Zwerchau
Der querfliegende Brechhieb

Der Zwerchau ist der zentrale Meisterhau des Liechtenauerschen Systems. Er kombiniert Parade und Gegenangriff in einer einzigen Bewegung und gilt als die effektivste Antwort auf hoch ankommende Haue. Der Name leitet sich von „twer" (quer, zwerch) ab und beschreibt die charakteristische Handhaltung mit gekreuzten Armen, bei der die Klinge horizontal durch die Luft geführt wird.
Liechtenauers Zettel
„Der Twer dauor / was von ym kumpt der kron / schneidt ab so hurtigklich"
Der Vers enthält in komprimierter Form die gesamte Taktik: Erstens, der Zwerchau schützt („dauor"). Zweitens, er bricht die Kron — eine hoch gehaltene Parade, die dem Oberhau entgegengehalten wird („was von ym kumpt der kron"). Drittens, er „schneidt ab" — der Zwerchau ist ein schneidender Hieb, der die gegnerische Klinge abweist und gleichzeitig zum Kopf trifft.
Glossen
Ringeck
[27r.2] Der zwerhaw° mit sine~ stucken
Text: „Zwerch benÿmp / was võ tag her kümpt“
Glosa: Merck de~ zwerhaw bricht alle hew die võ oben nÿder gehawe~ werde~ vnd den haw trÿb also We~ er dir oben In hawet zu° dem kopf So spring mit dem rechte~ fu°ß [27v.1] gen Im vß dem hawe Vff Sin lincken sytten vnd im springen verwent din schwert mit de~ gehu~ltz houch vor deine~ haupt das din dou~m vnnde~ kome vmd schlach In mit der kurtze~ schnide~ zu° siner lincken sytten So vaschdü sine~ haw In din gehu~ltz vnd triffest In zu° dem kopff.
[27v.2] Ain stuck vß dem zwerhaw°
Text: „Zwer mit der stoerck / den arbait do mit moerck“
Glosa: Das ist wie dü mit der stoerck auss der zwer arbaite~ solt vnd dem thu°n also we~ dü Im mit der zwer zu° hauest So gedenck das dü Im mit der zwer sterck deines schwerts starck In das Sin Helt den er starck wyder So schlach In am schwert mit gekru~czte~ arme~ hinder seines schwertz klinge~ vff den kopff [28r.1] oder schnÿd In mit dem stuck dürch das mau°l.
[28r.2] aber ain stuck vß dem zwerhaw°
Merck we~ du Im vß der zwer mit der stoerck deines schwerts an sin Schwert bindest helt den er starck wÿder So stoss mit deine~ gehülcz sin schwert võ dir vnderisch vff dein rechte~ sytte~ vnd schlach bald mit der zwer wyderu~ gen siner rechte~ syten Im zu° dem kopffe.
[28r.3] Aber ain stuck vß dem zwerhaw°
Itm~ wan dü Im mit der zwer an sin schwert bindest Ist da er waich am schwert So leg Im die kurtze~ schnÿde~ zu° seine~ rechte~ sytten an den halß vnd spring mit dem rechte~ fu°ß hinder seine~ lincke~ vnd ru~cke In mit dem schwert daru~ber.
[28r.4] Ain ander stuck
[28v.1] Itm~ wen dü Im mit der zwer an sin schwert bindest Ist er dan waich am schwert So truck mit der zwer sin schwert nÿde° vnd leg Im die kurtze~ schnÿde~ hinde~ sinen arme~ vorne~ an den halß.
[28v.2] ain bruch wider den obern zwerhaw°
Itm~ wã dü Im võ deiner rechte~ sytte~ mit aine~ obere~ haw ode~ sunst an sin schwert bindest Schlecht er dan mit der zwer vmb dir zu° der andere~ sytten so kom vor au~ch mit der zwerch vnder sin schwert Im an den halß.
[28v.3] Wie man zu° den vier blossen mitt der zwer schlache~ soll
Text: „Zwer zu° dem pflu°g / zu° de~ ochsen hart gefu°ge“
Glosa: das ist wie dü In aine~ zu° gang [29r.1] mit der zwer zu° den vier blossen schlagen solt Das vernÿm also Wã dü mit dem zu°fechte~ zu° Im kompst So merck wan es dir eben ist So spring zu° Im vnd schlag In mit der zwer zu° der vndere~ bloß siner lincken sytte~ Das hayst zu° dem pflu°g geschlagen.
