Depressive Verstimmungen und Ängste

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Beschreibung

Depression

Man spricht von einer Depression, sobald seelische Verstimmungen über bloße schlechte Laune, gedrückte Stimmung oder kurzzeitige Niedergeschlagenheit hinausgehen – wenn sie also deutlich mehr sind als nur ein vorübergehender “Schatten über der Seele”. Traurigkeit und Ängste in depressivem Ausmaß gehören zu den entwicklungsgeschichtlich ältesten menschlichen Phänomenen und gehen daher Hand in Hand mit leibnahem Empfinden und körperlichen Beschwerden. Nach Angaben der WHO sind rund 35 % der Weltbevölkerung von Depressionen betroffen, mit steigender Tendenz auch bei Kindern und Jugendlichen; Frauen erkranken zwei- bis dreimal so häufig wie Männer.

Symptome: Die Schwere der Erkrankung spiegelt sich häufig in den Zuständen der “-losigkeiten” wider: Hoffnungslosigkeit, Ratlosigkeit, Antriebslosigkeit, Entschluss-, Konzentrations-, Schlaf- und Appetitlosigkeit, empfundenes Sinn-, Gefühls-, Interessen- und Freuddefizit sowie vieles mehr. Neben körperlichen Beschwerden, gedrückter Grundstimmung und Selbstvernachlässigung können Lebensüberdruss bis hin zu Suizidabsichten auftreten.

Ursachen: In der Regel wirken mehrere Auslöser zusammen: körperliche und genetische Faktoren ebenso wie psychische und psychosoziale Belastungen oder langwierige Erkrankungen.

Angst

Angst ist eine gesunde Antwort des Körpers auf herausfordernde Situationen: Sie warnt vor Gefahren und hält wachsam. Anders verhält es sich, wenn Angstgefühle den Tagesablauf bestimmen, dauerhaft präsent sind, sich rationaler Argumentation entziehen und sich nicht mehr steuern lassen – dann liegt eine psychische Grundstörung vor, die professioneller Hilfe bedarf. Im Laufe des Lebens erkranken rund 15 % aller Menschen zeitweise oder über längere Abschnitte an einer Angststörung. Jeder Mensch verfügt über ein individuelles Angstniveau.

Symptome: Herzjagen, das Gefühl zu ersticken, Atemnot, Schweißausbrüche, Schwindel, Zittern, motorische Unruhe, Engegefühl in Hals oder Brust sowie ein trockener Mund.

Ursachen: Bei den Entstehungsbedingungen der Angst bleiben viele Fragen offen. Denkbar sind ein gestörtes Zusammenspiel der Botenstoffe im Gehirn, traumatische Lebenserfahrungen, misslungene Konfliktlösungen, der Konsum von Drogen oder die Einnahme von Medikamenten sowie körperliche oder seelische Erkrankungen.

[!CAUTION] Wichtig Angstzustände und depressive Verstimmungen verlangen eine präzise Diagnose mit Klärung der zugrunde liegenden Ursache. Eine ärztliche Begleitung ist bei Depressionen in jedem Fall erforderlich!

Kontraindikationen für Phytotherapie

  • Schwere endogene Depressionen
  • Akute Angststörungen
  • Phobien (auf ganz bestimmte Auslöser bezogene Ängste)
  • Panikstörungen (anfallsweise auftretende, heftige Ängste ohne erkennbaren Auslöser mit vegetativen Begleiterscheinungen)

Phytotherapeutika

Die Behandlung von depressiven Verstimmungen und Angsterkrankungen stützt sich im Grundsatz auf zwei Säulen: die Psychotherapie und die Arzneimitteltherapie. Etwa 80 % der depressiv Erkrankten haben eine leichte bis mittlere Ausprägung und eignen sich – anders als Patientinnen und Patienten mit schwerer Depression – für eine Therapie mit Arzneidrogen. Für sie spricht vor allem, dass Phytopharmaka nur einen Bruchteil der unerwünschten Wirkungen synthetischer Präparate mit sich bringen.

Was die Wirksamkeit angeht, steht die Pflanzenbehandlung laut GCP-Studien den synthetischen Arzneimitteln in nichts nach; bei der Verträglichkeit und den Kosten ist sie klar im Vorteil. Mittel der Wahl ist Johanniskraut.

