Pestwurz

Pestwurz (Petasites hybridus, Petasitidis rhizoma, Asteraceae)
- Familie: Asteraceae
- Droge: Petasitidis rhizoma (Pestwurzwurzelstock), Petasitidis folium (Pestwurzblätter)
Inhaltsstoffe
- Sesquiterpenlactone, allen voran Petasin als wichtigster Wirkstoff (vorgeschrieben sind mindestens 15 %), flankiert von Isopetasin und Neopetasin — sie wirken krampfauflösend, schmerzstillend und entzündungshemmend
- Ätherisches Öl (0,1–0,5 %) sowie Schleim- und Gerbstoffe
- Wild wachsende Pflanzen führen ungesättigte Pyrrolizidinalkaloide (PA), die die Pflanze giftig macht; in kontrollierten Kulturen (Petadolex®) werden die Gehalte auf unter 0,01 ppm gedrückt, wodurch ein praktisch PA-freies Präparat entsteht
Wirkungen
Innerlich (Wurzelstockextrakt):
- Deutlich krampflösend: Durch Blockade der Calcium-Kanäle und Hemmung der Leukotrien-Synthese unterbleibt die Kontraktion glatter Muskelzellen
- Migräneschmerz und -häufigkeit lassen sich deutlich senken (Migräneprophylaxe) — und das ohne müde zu machen; Studien belegen: 2-mal täglich 50–75 mg Petasites-Extrakt (standardisiert auf 15 % Petasin) reduziert die Zahl der Migräneattacken um bis zu 60 %
- Wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend
- Blattextrakte mildern Heuschnupfen-Symptome wie Niesen, Augenjucken und laufende Nase — gleichfalls ohne sedierende Begleitwirkung, bei ausgeprägt entzündungshemmender Aktivität; die Wirksamkeit entspricht der von Cetirizin, nur dass keine Müdigkeit auftritt
Äußerlich:
- Umschläge aus Blättern dienten früher der Behandlung von Wunden und Geschwüren (historisch)
Indikationen
HMPC/ESCOP:
- HMPC: Well-established use — Migräneprophylaxe bei Erwachsenen (standardisierter Wurzelstockextrakt); traditionelles Arzneimittel bei Harnwegskrämpfen und spastischen Zuständen
- ESCOP: Migräneprophylaxe; Heuschnupfen (Blattextrakt)
Im Einzelnen:
- Evidenzbasiert und effizient zur Migränevorbeugung bei Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren
- Schmerzhafte Verspannung der Schulter-Nacken-Muskulatur
- Begleitend bei Harnwegskrämpfen, Asthma, Keuchhusten, spastischer Bronchitis und starken Menstruationskrämpfen
- Blattextrakte zur symptomatischen Behandlung der saisonalen allergischen Rhinitis (Heuschnupfen)
Anwendungen
- Migräneprophylaxe: Spezialextrakt aus dem Wurzelstock (Petasites hybridus, standardisiert auf 15 % Petasin): morgens und abends je 50–75 mg Extrakt. Behandlungsdauer: kurmäßig 3 Monate, danach Erfolgskontrolle. Bei Kindern zwischen 6 und 12 Jahren: 2-mal täglich 25 mg.
- Heuschnupfen: Blattextrakt (z. B. Ze 339, Tesalin®): einmal täglich 1 Tablette (32 mg Extrakt).
- Muskelverspannungen: 3-mal täglich 50 mg Wurzelstockextrakt.
Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Nebenwirkungen: PA-freie Spezialextrakte sind praktisch frei von nennenswerten Nebenwirkungen; gelegentlich leichte Magen-Darm-Beschwerden oder Aufstoßen (hervorgerufen durch das ätherische Öl). Auch für Kinder geeignet.
Gegenanzeigen: Schwangerschaft und Stillzeit (unzureichende Datenlage); bestehende Leberschädigung (da PA nicht völlig ausgeschlossen werden können); gleichzeitige Anwendung mit anderen potenziell lebertoxischen Substanzen.
[!CAUTION] Beachte Bei bestehender Leberschädigung sollte Pestwurz vorsorglich nicht verwendet werden. Es dürfen ausschließlich PA-kontrollierte Spezialextrakte aus der Apotheke zum Einsatz kommen!
[!TIP] Praxistipp Eine Pestwurz-Behandlung sollte prophylaktisch als Kur über 3 Monate erfolgen. Erste Effekte stellen sich frühestens nach 4 Wochen ein.
Kombinationen
- Mit Weidenrinde bei Spannungskopfschmerz und Migräne — die zusätzliche Gabe unterstützt die Schmerzlinderung
- Mit Mutterkraut (Tanacetum parthenium) bei Migräne (sich ergänzende Prophylaxe)
- Mit Mädesüß bei Migräne mit begleitenden Schwellungen (salicylatartig wirkend und magenschonend)
- Mit Gänsefingerkraut bei Menstruations- und Harnwegskrämpfen (additiv-spasmolytisch)
- Mit Pfefferminze und Kamille bei krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden