Erschöpfung und Burn-out

indikationennervensystemerschöpfungburn outfatigueadaptogenerosenwurzguaranaginsengtaigawurzel
Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Beschreibung

In einer Welt, die kaum Pausen kennt, haben Müdigkeit und Erschöpfung schlechte Karten. Weil niemand zurückstecken möchte, läuft man lange auf Hochtouren – bis der Körper irgendwann ausbrennt (Burn-out) und streikt. Tatsächlich ist eine nachlassende Leistungsfähigkeit ein deutliches Signal von Körper und Seele, dass nun Ruhe und Erholung fällig sind. Im ärztlichen Alltag fällt dafür nicht selten die Diagnose “vegetative Dystonie”.

Ob jemand langfristig belastbar bleibt, entscheidet maßgeblich der Wechsel zwischen Leistungs- und Erholungsphasen. Stimmen die Kräfteverhältnisse von Körper und Seele – und damit von Sympathikus und Parasympathikus des vegetativen Nervensystems –, entstehen daraus Energie, Schwung und Tatkraft. Erschöpfung dagegen deutet in aller Regel auf ein gestörtes Gleichgewicht hin. Kneipps “Ordnungstherapie”, heute unter dem Begriff Life-Balance geläufig, stünde deshalb an erster Stelle der Behandlung.

Symptome

  • Im Vordergrund stehen anhaltende Müdigkeit, Abgeschlagenheit, das Gefühl der Überforderung, Konzentrationsschwäche und ein dauerhafter Erschöpfungszustand
  • Hinzu kommen häufig Ängstlichkeit, depressive Verstimmungen sowie körperliche Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Probleme, schwankender Blutdruck, Schwindel, Schlafstörungen, unspezifische Verdauungsbeschwerden, Kopf- und Nackenschmerzen oder Myogelosen (verhärtete Muskelstränge)

Ursachen

  • Körperliche oder seelische Erkrankungen
  • Zu wenig Bewegung, anhaltender Stress sowie seelische oder körperliche Überforderung
  • Fehler bei der Ernährung, starkes Über- oder Untergewicht
  • Schadstoffe in Wohnung und Umwelt, Elektrosmog, Lärm oder Wetterfaktoren

Burn-out (englisch: “ausgebrannt”)

Ein Burn-out äußert sich in ausgeprägter emotionaler, körperlicher und geistiger Erschöpfung und geht mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit einher. Wer mit ganzer Kraft in den Beruf geht und mit Feuereifer für eine Sache “brennt”, gibt damit nicht zugleich die eigene Person auf – anderenfalls verwandeln enttäuschende Erlebnisse die anfängliche Begeisterung in Desillusionierung, Teilnahmslosigkeit, Niedergeschlagenheit oder Aggressivität. Häufig beginnt die Entwicklung mit idealistischer Begeisterung. Objektivierbare medizinische Befunde fehlen; die Diagnose stützt sich auf die Schilderung der Betroffenen. Umso sorgfältiger muss deshalb nach den auslösenden Ursachen geforscht werden.

Mögliche auslösende Faktoren:

  • Endloser, sich steigernder und nicht enden wollender Dauerstress
  • Sinnverlust, Mobbing im beruflichen Umfeld
  • Über- oder Unterforderung
  • “Helfersyndrom”, Perfektionismus
  • Mangelnde soziale Unterstützung im privaten Umfeld

[!CAUTION] Wichtig Vor Beginn einer Behandlung sind mögliche unerkannte Organerkrankungen diagnostisch auszuschließen – etwa eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Blutarmut, Diabetes, niedriger Blutdruck, Infektionen sowie Leber- oder Tumorerkrankungen.

Phytotherapeutika

Ergänzend zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance hat sich bei Erschöpfung und Burn-out eine Kombination aus kräftigenden Bitterstoffen sowie – bei Bedarf – Stimulanzien und Adaptogenen zur unterstützenden Behandlung bewährt.

Adaptogene verbessern die Fähigkeit des Körpers, sich an nicht vermeidbare Stresssituationen anzupassen, beugen damit stressbedingten Erkrankungen vor, erhöhen die Widerstandskraft von Körper und Geist und tragen so zur Gesunderhaltung bei – und das ohne Nebenwirkungen.