Phytotherapie bei depressiven Verstimmungen und Ängsten (> Tab. 9.6)

Depressive Verstimmung: Stimmungsaufhellende Antidepressiva Ängste: Angst- und Spannung lösende Phytoanxiolytika Depressionen und Ängste: Adjuvante Phytotherapie
Johanniskraut: Verkürzter Wirkungseintritt durch gleichzeitige Einnahme von Baldrian; bzgl. Verträglichkeit synthetischen Arzneimitteln überlegen, bzgl. Wirksamkeit ebenbürtig (GCP-Studie). Phytopharmaka benötigen 2-5 Wochen zur Entfaltung der vollen Wirksamkeit – Patienten darüber aufklären! Umfassen auch vegetativ-funktionell-somatische Beschwerden. Baldrian: Bevorzugt in Kombination mit Johanniskraut und Passionsblume. Passionsblume: Wirkfaktor 10 in Kombination mit Johanniskraut. Lavendel und Kombinationen pflanzlicher Sedativa: Lindern Angstsymptome laut Studien deutlich und schnell. Zusätzlich kreislaufunterstützende (Rosmarin, Thymian), herzunterstützende (Weißdorn) oder beruhigende Arzneipflanzen (Baldrian, Melisse, Lavendel). Bittermittel tonisieren, machen ganz eindeutig “gute Laune”: Engelwurz (“Angstwurz”), Wermut (“macht Mut”) u.v.m. Leberfunktion unterstützen (ist an Bildung von Neurotransmittern beteiligt): Mariendistel, Artischocke. Ginseng: anxiolytisch und adaptogen. Aromatherapie: große Auswahl stimmungsaufhellender ätherischer Öle (Duftlampe), v.a. Zitrusöle.

Pflanzenporträts

Johanniskraut

Passionsblume

Therapiekonzept

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt. Weil sich die Erkrankungen nicht immer klar voneinander abgrenzen lassen, bieten Heilpflanzen mit ihrem breiten Wirkprofil einen guten therapeutischen Spielraum.

[!NOTE] Beachtenswert Pflanzliche Psychopharmaka entfalten ihre Wirkung in der Regel erst nach etwa 2 Wochen. Phytopharmaka benötigen 2-5 Wochen zur Entfaltung der vollen Wirksamkeit – Patienten darüber aufklären!

Therapieziele (> Tab. 9.7)

Stimmungsaufhellung mit Antidepressiva Spannungsabbau mit Anxiolytika
Johanniskraut Baldrian
Ätherisches Lavendelöl
Passionsblume
Dauer: Als Langzeittherapie über mehrere Monate Dauer: Als Langzeittherapie über mehrere Monate

Präparate

Spannungsabbau und Stimmungsaufhellung

Präparat Zusammensetzung Dosierung
Baldrivit 600 mg Baldrian 2-mal tägl. 1 Tbl.
Euvegal balance 500 mg Baldrian 1-3-mal tägl. 1-3 Filmtabl.
Hoggar balance Passionsblume 2-3-mal tägl. 1 Tabl.
Hyperforat 250 mg Johanniskraut 3-mal tägl. 1 Tabl.
Jarsin 300 mg Johanniskraut 2-mal tägl. 1 Tabl.
Jarsin 750 mg Johanniskraut 1-mal tägl. 1 Tabl.
Kneipp Baldrian Extrakt Baldrian 3-mal tägl. 1 Tabl.
Kytta sedativum für den Tag Passionsblume 2-3-mal tägl. 1 Tabl.
Laif 612 Johanniskraut 1-mal tägl. 1 Tbl.
Laif 900 / Laif 900 balance Johanniskraut 1-mal tägl. 1 Tbl.
Lasea Ätherisches Lavendelöl 1-mal tägl. 1 Kps.
Neurapas balance Johanniskraut, Baldrian, Passionsblume 3-mal tägl. 2 Tabl.
Neuroplant / Neuroplant Aktiv Johanniskraut 1-mal tägl. 1 Tabl.
Pascoflair 425 mg Passionsblume 2-3-mal tägl. 1 Tabl.
Passidon Passionsblume 2-mal tägl. 2 Kps.
Passiflora Curarina Passionsblume 3-mal tägl. 2 ml
Psychotonin Johanniskraut 3-mal tägl. 1 Kps.
Sedonium 300 mg Baldrian Kinder 6-12 J.: 1-mal tägl. 1-2 Tbl.; ab 12 J. und Erw.: bis 3-mal tägl. 2 Tabl.