[29r.2] Aber ain stuck vß dem zwerhaw°
Wen dü Im mit der zwer zu° der vndere~ bloß geschlagen hast so schlag bald vff mit der zwer Im zu° der andere~ sytten oben In zu° dem kopff das haisst zu de~ ochse~ geschlage~ vnd schlach denn fürbas behendtlich ainen zwerch schlag zu° dem ochse~ vnd den andere~ zu° dem pflug cru~czwÿß võ ainer sytte~ zu der andere~ vnd haw Im do mit aine~ obere~ haw obe~ ein zu° dem kopffe vnd zu~ch dich damit ab.
[29v.1] Waß sich wol zwerch mit springe~ dem haupt geferet
Glosa: das ist das dü mit ainem yden zwerschlage wol vß solt springe~ Im vff die sytte~ do dü Im zu° schlage~ wylt so mag stü In wol treffe~ zu° siene~ haupt vnd wart das dü In dem spru~ng oben vor dine~ haupt mit diene~ gehu~ltze~ vol bedeck sÿest.
[29v.2] Hie nach mörck aber ain stuck vß der zwer vñ das haÿsset der feler
Text: „Feler wer wol furet / von vnde~ nach wunsch er ruret“
Glosa: Das ist mit dem feler werde~ alle fechter die da gern fersetze~ ver fyrt vnd geschlache~ das stuck trib also Wã du mit dem zu° fechte~ zu° Im kompst So thu° alß ob dü In mit aine~ fryen ober haw zu° siner lincke~ sÿtte~ So ist er vnnde~ nach [30r.1] wu°nsch geru~ret vnd geschlage~.
[30r.2] aber ain stuck vsß dem zwerhaw° vnd daß haÿsst der verkerer
Text: „Verkerer zwinget / durch laeffe~ au~ch mit ringet / den elenbogen gewisse nÿm / spring Im In die wage“
Glosa: Merck das stu~ck soltü also trÿbe~ wen dü In mit aine~ vnde~ oder oben haw an sin schwert bindest So verker dein schwert das din dou~me vnde kome vnd stich Im obe~ In zu° de~ gesichte So zwingstu In das er dir versetze~ mu°ß Vnd In der verseczung begriff mit de~ lincken hand sin rechte~ eleboge~ vnd spring mit dem lincken fu°sse für sine~ rechte~ vnd stosß In also dariber Oder lauff In mit dem verkerrer durch vnd ringe alß dü In dem durch lauffen her nach wirst finde~.
[30v.1] Aber ain stuck von aine~ feler
Text: „Feler zwÿfach / trifft mã den schnit mit macht“
Glosa: Merck das haysst der zwÿfach feler darümbe das mã In aine~ zu° fechte~ zwaÿerlaÿ ferfÿrung daru~ß trÿbe~ sol die erste~ tryb also we~ dü mit dem zu° fechte~ zu° Im kompst So spring mit dem fu°ß ge~ Im vnd thu°n alß dü Im mit aine~ zwer schlage~ zu° siner lincken sÿtten zu° dem kopff schlage~ welest vnd ferzu~ck den schlag Im zu° siner rechte~ sÿtten an de~ kopff.
[30v.2] Aber ain stuck vß dem feler
Text: „Zwyfach es fyrbas / schryt In lunck vnd biß nit laß“
Glosa: Das ist wã dü Im mit der erste~ verfÿrunge zu° siner rechten sytte~ zu° dem kepff geschlage~ [31r.1] hau~st alß am neste~ gemelt ist So schlach bald wyderu~mb Im zu° der rechte~ sytte~ zu° dem kopff vnd far mit der kurtze~ schnÿde~ mit auß gecru~tzten arme~ v~ber sin schwert vnd spring Im lincke das ist auff dein lincke~ sÿtte~ vnd schnyd In mit der lange~ schnÿde~ durch das maul.