Adaptogene – Eigenschaften

  • Steigern – gerade im höheren Alter – Belastbarkeit, körperliche Leistungsfähigkeit und Koordination sowie Gedächtnisleistung und Konzentration
  • Erhöhen die geistige und körperliche Aktivität und machen gegenüber “Stressoren” widerstandsfähiger
  • Wirken roborierend, tonisierend und immunmodulierend und helfen dem Organismus, Belastungen besser zu meistern

Einnahme von Adaptogenen

  • Am besten prophylaktisch einnehmen, also möglichst bevor eine erhöhte Belastung zu erwarten ist
  • Der Effekt stellt sich erst allmählich ein
  • Einnahmedauer 2-3 Monate (nicht länger)
  • Nach einer Pause von 2-3 Monaten ist eine erneute Anwendung möglich

Phytotherapie bei Erschöpfung und Burn-out (> Tab. 9.3)

Adaptogene Stimulanzien Tonika/Roboranzien
Ginseng Guarana Bitterstoffe: Enzian, Pomeranze, Tausendgüldenkraut, Wermut
Jiaogulan Kaffee Scharfstoffe: Chili, Galgant, Ingwer
Rosenwurz Matetee
Taigawurzel Grün- oder Schwarztee
Schisandra

Differenzierung der 3 wichtigsten Adaptogene (> Tab. 9.4)

Ginseng Taigawurzel Rosenwurz
Bei Infektneigung bevorzugt Bei vermehrtem Stress und Müdigkeit Während Rekonvaleszenz
Im Alter bevorzugt: verhindert vorzeitigen Abbau körperlicher/geistiger Leistungsfähigkeit Führt zur Zunahme immunkompetenter Zellen, v.a. der T-Lymphozyten Bei starkem beruflichen Stress
Erhöht mentale und emotionale Belastbarkeit
Studien: positive Effekte auf geistige Leistungsfähigkeit mit deutlich stresshemmendem und Anti-Ermüdungseffekt

Pflanzenporträts

Rosenwurz

Guarana

Therapiekonzept

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt (> Tab. 9.5).

[!TIP] Praxistipp Bei nervöser Erschöpfung empfiehlt sich, Anxiolytika und Sedativa mit Bitterstoffdrogen zu verknüpfen: Diese kräftigen den Körper und wirken ausgleichend auf das vegetative Nervensystem. Weil sich Erschöpfungszustände häufig auch an einzelnen Organen bemerkbar machen (Reizdarm, funktionelle Herzbeschwerden, Spannungskopfschmerzen, Verdauungsprobleme, Reizblase und ähnliches), sind individuell abgestimmte Teemischungen eine besonders erfolgversprechende Möglichkeit.

Therapieziele (> Tab. 9.5)

Adaptogene Tonika/Roboranzien Spannungsabbau mit Anxiolytika Stimmungsaufhellung mit Antidepressiva
Ginseng Bitterstoffe Therapiekonzept Schlafstörungen Therapiekonzept Depressive Verstimmungen
Rosenwurz Damiana
Taigawurzel Brennnesselsamen
Gelee royale Lavendel
Pollen
Dauer: 2-3 Monate, dann 2-3 Monate Pause, evtl. erneut 2-3 Monate Dauer: 4-6 Wochen Dauer: Als Langzeittherapie über mehrere Monate Dauer: Als Langzeittherapie über mehrere Monate
Präparate, Nahrungsergänzungsmittel Tee, Präparat Präparate Präparate

Teemischungen und Rezepte

Nervenstärkender Tee

  • Passiflorae herba (Passionsblumenkraut) 20 g
  • Rosmarini folium (Rosmarinblätter) 20 g
  • Menthae piperitae folium (Pfefferminzblätter) 20 g
  • Aurantii pericarpium (Pomeranzenschale) 20 g
  • Melissae folium (Melissenblätter) 20 g

1 TL mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen und 3-mal tägl. 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Stärkender Wurzeltee

  • Eleutherococci radix (Taigawurzel) 20 g
  • Zingiberis rhizoma (Ingwerwurzel) 20 g
  • Angelicae radix (Angelikawurzel) 20 g
  • Calami rhizoma (Kalmuswurzel) 20 g
  • Liquiritiae radix (Süßholzwurzel) 20 g

1 TL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen und 3-mal tägl. 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Libidosteigernder Tee

  • Damianae folium (Damianablätter) 50 g
  • Cardamomi fructus cont. (Kardamom, angestoßen) 20 g
  • Cinnamomi cortex (Zimtrinde) 20 g
  • Aurantii flos (Orangenblüten) 10 g

1 TL mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen, 7 Min. bedeckt ziehen lassen und 3-mal tägl. 1 Tasse zwischen den Mahlzeiten trinken.

