Mund- und Rachenerkrankungen

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Achtung. Diese Seiten dienen der Information über Heilpflanzen und überlieferte Anwendungen – sie ersetzen keine ärztliche, apothekerliche oder therapeutische Beratung und sind kein Behandlungsvorschlag. Dosier- und Anwendungsangaben entstammen öffentlich verfügbarer Fachliteratur; verwende Heilpflanzen nur in Absprache mit Fachpersonal. Bei Beschwerden oder in Schwangerschaft/Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme: immer ärztlichen Rat einholen.

Beschreibung

Die Mundhöhle steht in ständigem Austausch mit der Außenwelt. Steril ist sie nicht: Bei gleichbleibender Wärme und Feuchtigkeit bietet sie Mikroorganismen beste Bedingungen, die sich dort in einem ökologischen Gleichgewicht befinden. Gründliche Mund- und Zahnpflege gilt deshalb gleichzeitig als Vorbeugung und Therapie.

Der Rachen ist mit Schleimhaut ausgekleidet, die im Bereich des Nasenrachens Flimmerepithel trägt. In der Rachenschleimhaut liegt lymphatisches Gewebe, der sogenannte Waldeyersche Rachenring, dessen Gesamtheit den Immunschutz der oberen Atemwege absichert.

Krankheitsbilder im Mund- und Rachenraum

  • Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis) mit Schleimhautläsionen (Aphthen), Mundtrockenheit (Xerostomie) und Schwellungen nach zahnärztlichen Eingriffen
  • Entzündungen des Zahnfleischs (Gingivitis)
  • Entzündungen des Rachens (Pharyngitis) mit den damit verbundenen Schluckbeschwerden
  • Entzündungen der Mandeln (Tonsillitis), meist durch Viren, mitunter auch durch Bakterien ausgelöst. Häufig kommt es zur bakteriellen Superinfektion mit Eiterbildung
  • Kehlkopfentzündung (Laryngitis) mit Heiserkeit, Stimmlosigkeit und Räusperzwang

Ursachen: Viren und Bakterien als Erreger, mangelhafte Mund- und Zahnhygiene, zahnärztliche Eingriffe, Reizstoffe wie Rauchen, Staub und Umweltschadstoffe, trockene Atemluft, Fehlernährung, Medikamente im Rahmen einer Chemotherapie sowie Bestrahlungen.

Phytotherapeutika

Der pflanzliche Einsatz richtet sich nach dem jeweiligen Beschwerdebild und der Beschaffenheit der Schleimhaut.

Aromatika, Antiphlogistika und Antibiotika

Pflanze Wirkung Besonderheiten
Arnika Entzündungshemmend, keimreduzierend Bei Tonsillitis, geschwollenen Lymphknoten
Gewürznelke Lokal keimreduzierend, schmerzlindernd Lutschen bei Stomatitis aphthosa
Ingwer Entzündungshemmend, sekretionsfördernd Bei Mundtrockenheit
Kamille Entzündungshemmend, keimhemmend, schmerzlindernd Gurgellösungen, Inhalationen
Myrrhe Entzündungshemmend, adstringierend, antibakteriell Bei Aphthen, Gingivitis
Ringelblume Entzündungshemmend, wundheilungsfördernd Gurgellösungen, fördert den Lymphabfluss
Salbei Antibakteriell, fungistatisch, virustatisch, adstringierend, entzündungshemmend Bei allen Mund-Rachen-Entzündungen
Thymian Antibakteriell, antiviral, entzündungshemmend Gurgellösungen

Gerbstoff-Drogen (bei geschwollenem Hals)

Pflanze Wirkung Besonderheiten
Blutwurz (Tormentill) Zusammenziehend, schmerz- und entzündungshemmend, blutstillend, bakteriostatisch Rhizom-Droge
Gänsefingerkraut Adstringierend, entzündungshemmend
Heidelbeerfrüchte, getrocknet Adstringierend, entzündungshemmend Mundspülung mit erwärmtem Saft
Rosenblütenblätter/-Hydrolat Adstringierend, entzündungshemmend Rosenhonig gegen Borken und Beläge
Zaubernuss Adstringierend, entzündungshemmend
Zistrose Antioxidativ, keimhemmend gegen Viren, Bakterien, Pilze Vorbeugend einsetzen, auch als Spray und Tabletten

Mucilaginosa (bei trockenem Hals/Heiserkeit)

Pflanze Wirkung Besonderheiten
Eibisch Reiz- und schmerzlindernd; lässt Schleimhäute schneller regenerieren Kaltauszug
Huflattich Reizlindernd, entzündungshemmend Max. 6 Wochen/Jahr
Isländisch Moos Reizlindernd, schleimhautschützend Pastillen zum Lutschen
Malve Reizlindernd Kaltauszug
Ringelblume Reizlindernd, entzündungshemmend
Spitzwegerich Reizlindernd, entzündungshemmend

Pflanzenporträts

Zistrose

Salbei

Therapiekonzept akute Tonsillitis

Die Therapieschritte werden parallel durchgeführt.

