Gelber Steinklee

Gelber Steinklee (Melilotus officinalis, Fabaceae)
- Familie: Fabaceae
- Droge: Meliloti herba (Steinkleekraut)
- Hauptkomponenten: Cumarine (0,4–0,9 %), Melilotosid → Cumarin (durch Fermentation/Lagerung), Flavonoide
Inhaltsstoffe
- Cumarine (0,4–0,9 %): Cumarin, Dihydrocumarin, Melilotosid (Cumaringlykosid — erst durch Trocknung und Fermentation wird Cumarin freigesetzt; Cumarin-Gehalt korreliert mit Cumarintrocknungsgeruch), Umbelliferon, Scopoletin
- Flavonoide (1–1,5 %): Quercetin-, Kämpferol- und Isoquercitrin-Derivate sowie Rutin (gefäßprotektiv, antiexsudativ)
- Triterpensaponine (2–4 %): Mellilotsäure, Melilotsaponine (lymphokinetisch)
- Schleimstoffe (ca. 10 %), Gerbstoffe
- Ätherisches Öl (0,05–0,1 %): Cumarin- und Waldmeisterduft
- Phenolcarbonsäuren (Kaffeesäure, Chlorogensäure, Ferulasäure), Melilotsäure
[!WARNING] Schimmelgefahr Steinklee-Droge neigt bei feuchter, unsachgemäßer Lagerung zu Schimmelbildung und Cumarin-Überproduktion (insbesondere zu Dicumarol — einem hochgiftigen Gerinnungshemmer!). Im Zweifelsfall NICHT verwenden!
Wirkungen
Innerlich:
- Venenabdichtend, kapillarresistenzsteigernd: stärkt die Widerstandskraft der Kapillargefäße, reduziert die erhöhte Durchlässigkeit und damit die Einlagerung von Flüssigkeit im Gewebe; verdichtet die Endothelmembran
- Antiexsudativ, antiödematös: wirkt dem durch Entzündung bedingten Austritt von Flüssigkeiten aus Zellen, Blutbahn und Lymphgefäßen entgegen; reduziert das Gewebeödem um bis zu 40 % in klinischen Studien
- Lymphokinetisch (lymphabflussfördernd — einzigartig unter Venenmitteln!): fördert Lymphbildung und -abfluss, steigert die Pumpleistung der Lymphgefäße (Lymphangiomotorik), reduziert Lymphstauungen
- Fördert die Zunahme des venösen Rückflusses (venentonisierend)
- Örtlich durchblutungsfördernd (hyperämisierend) und schmerzlindernd
- Entzündungshemmend bei entzündlichen Ödemen und Stauungsödemen: hemmt die Prostaglandin- und Leukotrien-Synthese
- Beschleunigt die Wundheilung: fördert die Granulation und Resorption von Hämatomen
Äußerlich:
- Wirkt resorptionsfördernd, umstimmungserzeugend, entzündungshemmend
- Wundheilungsfördernd, granulationsfördernd
Indikationen
HMPC/ESCOP:
- HMPC: Well-established use bei chronisch-venöser Insuffizienz (Schwere- und Spannungsgefühl in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz, Schwellungen)
- ESCOP: Chronisch venöse Insuffizienz; Schwere-, Spannungsgefühl der Beine, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz und Schwellungen; Lymphstauungen
Innerlich:
- Chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) mit Lymph- und Venenstauung
- Lymphödeme (primäre und sekundäre, z. B. nach Mastektomie/Lymphadenektomie)
- Thrombophlebitis, postthrombotisches Syndrom (adjuvant)
Äußerlich:
- Gelenk- und Muskelschmerzen mit Schwellung, Prellung, Verstauchung, Hämatom (Resorption)
- Verhärtete Lymphknoten, chronische Lymphstauung
- Brustdrüsenschwellung (Mastopathie, Mastitis non-puerperalis)
- Schwellungen durch Insektenstiche
- Zur Beschleunigung der Eiterbildung bei Akne oder Furunkeln (Teilbad, Auflage)
Anwendungen
- Tee (innerlich): 1–2 TL (1–2 g) getrocknetes Steinkleekraut mit 150 ml kochendem Wasser überbrühen, 5—10 Min. ziehen lassen, 2- bis 4-mal täglich 1 Tasse trinken. Tagesdosis: 2–8 g Droge.
- Fertigarzneimittel (Tabletten/Kapseln standardisiert auf Cumarin): Empfohlene Tagesdosis: 60–120 mg Cumarin. Typisch: 2- bis 3-mal täglich 1 Tablette mit 30–40 mg Cumarin.
- Äußerlich (Umschlag/Wickel): 2–3 EL Steinkleekraut auf 250 ml kochendes Wasser aufbrühen, 10 Min. ziehen lassen, Kompresse tränken und 20–30 Min. auflegen. 2- bis 4-mal täglich.
- Salben/Cremes (2–10 % Extrakt): Mehrmals täglich dünn auftragen und einmassieren. Besonders geeignet bei Venenschwäche, Lymphstau und Sportverletzungen.
- Anwendungsdauer: Innerlich bis zu 3 Monaten. Bei längerer Anwendung ärztliche Kontrolle.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Nebenwirkungen: Nicht bekannt bei bestimmungsgemäßem Gebrauch. Bei Überdosierung (durch Cumarin-Aufnahme) selten Kopfschmerzen, Benommenheit, Übelkeit. Lebertoxizität in Einzelfällen bei extrem hohen Cumaringaben (Gramm-Bereich) möglich — therapeutische Dosen (60–120 mg Cumarin/Tag) sind sicher. Dicumarol-haltige, verschimmelte Droge kann zu schweren Blutungen führen — daher nur einwandfreie Droge verwenden! (Dicumarol wurde aus verschimmeltem Steinklee als Rattengift entdeckt.)
Gegenanzeigen:
- Innerliche Einnahme bei Schwangerschaft (Cumarin kann plazentagängig sein; mangels Daten)
- Nicht gleichzeitig mit gerinnungshemmenden Mitteln (Cumarin-Derivate, Warfarin, Marcumar) — additive Wirkung möglich
- Schwere Lebererkrankungen (vorsichtshalber)
- Schimmelig riechende, muffige oder verfärbte Droge: sofort entsorgen — Dicumarol-Bildung möglich!
Kombinationen
- Mit Rosskastanie bei chronisch-venöser Insuffizienz mit Lymphstau (Venentonus + Lymphdrainage synergetisch)
- Mit Buchweizen bei Kapillarfragilität und Ödemneigung (Rutin-Flavonoid + Cumarin-Wirkung komplementär)
- Mit Beinwell (äußerlich) bei stumpfen Verletzungen, Hämatomen, Lymphstau (resorptionsfördernd + gewebsregenerierend)
- Mit Ringelblume (äußerlich) bei Wunden, Venenentzündungen, Lymphstau (lymphokinetisch + wundheilungsfördernd)
- Mit Arnika (äußerlich, verdünnt) bei stumpfen Verletzungen und Prellungen (resorptionsfördernd + schmerzlindernd)
- Mit Mäusedorn (Ruscus) bei CVI mit Schweregefühl (lymphokinetisch + venentonisierend)