Filippo Vadi

Italienischer Fechtmeister der Spätrenaissance — De Arte Gladiatoria Dimicandi (1482–1487)

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“Volendo di questa arte trattare / De la spada a doi man voglio mostrare / Dodici guardie le quai son verace / E sette colpi che l’arte gli face.” — Vadi, De Arte Gladiatoria, Cap. I

Biographie

Filippo Vadi (ca. 1425–1501) war ein italienischer Fechtmeister, Gouverneur von Reggio und Diplomat im Dienst der Montefeltro-Dynastie von Urbino. Im Gegensatz zu vielen anderen Fechtbuchautoren ist Vadi nicht nur als Fechter, sondern auch als politischer Amtsträger fassbar: Er diente Federico da Montefeltro und später dessen Sohn Guidobaldo, dem er sein Fechtbuch widmete.

Vadis Leben überspannt die Schwelle zwischen der älteren, fioreanischen Tradition des 14./15. Jahrhunderts und der aufkommenden geometrisch-systematischen Fechtschule des 16. Jahrhunderts. Als Gouverneur von Reggio bewegte er sich in den höchsten administrativen und militärischen Kreisen des Herzogtums Urbino — ein sozialer Kontext, der sich in der Dedikation seines Werks an Guidobaldo widerspiegelt.

Werk

De Arte Gladiatoria Dimicandi

Vadis einziges überliefertes Werk, De Arte Gladiatoria Dimicandi (Über die Kunst des gladiatorenmäßigen Kämpfens), entstand zwischen 1482 und 1487 und ist als einziges Manuskript (Codex 1324, Biblioteca Nazionale di Roma) erhalten. Es umfasst 56 beidseitig illustrierte Pergamentblätter und ist teils in Prosa, teils in italienischen Versen verfasst — ein bewusster stilistischer Kunstgriff, der Vadis Ambition signalisiert, sein Fechtsystem auf ein literarisch gehobenes Niveau zu heben.

Das Werk behandelt in systematischer Progression:

  • Langes Schwert (Spada a due mani): Der Hauptteil. Vadi lehrt zwölf Huten (dodici guardie) und sieben Angriffshiebe (sette colpi), die sich terminologisch und konzeptionell teils an Fiore anlehnen, teils eigenständig sind. Die Beschreibung von Mezzo Tempo (halbe Zeit) und Tempo Pieno (volle Zeit) zeigt eine gegenüber Fiore weiterentwickelte temporale Taktiklehre.
  • Dolch (Daga): Dolchkampftechniken, basierend auf Fiores Grundlagen, aber mit eigener Systematik.
  • Ringen (Abrazare): Waffenlose Techniken, in das Schwertfechten integriert.
  • Schwert und Buckler, Stangenwaffen: Weniger ausführlich als das lange Schwert, aber im System enthalten.

Brückenposition zwischen Fiore und Bologneser Schule

Vadi nimmt in der italienischen Fechttradition eine einzigartige Brückenposition ein. Einerseits zitiert und adaptiert er Fiores Grundstruktur: Die dodici poste entsprechen funktional Fiores zwölf Huten, Vadis Meister-Schüler-Darstellungen folgen dem fioreanischen Modell, und die Integration von Ringen in das Schwertfechten ist ebenso eng wie bei Fiore. Andererseits führt Vadi neue Elemente ein, die auf die sich entwickelnde Bologneser Schule vorausweisen:

  • Geometrisches Denken: Vadi beschreibt die Huten in geometrischer Prosa und organisiert sie nach Angriffswinkeln, was auf die spätere vollständige Geometrisierung durch Camillo Agrippa vorausweist.
  • Zeitkonzepte: Die Begriffe Mezzo Tempo und Tempo Pieno beschreiben taktische Zeitfenster — eine Terminologie, die im 16. Jahrhundert von der italienischen Schule standardisiert wird.
  • Verschriftlichung in Versen: Vadis bewusste Poetisierung erinnert formal an Liechtenauers Merkverse, ohne dass eine direkte Verbindung nachweisbar wäre.

Ein direkter Einfluss Liechtenauers auf Vadi ist quellenmäßig nicht zu belegen; die Ähnlichkeiten (Merkvers-Form, Zeitdenken, Huten-System) sind eher Ausdruck paralleler Entwicklungen als Indizien eines Wissenstransfers über die Alpen.

Moderne HEMA-Rezeption

Vadi ist innerhalb der italienischen HEMA-Forschung weniger populär als Fiore dei Liberi, erlebt jedoch ein wachsendes Interesse — insbesondere unter Praktizierenden, die den Übergang vom mittelalterlichen zum renaissancezeitlichen Fechten studieren. Die vergleichende Analyse von Vadi und Fiore liefert wertvolle Einblicke in die Evolution der italienischen Fechtlehre über die Schwelle von 1500 hinweg.

Quellen und Editionen

  • Rubboli, Marco; Cesari, Luca: L’Arte Gladiatoria Dimicandi — De Arte Gladiatoria Dimicandi di Filippo Vadi. Il Cerchio, Rimini 2001.
  • Porzio, Luca; Morini, Gregory: Filippo Vadi: De Arte Gladiatoria Dimicandi. Chivalry Bookshelf, 2003.
  • Windsor, Guy: Veni, Vadi, Vici: Mastering Filippo Vadi’s Longsword. Swordschool, 2016.
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