Pseudo-Danzig (Cod. 44.A.8)
[18v.2] Hie hebt sich an der text vnd die glos von dem twer haw mit seinen stucken
Text: „Twer benÿmpt was vom tag her chumpt"
Glosa: Merck der twer haw pricht die hu°t vom tag vnd alle haw die von oben nÿder gehauen werden vnd die twer treib also wenn du mit dem [19r.1] zu° ÿm kumpst So stee mit dem lincken fuess vor vnd halt dein swert an deiner rechten achsel Stet er denn gegen dir vnd helt sein swert mit auff gerackten armen hoch vber dem haubt vnd drot dir oben ein zw° hauen So kum du vor im mit dem haw vnd spring mit dem rechten fuess wol auff dein rechte seitten gegen ÿm vnd ÿm sprung wind dein swert mit dem gehültz für dein haubt das dein dawmen vnden küm vnd slach ÿm mit der kurtzen schneid gegen seiner lincken seitten zw dem kopff
[19r.2] ·Oder kumpt er vor mit dem haw von oben nÿder ee wenn dw So spring mit dem rechten fuess aus dem haw wol auff dein rechte seitten mit der vor geschriben vor satzung So vechstu seine~ haw in dein gehültz vnd slach ÿn mit der twer zu° der lincken seitten seines kopffs ~
[19r.3] Hie merck die pruch wider den twer haw
Merck wenn dw gegen ÿm stest in der hu°t vom tag So haw ÿm künlich oben ein zu° dem kopff springt er denn aus dem haw vnd maint er wöll vor kume~ mit dem twer haw vnd slecht dir do mit zw° deiner lincken seitten zw° dein kopff So val ÿm mit der langen schneid auff das swert Slecht er denn mit [19v.1] der twer aber vmb dir zu° der anderñ seitten So küm dw Indes vor auch mit der twer vorñ für vnder seine~ swert im an den hals So slecht er sich selber mit deinem swert ~
[19v.2] Mit dem stuck hat maister pertolt maister hansen den talhofer vor meiner herren genaden Hertzog Albrecht zw minchen In die hant geschniten vnd auf den kopff geschlagen
[19v.3] Merck wenn dw einem vechter an sein swert gepunden hast Slecht er denn vom swert vmb mit der twer dir zw° der anderñ seitten So val ÿm mit der langen schneid in sein hand oder auff die arm~ vnd druck mit dem schnÿt sein arm~ mit swert mit tall von dir vnd slach in auß dem schnÿt von seinem arm~ mit dem swert auf den kopff
[19v.4] Hie merck den pruch wider die öberñ schnit in die arm~
Merck wenn dw ÿm mit der twer zu° seiner rechten seitten slegst velt er dir denn mit dem schnÿt in die arm~ So slach im mit dem duplierñ mit der kurtzen schneid hinder seiner swertz [20r.1] Klingen in das maul
[20r.2] ·Oder Slechstu im mit der twer zw° seiner lincken seytten velt er dir denn mit dem schnÿt in die arm~ So slach in mit dem duplierñ hinder seiner swertz klingen mit der langen schneid in das maul
[20r.3] Merck Also prich ÿm wider das duplirñ weñ dw Im tuest den schnÿt oben in sein arm~ Slecht er dir denn mit dem duplirñ oben zw° dem kopff So var auff vnd wind gegen dem slag dein swert vnder das sein vnd var Im mit dem swert an seinen hals mit der kurtzen schneid ~
[20r.2] Das ist der text vnd die glos aber ein stucks aus dem twer haw
Text: „Twer mit der sterck Dein arbait do mit schreck"
Glosa: Merck das ist wenn dw mit der twer slachen wilt So soltu sÿ slachen mit gantzer sterck deins leibs vnd das dw mit der sterck deines swertz albeg pindest an sein swert Do mit gewinstu ym die plöß an Das vernÿm also Wenn dw ÿm mit der twer von dein° rechten seÿtten zw° haust vor setzt er vnd pint do mit starck an dein swert So treib das duplirñ ·Oder Stos ÿn aus der twer mit deinem gehültz [20v.1] sein swert auff die seitt ab vnd slach ÿm do mit zu° der anderñ seitten ~
[20v.2] Aber ein annders
Wenn du ÿm von deiner rechten seitten mit der twer starck zw° haust vor setzt er vnd ist waich am swert so var ÿm mit der kurtzen schneid deins swertz zw° seiner rechten seitten an den hals vnd spring mit dem rechten fuess hinder seinen lincken füeß vnd ruck yn mit der swertz klingen also darüber oder treib das mutiren im zw° der vnderñ plöss
