Kopfschmerz und Migräne

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Beschreibung

Schmerzen mag niemand. Akuter Schmerz hat jedoch eine wichtige Schutzfunktion und wird gern als “Wachhund der Gesundheit” bezeichnet. Er macht darauf aufmerksam, dass “irgendetwas nicht in Ordnung ist” – verursacht durch körperliche oder seelische Auslöser, wobei sich beide häufig wechselseitig bedingen.

Kopfschmerz zählt zu den verbreitetsten gesundheitlichen Klagen überhaupt; für die entsprechenden Präparate wird in Deutschland mehr Geld ausgegeben als für jede andere Medikamentengruppe.

Spannungskopfschmerz

Ein Spannungskopfschmerz entwickelt sich, wenn über längere Zeit in verkrampfter Haltung gearbeitet wird – etwa am Computer oder am Steuer. Zugrunde liegt meist eine Fehlregulation des Gefäßtonus im Bereich des Kopfes.

Symptome: Der Schmerz fühlt sich dumpf, drückend oder ziehend an, sitzt meist beidseitig und tritt gleichförmig über längere Zeit auf, wird mitunter als “Ring um den Kopf” beschrieben – pulsiert jedoch nicht.

Ursachen/Auslöser (gründliche Anamnese und Kopfschmerztagebuch sind wichtig):

  • Erkältungskrankheiten, wetterbedingte Umstellungen
  • Haltungsfehler, Hals-Wirbelsäulen-Beziehungsweise-Schulter-Arm-Syndrom, Neuralgien
  • Erkrankungen der Augen oder der Zähne
  • Gefäßveränderungen im Gehirn im Sinne einer Sklerose
  • Zu hoher oder zu niedriger Blutdruck
  • Störungen von Magen-Darm-Trakt oder Nieren
  • Hormonschwankungen oder Stoffwechselstörungen
  • Psychosoziale Belastung, Ängste, Depressionen, Schlafdefizit
  • Schädel-Hirn-Trauma, Gehirnerschütterung oder ein Tumor im Gehirn
  • Vergiftungen

Migräne

Ungefähr 10 % der erwachsenen Bevölkerung sind betroffen, Kinder eingeschlossen.

Symptome: Der Schmerz pocht, bohrt oder wirkt berstend. Er beginnt meist anfallsartig am Morgen und betrifft dann häufig eine Kopfseite; Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtscheu sowie eine ausgeprägte Geräuschempfindlichkeit begleiten den Anfall. Dazu gesellen sich nicht selten vegetative Begleiterscheinungen.

Pathophysiologie: Zugrunde liegt eine Fehlfunktion in der Verarbeitung von Reizen beziehungsweise im Stoffwechselgeschehen: Reize werden verstärkt aufgenommen und setzen in den Kernen des Hirnstamms Botenstoffe frei. Zu Beginn einer Attacke verengen sich die Hirngefäße und geben enorme Mengen des Botenstoffs Serotonin ab. Die Folge ist eine Minderdurchblutung mit Sauerstoffmangel, die sich häufig als Sehstörung mit Augenflimmern (“Aura”) äußert. Als Gegenreaktion auf die unzureichende Gefäßversorgung erweitern sich die Gefäße schlagartig – ein Vorgang, der an den besonders schmerzempfindlichen Gefäßwänden den typischen Migräneschmerz auslöst.

Ursachen: Die Ursachen sind vielschichtig. Wichtig ist die Vorbeugung: Ein Migränetagebuch hilft, die persönlichen Auslöser zu identifizieren (Genussmittel, Flüssigkeitsmangel, Stress, Entlastung, Ängste, Hunger, Wetterfaktoren, flackerndes Licht, orale Kontrazeptiva u.a.).

Phytotherapeutika

Akut vs. prophylaktisch (> Tab. 9.8)

Spannungskopfschmerz Migräne
Guarana: Bei Stresskopfschmerz/“Alkoholkater” Guarana: Bei Stresskopfschmerz/“Alkoholkater”
Mutterkraut: Vorbeugend und intermittierend 3-4 Monate lang einnehmen Mutterkraut: Bevorzugt vorbeugend und 3-4 Monate lang einnehmen
Ätherisches Pfefferminzöl: Akutmittel, wirkt rasch, nebenwirkungsfrei (auch für Schulkinder); hemmt die Bildung von Schmerzstoffen, steigert die Durchblutung der Haut, entspannt zugleich die Muskulatur Ätherisches Pfefferminzöl: Menthol wirkt lokalanästhetisch
Weide, Mädesüß: Bei chronischem Kopfschmerz; längerfristig einnehmen; wirkt erst nach 2-3 Std., aber langdauernd Pestwurz: Prophylaktisch (besser als nur Attackentherapie) und 3-4 Monate lang einnehmen; prophylaktische Therapie reduziert Anfallshäufigkeit um 60 %

Adjuvante Maßnahmen (> Tab. 9.9)

