraums (stark verdünnter Arnikatee oder Tinktur zum Gurgeln)
  • Venenentzündung (Phlebitis, Thrombophlebitis superficialis — Arnikatinktur-Umschläge), beginnende Lymphangitis und Phlegmone

[!WARNING] Nicht innerlich! Arnika darf als Phytotherapeutikum NICHT innerlich angewendet werden, sonst drohen Durchfall, Schwindel, Nasenbluten und Herzrhythmusstörungen. Homöopathisch ist sie ab D4 eines der besten Traumamittel und kann innerlich gegeben werden. Aber NICHT als Tee oder Tinktur einnehmen!

Anwendungen

  • Arnikatinktur (1:5 bis 1:10, Ethanol 60-70 % — standardisierte Fertigarzneimittel aus der Apotheke): Zur äußerlichen Anwendung 10-20fach mit Wasser verdünnen (1 EL Tinktur auf 1/4 L Wasser). Umschläge mehrmals täglich 20-30 Min. auflegen. NIEMALS unverdünnt auf die Haut auftragen!
  • Arnikasalbe/-gel (5-25 % Tinktur, bzw. 10-20 % Arnikalösung): Mehrmals täglich dünn auf die betroffenen Stellen auftragen und sanft einmassieren. Nicht auf offene Wunden.
  • Arnikatee (nur zur äußerlichen Anwendung!): 1 TL Arnikablüten (ca. 2 g) mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 5-10 Min. ziehen lassen, abseihen und abkühlen lassen. Kompresse tränken und 20-30 Min. auf die unverletzte Haut auflegen. Keinesfalls trinken!
  • Arnika-Gurgellösung (bei Mund- und Rachenentzündung): 1 TL Arnikatinktur auf 1 Glas (250 ml) warmes Wasser — noch stärker verdünnen als für Umschläge (Verhältnis 1:40 bis 1:50). Mehrmals täglich gurgeln.
  • Mund- und Rachenraum: Nur hochverdünnt anwenden (1:50). Keinesfalls schlucken!

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Nebenwirkungen:

  • Auf geschädigter Haut häufig Dermatitis mit Bläschenbildung, Erythem und Juckreiz — Arnika NIEMALS auf offene Wunden, Schürfwunden oder verletzte Hautareale auftragen!
  • Bei unsachgemäßer und/oder zu hoch konzentrierter bzw. zu langer Anwendung Hautschäden bis zur Nekrotisierung (durch die zytotoxischen Sesquiterpenlactone).
  • Bei Auftreten allergischer Hautreaktionen die Anwendung umgehend einstellen.
  • Allergien gegen Arnika sind relativ häufig (Sesquiterpenlactone sind potente Allergene, Sensibilisierungsrate der Allergen-Patch-Tests ca. 2-3 %). Bei korrekter Anwendung und niedriger Dosierung wirkt Arnika allerdings eher antiallergisch als allergisierend!

Gegenanzeigen:

  • Bekannte Allergie gegen Arnika und andere Korbblütler (Kamille, Schafgarbe, Ringelblume) wegen Kreuzallergien. (Sesquiterpenlactone kommen in Asteraceae häufig vor).
  • Nur äußerlich, nur auf intakter Haut und auf großflächiger Haut kurzzeitig (max. 30 Min.) und verdünnt anwenden.
  • Schwangerschaft und Stillzeit — nur äußerlich und kurzzeitig, großflächig vermeiden (mangels Daten)
  • Kinder unter 6 Jahren (mangels Daten)

[!CAUTION] Maximaldauer Nicht länger als 2 Wochen ununterbrochen auf derselben Hautstelle anwenden. Großzügige Verdünnung. Nur Fertigarzneimittel mit kontrolliertem Helenalin-Gehalt verwenden (0,004-0,006 % Helenalin ist sicher und wirksam).

Kombinationen

  • Bei stumpfen Verletzungen, Prellungen und Distorsionen mit Beinwell (äußerlich als Salbe): resorptions- und wundheilungsfördernd — ein synergistisches Trauma-Duo
  • Bei Blutergüssen und Hämatomen mit Ringelblume (äußerlich): entzündungshemmend kombiniert mit resorptionsfördernd
  • Bei Prellungen und stumpfen Verletzungen mit Johanniskraut (Rotöl): durchblutungsfördernd und schmerzlindernd
  • Bei Lymphstau, Hämatomen und Schwellungen mit Gelber Steinklee (äußerlich): lymphokinetisch plus resorptionsfördernd
  • Bei Muskelkater und stumpfen Verletzungen mit Ätherisches Pfefferminzöl (äußerlich, verdünnt): kühlend-schmerzlindernd und durchblutungsfördernd
  • Bei rheumatischen Gelenkschmerzen mit Weidenrinde (innerlich) und Arnika (äußerlich): systemische Schmerzlinderung plus lokale Antientzündung
  • Bei Venenentzündung und Phlebitis mit Rosskastanie (äußerlich als Salbe/Gel): venentonisierend und resorptionsfördernd
Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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