[20v.3] Also prich das
wenn dir ein° mit dem swert an den hals fert so far Inwendig seins swert auff mit dem knopff vnd lass die klingen nid° hangen vnd stos sein swert do mit von deine~ hals vnd slach ÿm oben ein ze dem kopff mit dem schnappen Oder slach yn mit dem duplirñ mit der rechtñ hant oben vber sein swert vnter das gesicht die weil er sein swert an deinem hals hat ~
[21r.1] Das ist der text vnd die glos der twer sleg zw den vier plössen
Text: „Twer zw dem phlueg zw° dem ochsen hart gefueg / was sich wol twert Mit springen dem haubt ge ver°"
Glosa: Merck dw hast uor gehört wie das der ochss vnd der phlueg sind genantt zwai leger oder zwo hütten So sind sÿ hÿe gehaissen die vier plössen Der ochs das sein die oberñ zwo plöss die recht vnd die linck seitt An dem haubt so ist der phlueg Die vnderñ zwo plöss auch die recht vnd die linck seitt vnderhalb der gürtel des manns die selbigen plösen soltu mit dem twer slegen in einem zw°fechten alle vier besuechen
[21r.2] Merck also slach die twer sleg zw den vier plossen
Merck wenn dw mit dem zu° vechten zu° ym kumpst So stee mit dem lincken füess vor vnd wenn es dir eben ist So spring mit dem rechten füess gegñ ÿm wol auff sein lincke seitten vnd slach ÿn aus der twer mit krafft gegen sein° lincken seitten zw° der vnderñ plöss Das haist zw° dem phlueg geslagen vor setzt [21v.1] er So slach im pald zw° der öberñ plöß sein° rechten seitten Das haist zw° dem ochsen vnd treib dann die twer sleg behendlich albeg ainen zu° dem ochsen vnd den anderñ zw° dem phlüeg kräutzweis von ein° seitten zw° der anderñ das ist zw° kopff vnd zu° leib
[21v.2] Auch soltu gedenken das du mit eine~ yeden twerslag albeg weit solt aus springen gegen im auff ein seitten So magstu in wol zu° dem haubt treffen vnd wart auch das du die weil oben vor dem haubt mit dem gehültz wol gedackt seist
[21v.3] Hie merck ein pruch wider die vnderñ twer schleg
Merck wenn er dir slecht mit der twer von seiner rechten seitten zw° deiner lincken oben zu° dem kopff So versetz mit der langen schneid vnd pleib im mit dem ort vor der prust Slecht er denn vom swert vmb mit der twer dir zu° der vnderñ plöss dein° rechten seitten So slach auch mit der twer vnden durch zwischen dir vnd im auch gegen seiner rechten seitten vnd pind do mit an sein swert vnd pleib am pant vñ stich im Indes zw° der vnderñ plöss ~
[21v.4] Das ist der text vnd die glos von dem stuck das da haist der veler
Text: „[22r.1] Veler verfüret von vnden nach wünsch er rurret"
Glosa: Der veler ist ein stuck do mit vil vecht° geplendt werden vnd nach wunsch gerürt vnd geslagen die do gerñ vor setzen vnd die do vechtent zw° dem swert vnd nicht zw° den plösen des leibs
[22r.2] Merck wenn du mit dem ze vechten zu° ÿm kumpst So thüe als dw im mit einem freÿen oberhaw zu° dem kopff wellest slachen vnd verzuck den haw vnd slach Im mit der twer zu° der vnderñ plöss seiner lincken oder seiner rechten seitten zu° welicher dw wild vnd wart das dw mit dem gehiltz vber deine~ haubt wol gedackt seist das magstu mit dem twerhaw auch also treiben
[22r.3] Das ist der text vnd die glos von dem stuck das da haist der ver ker°er
Text: „Vor kerer twinget durchlauffer auch mit ringet / Den elpogen gewiß nÿmspring ÿm in die wage"
Glosa: Merck den ver kerer haissent dir vechter den halbt haw oder die wendhant do mit twingt man den man Das mã im mag durchlauffen vnd gefassen mit ringen
[22r.4] den treib also ~
wenn du mit [22v.1] dem zu° vechten zu° im gest So gee mit dem lincken fuess vor vnd haw von der rechten seitten den halb haw mit ver kerter langer schneid ÿe vnd ÿe auff vnd nider dein lincken fuess noch pistu zu° im kumpst vnd als pald du im do mit an sein swert pindest So heng im den ort Indes oben ein vnd stich im zu° dem gesicht Vor setzt er den stich vnd vert hoch auff mit den armen So lauff im durch Oder beleibt er mit der vor satzung nider mit den henden So begreiff mit der lincken hant sein rechten elpogen vnd halt in do mit vest vnd spring mit dem lincken fuess für sein rechten vnd stös in also vber den fües