Antibakterielle und entzündungshemmende Arzneidrogen Abwehrstärkung mit Immunstimulanzien Evtl. Phytobiotika Evtl. reizlindernde Schleimstoffdrogen
Kamille, Myrrhe, Odermennig, Purpurroter Sonnenhut, Ratanhia, Ringelblume, Salbei, Thymian Therapiekonzept Erkältung Therapiekonzept akute Bronchitis Eibisch, Isländisch Moos, Malve
Dauer: mehrere Tage bis ca. 2 Wochen Dauer: mehrere Tage bis ca. 2 Wochen Dauer: mehrere Tage bis ca. 2 Wochen Dauer: mehrere Tage bis ca. 2 Wochen

Therapiekonzept chronisch-rezidivierende Tonsillitis

Immunstimulanzien Förderung des Lymphabflusses
Therapiekonzept Infektanfälligkeit Knotige Braunwurz, Ringelblume, Walnussblätter, Honigklee (Steinklee)
Dauer: 3-6 Monate Dauer: 3-6 Monate

[!TIP] Praxistipp Bei chronisch-rezidivierender Tonsillitis hat sich neben der systemischen die lokale Anwendung von Immunstimulanzien bewährt. Zusätzlich helfen 1-2-mal täglich Salben zur lokalen Lymphdrainage im Halsbereich.

Teemischungen und Gurgellösungen

Entzündungshemmende Gurgelteemischung

  • Agrimoniae herba (Odermennigkraut) 40 g
  • Salviae folium (Salbeiblätter) 30 g
  • Matricariae flos (Kamillenblüten) 30 g

M.D.S. 1 EL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen, 3-mal tägl. mit lauwarmem Tee gurgeln.

Reizlindernder Gurgeltee

  • Althaeae radix (Eibischwurzel) 100 g

M.D.S. 2 TL mit 1 Tasse kaltem Wasser ansetzen und 30 Min. ausziehen, dabei öfter umrühren. Durch ein feines Teesieb abgießen, dreimal täglich frisch zubereiten und damit gurgeln.

Teemischung zur Förderung des Lymphabflusses (chronische Tonsillitis)

  • Juglandis folium (Walnussblätter) 40 g
  • Meliloti herba (Steinkleekraut) 40 g
  • Calendulae flos (Ringelblumenblüten) 20 g

M.D.S. 1 EL mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen, 10 Min. bedeckt ziehen lassen. Morgens und abends 1 Tasse trinken.

Präparate

Antibakterielle und entzündungshemmende Präparate

  • A. Vogel Halsschmerz-Spray (Purpurroter Sonnenhut, Salbei): mehrmals tägl. 1-2 Sprühstöße
  • Calendula Essenz (Ringelblume): 30 Tr. auf 100 ml lauwarmes Wasser, 3-mal tägl. gurgeln
  • Echinacea Mund- und Rachenspray (Argentum nitricum D13, Ringelblume, Purpurroter Sonnenhut, Salbei, Eucalyptus globulus D1, Gingiva bovis D4/D8, Tonsillae palatinae bovis D4/D8): 1-2-mal tägl. 1 Sprühstoß
  • Kamillosan Mund- und Rachenspray: mehrmals tägl. 1-2 Sprühstöße
  • Repha-Os-Mundspray (Blutwurz, Ratanhiawurzel, ätherisches Anis-, Eukalyptus-, Nelken-, Pfefferminzöl): 20 Tr. auf 100 ml lauwarmes Wasser, 3-mal tägl. gurgeln
  • Salviathymol (Salbei-Tinktur mit ätherischem Eukalyptus-, Pfefferminz-, Zimt-, Nelken-, Fenchelöl, Thymol, Levomenthol): 20 Tr. auf 100 ml lauwarmes Wasser, 3-mal tägl. gurgeln

Mukositis-Pflegerezeptur

9 ml Olivenöl mit 1 ml Sanddornfruchtfleischöl sowie je 1 Tr. ätherischem Öl von Niauli (Melaleuca viridiflora) und Manuka (Leptospermum scoparium) mischen. Mehrmals täglich dünn auftragen.

Reizlindernde Präparate

  • Isla-Moos-Pastillen (Isländisch Moos): mehrmals tägl. 1 Pastille lutschen
  • Phytohustil Pastillen (Eibisch): mehrmals tägl. 1 Pastille lutschen
  • Antall (Isländisch Moos, Eibisch, Königskerze): Kinder ab 4 Jahren: 3-mal tägl. den Inhalt eines 1/2 Sticks; Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene: 3-mal tägl. den Inhalt 1 Sticks. Die Tagesdosis kann auf 8 Sticks erhöht werden.