Hinweise

Wechselwirkungen von Johanniskraut (ab 900 mg/Tag!)

[!WARNING] Achtung bei Johanniskraut! Johanniskraut in einer Dosierung ab 900 mg/Tag darf nicht bei gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva, insbesondere aus der Wirkstoffgruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Paroxetin, Sertralin, Trazodon), eingenommen werden!

Johanniskraut schwächt die Wirkung zahlreicher Arzneistoffe ab. Gegebenenfalls muss der Arzt die Dosierung der betroffenen Medikamente daher anpassen. Betroffen sein können:

Wirkstoffgruppe Beispiele
Immunmodulatoren Ciclosporin
Immunsuppressiva Tacrolimus, Sirolimus
AIDS-Mittel (HIV-1-Proteasehemmer / reverse Transkriptase-Hemmer) Nevirapin u.a.
Herzmittel Digitoxin
Asthmamedikamente Theophyllin
Blutdrucksenker Verapamil
Beruhigungsmittel Midazolam
Antidepressiva Amitriptylin, Nortriptylin
Zytostatika Imatinib, Irinotecan
Antikoagulanzien Phenprocoumon, Warfarin
Orale Kontrazeptiva (“Pille”) – Wirkungsabschwächung möglich!

[!NOTE] Zur Beachtung Bei der üblichen, niedrig dosierten Teeanwendung sind keine Wechselwirkungen dokumentiert. Die Effekte sind dosisabhängig und zeigen sich erst ab einer Tagesdosis von 900 mg.

Allgemeine Hinweise

  • Die Therapie stützt sich grundsätzlich auf zwei Säulen: Psychotherapie einerseits, medikamentöse Behandlung andererseits.
  • Auch bei einer Behandlung mit pflanzlichen Mitteln gehören Depressionen immer in ärztliche Obhut.
  • Pflanzliche Psychopharmaka wirken in der Regel erst nach etwa 2 Wochen; die volle Wirksamkeit entfaltet sich nach 2-5 Wochen.
  • Wird Johanniskraut zusammen mit Baldrian eingenommen, setzt die Wirkung schneller ein.
  • Johanniskraut sensibilisiert die Haut für Licht: Während der Einnahme sollte intensive Sonnenexposition beobachtet werden.
  • Ergänzend zur inneren Therapie eignen sich stimmungshebende ätherische Öle in der Duftlampe – allen voran Zitrusöle.
  • Bitterstoffdrogen wie Engelwurz und Wermut kräftigen den Organismus und wirken auf natürliche Weise stimmungshebend.

Zusammenfassung

Depressive Verstimmungen und Angststörungen zählen zu den häufigsten seelischen Erkrankungen und sind mit erheblichem Leid verbunden. Für leichte bis mittelschwere Depressionen hält die Pflanzenheilkunde mit Johanniskraut ein Präparat bereit, das in seiner Wirksamkeit den synthetischen Antidepressiva ebenbürtig ist, aber deutlich besser vertragen wird. Als Phytopharmaka gegen Angst und Anspannung stehen Baldrian, Passionsblume sowie Lavendelöl in Kapseln (Lasea) zur Wahl. Miteinander kombiniert – etwa Johanniskraut mit Baldrian und Passionsblume – ergänzen sich die Arzneidrogen gegenseitig und decken das breite Symptomspektrum ab. Behandelt wird möglichst als Langzeittherapie über mehrere Monate. Von zentraler Bedeutung sind die Aufklärung über den verzögerten Wirkungseintritt (2-5 Wochen) sowie die strikte Beachtung der Wechselwirkungen von Johanniskraut ab 900 mg/Tag, insbesondere mit Antidepressiva (SSRI), Immunsuppressiva und Antikoagulanzien. Begleitend kommen unterstützende Ansätze wie Leberentlastung, Aromatherapie und Bitterstoffdrogen zum Einsatz.

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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