Schlüssel (Meyer)
Meyers überkreuzte Deckungshut vor der Brust

Definition
Der Schlüssel — bei Joachim Meyer “Schlüsselhut” — ist eine der eigenständigen Huten, die Meyer zu den vier Hauptlegern hinzufügt. Es handelt sich um eine defensive Bereitschaftshaltung mit überkreuzten Händen vor der Brust, die Klingenspitze schräg aufwärts zum Gegner gerichtet. Der Name rührt von der Ähnlichkeit mit einem alten Schlüssel: Der Knauf nahe der Brust, die überkreuzten Unterarme als Schlüsselbart, die aufwärts gerichtete Klinge als Schaft. Meyer beschreibt ihn als Hut, die “mit verwechselten Händen” eingenommen wird.
Die Überkreuzung ist das definierende Merkmal, das den Schlüssel vom Ochs (Hände seitlich) und der Eisenport (parallele Hände) unterscheidet. Der Schlüssel kann rechts und links eingenommen werden; die überkreuzte Haltung wirkt als Feder-Hut — durch Entkreuzen der Hände kann die Klinge explosionsartig in verschiedene Richtungen schnellen.
Taktische Bedeutung
Der Schlüssel präsentiert eine kompakte, schwer lesbare Silhouette. Der Gegner kann nicht sicher einschätzen, ob Stich, Zwerchau oder Unterhau folgt. Gleichzeitig provoziert er hohe Oberhaue: Der Fechter im Schlüssel hat diese Angriffe antizipiert und bricht sie mit schnellem Entkreuzen und Gegenhieb. Der Schlüssel funktioniert als Einladungshut — ähnlich dem Alber der mittelalterlichen Tradition — mit einer spezifischen, durch die Überkreuzung ermöglichten Schnellkraft.
Von der Schrankhut unterscheidet er sich durch die vertikalere Klingenführung: Die Schrankhut ist auf den unmittelbaren Querhieb ausgelegt, der Schlüssel auf variable Aktionen.
Quellen
- Meyers Fechtbuch 1570, 1570, 1. Buch, Kap. 3.
- Forgeng, Jeffrey L.: The Art of Combat. London 2015.