Lokale Immunstimulanzien (chronisch-rezidivierende Tonsillitis)

  • Echinacin Capsetten (Echinacea): 3-4-mal tägl. 1 Lutschpastille
  • Echinaforce Tabletten (Purpurroter Sonnenhut): 3-4-mal tägl. 1 Tablette lutschen
  • Pelargonium comp. (spagyrische Zubereitung mit Kapland-Pelargonie, Johanniskraut, Taigawurzel, Lebensbaum): mehrmals tägl. 1-2 Sprühstöße

Lymphabflussfördernde Präparate

  • Calendula Urtinktur (Ringelblume) Ceres/DHU: 3-mal tägl. 3 Tr. bzw. 2-mal tägl. 10 Tr.
  • Lymphdiaral Basis-Tropfen SL (Ringelblumen, Löwenzahn, Chelidonium D8, Echinacea D3, Phytolacca D2, Hydrastis, Arsenum album D12, Lycopodium D2, Sanguinaria D8): Kinder von 1-6 Jahren: 1-3-mal tägl. 2-3 Tr.; Kinder von 6-12 Jahren: 1-3-mal tägl. 3-4 Tr.; Erwachsene: 3-mal tägl. 5 Tr.
  • Lymphdiaral Basistabletten (Braunwurz, Echinacea D3, Mercurius bijodatus D12): Kinder von 1-6 Jahren: 1-mal tägl. 1 Tbl.; Kinder von 6-12 Jahren: 1-2-mal tägl. 1 Tbl.; Erwachsene: 1-2-mal tägl. 1 Tbl.
  • Scrophularia Urtinktur (Knotige Braunwurz) DHU: 2-mal tägl. 10 Tr.
  • Weleda Juglans regia Urtinktur (Walnuss): 3-mal tägl. 10 Tr.
  • Lymphaden Hevert (Walnuss, Eibisch, Eiche, Kamille, Löwenzahn, Ackerschachtelhalm, Schafgarbe): Kleinkinder: 3-mal tägl. 10 Tr.; Schulkinder: 3-mal tägl. 15 Tr.; Erwachsene: 3-mal tägl. 25 Tr.

Unterstützende Salben zur Lymphdrainage (Halsbereich)

  • Lymphdiaral DS
  • Weleda Calendula Wundsalbe
  • Archangelica Ethanol Decoctum 10 % Weleda

Weitere naturheilkundliche Maßnahmen

Maßnahme Wirkung
Halswickel mit Zitronen, Quark, Kohl, Kartoffeln, Retterspitz oder Eukalyptus comp. Paste Hemmt die Entzündung, wirkt örtlich gewebsumstimmend
Salbenwickel mit Archangelicasalbe Weleda bei stark geschwollenen Lymphknoten Subjektiv spürbare Besserung, Beschwerden klingen rascher ab
Mundspülung mit Propolistinktur oder Kauen von Kittharz Phytobiotisch und entzündungshemmend
Akute Glossitis: Mundspülung mit erwärmtem Heidelbeersaft oder Salzwasser Adstringierend, entzündungshemmend
Borkenlösung: Zunge mit weicher Zahnbürste und Brausepulver reinigen; Borken und Beläge mit Butter, Sahne, Oliven- oder Mandelöl bestreichen Reinigt durch Schaumwirkung, löst Borken
Stomatitis-Prophylaxe: Lutschen von Eiswürfeln oder Honig (evtl. eingefroren) Abschwellend, schmerzlindernd, löst auch Borken
Mundtrockenheit: Bittermittel (Ingwer, Tausendgüldenkraut, Wermut); Anissamen kauen; Spülen mit Olivenöl Lässt die Sekrete fließen, regt die Speichelproduktion an
Stomatitis aphthosa: Lakritze lutschen; Süßholztee trinken; mit Kamillen- oder Salbeitee gurgeln; 10%ige Propolislösung; Zistrose-Tabletten lutschen; Sanddornfruchtfleischöl einreiben; Wala Mundbalsam Antiviral, phytobiotisch, entzündungshemmend, regenerierend
Zur Nacht mit Salzwasser spülen (1 TL/1 l Wasser) Hält die Schleimhäute feucht

Zitronen-Halswickel

In 250 ml kaltes bis handwarmes Wasser den Saft einer halben Zitrone geben, ein Baumwolltuch eintauchen und nur leicht auswringen. Das Tuch um den Hals legen und dabei die Halswirbelsäule aussparen. Ein etwas größeres Tuch darüberlegen und mit einem Außentuch, etwa einem Wollschal, fixieren. 20-45 Min. liegen lassen.

Hinweise

  • Sonnenhutzubereitungen möglichst lange im Mund behalten, das aktiviert die Abwehrzellen im Waldeyerschen Rachenring.
  • Bei chronisch-rezidivierender Tonsillitis hat sich die lokale Anwendung von Immunstimulanzien bewährt.
  • Zistrose vorbeugend einsetzen, um viralen Infektionen vorzubeugen.
  • Salbei-Zubereitungen zum Spülen und Gurgeln können auch in der Schwangerschaft und über längere Zeit angewendet werden.

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Literatur & Quellen: Quellen & Literatur – seitenübergreifend basierend auf U. Bühring, Praxis Heilpflanzenkunde, und Weiss/Fintelmann, Lehrbuch Phytotherapie. Eigene Zusammenfassung, keine Textübernahmen.
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