[22v.2] Oder wiltu in mit der lincken hant peÿ dem elpogen über den fues nicht stossen als vor geschriben stet So var im mit dem lincken arm~ hinden vmb den leib vnd würff in für dich vber dein lincke hüff
[22v.3] Das ist der text vnd die glos aber von einem velär
Text: „Veler zwifach Trift man den schnidt mit mach / Zwifach es für pas Schreit in linck vnd pis nicht las"
Glosa: merck Das haist der zwifach veler den treib also Wenn dw mit dem zu° vechtñ [23r.1] zu° im kumpst So stee mit dem lincken fües vor vnd halt dein swert an deiner rechtñ achsel vnd wenn es dir eben ist So spri~g gegen ÿm wol auff mit dem rechten fuess auff sein lincke seitten vnd thu°e als dw Im mit einem freÿen twerslag zu° seiner lincken seitten zu° dem kopff wellest hauen vnd vor zuck den haw vnd spring mit dem lincken füess auff sein rechte seittñ vnd slach in do selbest hin zu° dem kopff vor setzt er vnd dw triffest sein swert So spring zu° der selben seitten neben ÿm hin wegk vnd schneid ÿm mit der kurtzen schneid hinder seinem swert mit dem duplirñ in das maul
[23r.2] ·Oder ~ Vall im mit dem swert vber paide arm~ in den schnit Auch magstu den veler aus den oberñ häwen also wol treiben als aus den twer slegen wenn es dir eben ist oder wenn dû wild
Lew
[16v.2] Text: „Zwer benÿmet / Was vom tag her kommet."
Glosa: Merck der Zwer haw pricht die hut vom tag vnd alle haw die vom tag oben nider gehawen werden, vnd die zwer die treib also Wann du mit dem zufechten zum man geest Steet er dann gegen dir vnd helt sein swert mit auffgerichten armen übersich hoch über dein haubt In der hut vnd wart auf dich So merck wann du nahent zu Im kommest so setz den [17r.1] lincken fuß für vnd halt dein swert mit der flech an deiner rechten achsel Dritt er dann zu dir vnd drewet dit zuslahen so kumm du vor vnd spring mit dem rechten fusse wol auf dein rechte seitten vnd Im sprung wende dein swert mit dem gehültze vor deinem haubt das dein dawmen vnden kommen vnd slag In mit der kurtzen sneiden zu der lincken seitten seins kopffes etc.
[17r.2] Item kompt er aber vor mit dem hawe ee dann du so spring mit dem rechten fusse mit der vorgeschrieben versatzung aus dem haw wol auff dein rechte seitten vnd slag In mit der zwer an die vorgenantten stat etc.
[17v.1] Text: „Zwer mit der sterck / Dein arbeit damit vermerck"
Glosa: Merck das ist wann du In mit der zwer zu hewest, das soltu ton mit sterck Versetzt er dann so far auff mit der stercke deines swertz nach der swech seins swertz Begreifstu den mit der stercke seine swech So arbeit mit dem mutiren Im über sein swert zu der vndern plosse oder oben zu dem halse Magstu dartzu nicht kommen so arbeit auß dem duplieren hintter seinem swert mit dem slag zu dem kopffe etc.
[17v.2] Ist er dir aber mit der versatzung zu starck das du zu den stucken nit kommen magst So stos mit dem gehültz [18r.1] sein swert hin weck vnd slag In mit der zwer zu der andernn seitten Oder wil er dir ein lauffen So nÿm den schnit untter seinen armen etc.
[18r.2] Text: „Zwer zu dem pflug / Zu dem ochsen hart gefug / Was sich wol zweret / Mit sprüngen dem haubt gefere"
Glosa: Merck du hast vor gehöret wie das der ochs vnd der pflug sein genant zwej leger oder zwej hütten So sein sie hie geheissen vier plösse Der ochs das seint die [18v.1] obern zwu plösse die recht vnd die lincke seitten an dem haubt So ist der pflug die unttern zwu plösse auch die recht vnd die lincke seiten niderhalb der gürttel des mans vnd die plössen soltu mit den zwer slegen In einem zufechten alle vier versuchen etc.
[18v.2] Hie merck die zwer slege zu den vier plössen etc.