Präparate

Adaptogene

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Ardey-aktiv Pastillen Ginseng 3-mal tägl. 1 Tabl.
Eleu Curarina Taigawurzel 5-mal tägl. 30 Tr.
Eleu-Kokk Taigawurzel 2-mal tägl. 1 Tbl.
Ginsana Ginseng 2-mal tägl. 2-4 Kps.
Ginseng Curarina Ginseng 2-mal tägl. 2 Kps.
Ginseng SL Ginseng 2-mal tägl. 1-2 Kps.
Manuia Damiana, Ginseng, Acid. phos. D2, Ambra D3 1-6-mal tägl. 1 Tbl.
Orplasma Ginseng 2-mal tägl. 2 Tbl.
Vitango Rosenwurz Morgens und mittags je 1 Kps., 2 Std. vor den Mahlzeiten

Nahrungsergänzungsmittel

Produkt Zusammensetzung Dosierung
Rhodiolan plus Rosenwurz, Pantothensäure Morgens 2 Kps.
Vigodana Rosenwurz, Magnesium, Vitamin E, B6, B12, D3, Folsäure Morgens 1 Kps.
Brennnesselsamenkur Urticae semen (Brennnesselsamen) Insgesamt 3-mal tägl. 1 TL vor dem Essen; getrocknete und im Mörser zerstoßene Samen mit Honig oder Wasser vermischen
Gelee royale Dr. Wolz Zelloxygen plus u.a. Auf Bio-Qualität achten!
Pollenkur Pollen Ca. 3-4 TL/Tag bei Erschöpfung, sonst 2 TL; 1/2 Std. vor Mahlzeit, auf 2 Tagesportionen verteilen

Tonika und Kombinationspräparate

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Angelica archangelica Urtinktur (Engelwurz) Ceres/DHU Engelwurz 3-mal tägl. 3-5 Tr.
Artemisia absinthium Urtinktur (Wermut) Ceres/DHU Wermut 3-mal tägl. 3-5 Tr.
Avena sativa Urtinktur (Hafer) Ceres/DHU Hafer 3-mal tägl. 3-5(-10) Tr.
Balsamischer Melissengeist Destillat aus Angelikawurzel, Koriander, Melisse, Muskatnuss, Zimtrinde, Zitronenschale 3-mal 20 Tr., akut bis zu 5-mal tägl. 10-20 Tr.
Dysto-loges Passiflora, Strychninum D4, Reserpinum D6, Coffea D6, Veratrum D6 3-mal tägl. 1 Tabl. oder 3-mal tägl. 10 Tr.
Gentiana lutea Urtinktur (Gelber Enzian) Ceres Gelber Enzian 3-mal tägl. 3 Tr.
Nervöna Tabletten Hafer, Passionsblume, Acid. phos D1, Anamirta D3, Hypericum D1 1-3-mal tägl. 1 Tabl.
Passiflora Nerventonikum Passionsblume, Weißdorn, Baldrian, Hopfen, Johanniskraut D2, Weide D2 3-mal tägl. 2 TL

Bäder

Bad Zusammensetzung Anwendung
Entspannungsbad Weleda Lavendel Jeweils abends 20 Min. baden
Baldrianöl-Bad Baldrian Jeweils abends 20 Min. baden
Melissenöl-Bad (Spitzner) Melisse Jeweils abends 20 Min. baden

Hinweise

  • Die Behandlung von Erschöpfung und Burn-out verlangt einen ganzheitlichen Ansatz: Pflanzenheilkunde, Ordnungstherapie beziehungsweise Life-Balance, Ernährung, Bewegung und Entspannungsverfahren.
  • Vor Therapiebeginn müssen Organerkrankungen ausgeschlossen werden (Schilddrüse, Blutarmut, Diabetes, Hypotonie, Infektionen, Tumorerkrankungen).
  • Adaptogene eignen sich nicht für eine Dauertherapie: 2-3 Monate Einnahme, danach ebenso lange Pause.
  • Bei Erschöpfungszuständen, die sich häufig auch organisch zeigen, kann die Kombination aus Anxiolytika/Sedativa und Bitterstoffdrogen sinnvoll sein.
  • Begleitende Therapiekonzepte sollten mit einbezogen werden: Reizdarm, funktionelle Dyspepsie/Reizmagen, funktionelle Herzbeschwerden, Spannungs- und Migränekopfschmerz sowie Reizblase.

Zusammenfassung

Erschöpfung und Burn-out entstehen, wenn Belastung und Erholung aus dem Gleichgewicht geraten. Die Pflanzenheilkunde stützt sich dabei auf drei Bausteine: Adaptogene (Rosenwurz, Taigawurzel, Ginseng), die die Stressresistenz erhöhen und die Leistungsfähigkeit wiederherstellen; kräftigende Bitter- und Scharfstoffdrogen (Enzian, Wermut, Engelwurz); sowie Anxiolytika und Antidepressiva (Baldrian, Johanniskraut, Passionsblume) für den Spannungsabbau und die Stimmungsaufhellung. Adaptogene werden in zwei- bis dreimonatigen Intervallen eingenommen, jeweils gefolgt von einer Pause gleicher Länge. Flankiert wird die Behandlung durch Life-Balance-Maßnahmen, eine passende Ernährung und Nahrungsergänzungen wie Brennnesselsamen, Gelee royale und Pollen.

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
Nach oben ↑