Eisenport

Die Eisenport — wörtlich „eiserne Pforte" — ist eine kompromisslos defensive Hut, bei welcher der Fechter das Schwert vor dem Körper hält und die Spitze zum Boden richtet. Sie bildet eine physisch kaum zu durchdringende Barriere und wird in der Liechtenauer-Tradition überwiegend mit Joachim Meyer assoziiert, wenngleich ähnliche Positionen bereits im Alber und der Schrankhut angelegt sind.

Liechtenauers Zettel

Die Eisenport ist kein Bestandteil des Liechtenauerschen Zettels. Das Konzept einer eisernen, unbeweglichen Verteidigungshaltung widerspricht der offensiven Grunddynamik des Liechtenauerschen Systems und wird erst bei Meyer in den Kanon der Huten aufgenommen.

Glossen

Ringeck, Pseudo-Danzig, Lew

Die frühen Glossatoren kennen den Begriff der Eisenport nicht. Funktional verwandte Positionen — etwa das Bedecken der unteren Blößen mit vor dem Körper liegender Klinge — erscheinen im Kontext des Versetzens, werden aber nicht als eigenständige Hut begriffen.

Spätere Quellen

Der Codex I.6.4°.5 (Von Speyer, spätes 16. Jh.) erwähnt die Eisenport im Kontext der Wachten, die „vor den beynen" geführt werden. Hier klingt bereits die spätere Meyer’sche Terminologie an.

Meyer

Joachim Meyer erhebt die Eisenport zu einer seiner zentralen Huten. Er beschreibt, wie der Fechter mit ausgestreckten Armen die Klinge vor dem Körper hält, wobei die Spitze nach unten zum Boden zeigt, sodass die gesamte Körperfront von der langen Schneide abgeschirmt wird. Meyer empfiehlt die Eisenport besonders gegen Gegner, die zu wilden Unterhauen neigen. Gleichzeitig warnt er vor der Starrheit dieser Hut: Wer zu lange in der Eisenport verharrt, mache sich für Listangriffe (Verführen, Ablauffen) angreifbar. Meyer nutzt die Eisenport vor allem als Ausgangspunkt für das abgehen und umschlagen.

Ausführung und Mechanik

Das Schwert wird mit gestreckten Armen vor dem Körper geführt; die Hände befinden sich auf Bauch- bis Brusthöhe, die Spitze zeigt steil zum Boden, die lange Schneide ist dem Gegner zugewandt. Wegen des geringen Abstands zwischen Schneide und Körper kann der Gegner faktisch keine Unter- oder Mittelhiebe anbringen, ohne auf die Klinge zu treffen.

Taktische Anwendung

Die Eisenport ist eine rein defensive Barrierehut. Sie schützt zuverlässig gegen Unterhaue, Mittelstiche und Körperangriffe, solange der Abstand gewahrt bleibt. Die Schwäche liegt in der mangelnden Offensivfähigkeit: Haue sind aus der Eisenport kaum möglich, und die statische Haltung kann durch Umgehungen, Finten und Abgeh-Techniken ausgehebelt werden. Aus diesem Grund raten sowohl Meyer als auch moderne Interpreten dazu, die Eisenport nur kurz und in spezifischen Situationen einzusetzen.

In der Praxis

Im modernen Training dient die Eisenport als Demonstrationsbeispiel für die Defensiv-Extreme des langen Schwertes. Trainierende lernen an ihr, warum statische Huten im Liechtenauer-System die Ausnahme bleiben. Übung: Ein Partner führt kontrollierte Angriffe gegen die Eisenport, der Verteidiger muss nach dem ersten Versatz sofort in eine offene Hut übergehen. Kritikpunkt: In Gefechts-Simulationen wird die Eisenport regelmäßig von Zwerchhauen und umlaufenden Aktionen ausgehebelt.

Primärquellen

  • Meyer, Joachim: Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens. Straßburg 1570, II.24r–25r.
  • Cod. I.6.4°.5 (Von Speyer), fol. 21r ff.

Sekundärliteratur

  • Forgeng, Jeffrey L. (Übers.): The Art of Combat: A German Martial Arts Treatise of 1570. London 2006.
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