Item wann du mit dem zu vechten zu Im kommest Steet er dann gegen dir In der hut vom tag so spring mit dem rechten fusse gegen Im wol auf dein rechte seitten vnd slag In mit der zwer auß gantzer [19r.1] kunst oben zu dem ochsen seiner lincken seitten Versetzt er denn Slag In bald untten zu dem pflug seiner rechten seitten vnd treib dann fürpas die zwersleg behendiglichen albeg, einen zu dem ochsen Den andern zu dem pfluge creutzweiß von einer seitten zu der andern zu kopff vnd zu leibe etc.
[19r.2] Item Auch soltu gedencken das du mit einem yeden zwerslag alle wegweit solt außspringen auf ein seitten So magstu In wol damit zu dem haubt treffen vnd wartt das du die weil oben vor dem haubt mit dem gehültz wol bedackt seist etc.
Meyer
Joachim Meyer (1570) macht den Zwerchau zum Herzstück seines Langschwert-Systems. Kaum eine Technik wird bei ihm so ausführlich behandelt. Meyers Innovation ist die Systematisierung der Rosen (Meyer): Der Zwerchau wird in vier Richtungen geschlagen — von rechts, von links, und in den kombinierten Abfolgen der „Rosen", die einen ununterbrochenen Fluss von Zwerchhieben um den Kopf des Fechters herum beschreiben. Meyer lehrt die Rosen als methodisches Trainingswerkzeug, das die Handwechsel-Koordination, Schnittwinkel und den fließenden Übergang von Parade zu Schnitt perfektioniert. Bei Meyer ist der Zwerchau nicht nur eine Einzeltechnik, sondern ein gesamtes Sub-System.
Ausführung und Mechanik
Der Zwerchau wird mit gekreuzten Händen geschlagen. Für einen Zwerchau von rechts: Der Fechter tritt mit dem linken Fuß nach rechts, die Hände gehen in Kreuzposition (rechte Hand oben, linke unten, Daumen am Gehilz), die Klinge fährt horizontal in einer Linie, die kurze Schneide schneidet zum Kopf des Gegners. Die Mechanik involviert ein „Umdrehen" des Schwertes, sodass die lange Schneide nach hinten-oben zeigt und die kurze Schneide die aktive Kante ist. Der Treffer erfolgt auf die Schläfe oder den Hals. Die Reichweite wird durch den gleichzeitigen Seitensprung („auß dem haw treten") gewonnen.
Taktische Anwendung
Der Zwerchau bricht sämtliche Oberhaue, schützt den Kopf, bricht die Kron, eröffnet einen sofortigen Treffer und versetzt den Gegner in eine Position, aus der er nicht leicht reagieren kann. Er wird eingesetzt, sobald der Gegner einen Oberhau andeutet oder wenn er in einer hohen Hut (Vom Tag, Zornhut) steht. Die Kombination der Rosen erlaubt es, den Zwerchau sowohl als ersten Angriff als auch als Konter auszuführen. Taktisch ist der Zwerchau eine „Deckung zum Kopf mit gleichzeitigem Hieb" — das verkörpert die zentrale Liechtenauersche Doktrin: keine Parade ohne Treffer.
In der Praxis
Der Zwerchau ist eine der meisttrainierten Techniken im modernen Langschwert-HEMA. Training: Rosen-Drill mit und ohne Partner (Koordination und Handwechsel), Zwerchau gegen Oberhaue des Partners mit zunehmender Geschwindigkeit, Zwerchau gegen Kron-Parade, Zwerchau im Freigang/Sparring unter verschiedenen Winkeln. Häufige Fehler: Die Klinge wird zu steil geführt (kein echter Querschnitt), die Hände werden nicht genug gekreuzt, fehlender Seitensprung (der Fechter bleibt in der Gefahrenlinie), zu langsames oder abgesetztes Arbeiten (statt eines fließenden „Abschneidens").
Primärquellen
- Hs. 3227a (Nürnberger Kodex), fol. 19r–19v
- Cod. 44.A.8 (Danzig), fol. 14v–16r
- Ringeck, Ms. Dresden C 487, fol. 20v–22r
- Jud Lew, Cod. I.6.4°.3, Augsburg
- Meyer, Joachim: Gründtliche Beschreibung, 1570, 1. Buch, Kap. 10
Sekundärliteratur
- Hagedorn, Dierk (Hrsg.): Peter von Danzig. Herne 2008.
- Tobler, Christian Henry: In Saint George’s Name. Wheaton 2010.
- Tobler, Christian Henry: Fighting with the German Longsword. Wheaton 2015.
- Forgeng, Jeffrey L.: The Art of Combat. London 2015.