  • Kopfschmerz bei oder durch Verdauungsstörungen: Karminativa (Kümmel, Fenchel …) und die Verdauung fördernde Bitterstoffe einnehmen sowie die Leber als Entgiftungsstation entlasten: Mariendistel
  • Kopfschmerz durch Durchblutungsstörungen: Ginkgo
  • Lavendel-Unterarmbäder und heiße Fußbäder leiten die Anspannung aus dem Kopfbereich
  • Einreibungen mit ätherischen Ölen (Lavendel, Rosmarin, Zitrone) wirken lindernd
  • Starker Kaffee kann in der Prodromalphase den Anfall unter Umständen abschwächen
  • Basische Kost (kann die Anfallshäufigkeit senken)
  • Klinisches Heilfasten (Studie: Nach 3 Tagen sind 87 % der Migräniker migränefrei)
  • Entgiftungs- beziehungsweise Ausleitungskur
  • Kneippsche Anwendungen (das Erlernen lohnt sich!)
  • Entspannungsverfahren, Akupunktur, Akupressur, Neuraltherapie, Homöopathie
  • Wichtig: ausreichend Schlaf, Flüssigkeit und Bewegung
  • Stress wo immer möglich abbauen, den Säure-Basen-Haushalt ausgleichen, entgiften und genug trinken, auf eine regelmäßige Verdauung achten; eine Fußreflexzonenmassage oder ein kalter Waschlappen auf der Stirn helfen ebenso wie entspannendes Magnesium; zum Einreiben eignet sich das Aconit-Schmerzöl Wala
  • Alkohol- und Nikotinkonsum reduzieren

Pflanzenporträts

Ätherisches Pfefferminzöl

Pestwurz

Therapiekonzept

Alle Therapieschritte werden parallel durchgeführt (> Tab. 9.10).

Therapieziele (> Tab. 9.10)

Reduktion der Intensität und Häufigkeit der Episoden Stressabbau mit Adaptogenen Spannungsabbau / Stimmungsaufhellung Hormonregulation Verdauungsförderung
Mutterkraut Therapiekonzept Erschöpfung Therapiekonzept Depressive Verstimmungen Therapiekonzept PMS Therapiekonzept Verdauungsstörungen
Pestwurz
Akut: ätherisches Pfefferminzöl
Dauer: Als Langzeittherapie über mehrere Monate Dauer: Als Langzeittherapie über mehrere Monate Dauer: Als Langzeittherapie über mehrere Monate Dauer: Mehrere Wochen Dauer: Mehrere Wochen

[!TIP] Praxistipp Bei chronischem Spannungskopfschmerz bewährt sich die parallel laufende Einnahme von Baldrian, Johanniskraut oder Passionsblume (siehe Depressive Verstimmungen).

Teemischungen und Rezepte

Mutterkrauttee zur Prophylaxe

  • Tanaceti partenii herba (Mutterkraut) 100 g

1 TL mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen und 7 Min. bedeckt ziehen lassen. 3-mal tägl. 1 Tasse vor den Mahlzeiten trinken.

Präparate

Kopfschmerz und Migräne (akut und prophylaktisch)

Präparat Zusammensetzung Anwendung
Euminz Ätherisches Pfefferminzöl Bei Kopfschmerzbeginn mehrmals hintereinander auf Stirn, Schläfen und ggf. Nacken auftragen
JHP Rödler Japanisches Heilpflanzenöl Minzöl 1-3-mal tägl. 2-3 Tr. auf Stirn, Schläfen und ggf. Nacken auftragen
Migränegran Mutterkraut Zur Vorbeugung 1-mal tägl. 40 mg
Olbas Ätherisches Pfefferminz-, Cajeput- und Eukalyptusöl 1-3-mal tägl. 2-3 Tr. auf Stirn, Schläfen und ggf. Nacken auftragen

Nahrungsergänzungsmittel (aus dem EU-Ausland / über Internet zu bestellen)

Produkt Zusammensetzung Dosierung
Arkocapsules Mutterkraut 3-mal tägl. 1 Kps.
Schwabe MigraHerb Mutterkraut 1-mal tägl. 1 Tbl.
Petasites Petadolex Pestwurz 3-mal tägl. 1 Kps.

Hinweise

  • Vor jeder Behandlung stehen gründliche Anamnese und Differenzialdiagnose. Ein Kopfschmerztagebuch und ausführliche Gespräche mit den Betroffenen decken die Ursachen auf.
  • Der Schlüssel zur Behandlung ist die Vorbeugung: mithilfe des Migränetagebuchs die Auslöser erkennen und meiden (Genussmittel, Flüssigkeitsmangel, Stress, Ängste, Hunger, Wetterfaktoren, flackerndes Licht, orale Kontrazeptiva u.a.).
  • Alkohol- und Nikotinkonsum einschränken.
  • Bei hormonell bedingter Migräne das Therapiekonzept PMS einbeziehen.
  • Liegt eine magen- oder gallebedingte Migräne vor, das Therapiekonzept Verdauungsstörungen beachten.
  • Vorbeugend wirken Pestwurz oder Mutterkraut kurmäßig über 3-4 Monate gegeben.
  • Pfefferminzöl gehört nicht in den Gesichtsbereich von Säuglingen und Kleinkindern.
  • Eine Tasse Espresso kann durch ihr Koffein einen beginnenden Migräneanfall mitunter abmildern.

Zusammenfassung

Kopfschmerz und Migräne gehören zu den häufigsten Beschwerden überhaupt. In der Phytotherapie wird klar zwischen Akuttherapie und Prophylaxe unterschieden. Akut kommt ätherisches Pfefferminzöl zum Einsatz, das lokal betäubend und kühlend wirkt, keine Nebenwirkungen zeigt und großflächig auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen wird. Für die Prophylaxe sind Pestwurz (senkt die Anfallshäufigkeit um 60 %) und Mutterkraut die Mittel der Wahl – jeweils kurmäßig über 3-4 Monate. Chronischen Spannungskopfschmerz flankieren zusätzlich Baldrian, Johanniskraut und Passionsblume. Zentrale Bedeutung kommt den begleitenden Maßnahmen zu: Triggernachweis per Tagebuch, basischer Kost, Heilfasten, Kneippschen Anwendungen, Entspannungsverfahren sowie ausreichend Schlaf und Bewegung. Ergänzend finden Weidenrinde und Mädesüß als langdauernd wirkende Schmerzmittel Verwendung.

Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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