Meyer Schrittarbeit

Schrittarbeit und Fußarbeit bei Joachim Meyer

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Schrittarbeit und Fußarbeit bei Meyer

Joachim Meyer legt in seiner Gründlichen Beschreibung von 1570 besonderen Wert auf die Schrittarbeit — die systematische Koordination von Beinarbeit und Waffenaktion. Die Schrittarbeit ist bei Meyer kein bloßes Hilfsmittel der Distanzkontrolle, sondern ein integraler Bestandteil jedes Hiebs und jeder Technik. Ein Hieb ohne korrekten Schritt ist für Meyer kein korrekt ausgeführter Hieb.

Meyer unterscheidet drei Grundrichtungen des Schritts:

  • Vorwärts: Der aggressive Schritt, der den Hieb begleitet und die Distanz zum Gegner verkürzt. Meyer betont, dass der Schritt synchron mit dem Hieb erfolgen muss — der Fuß setzt auf, wenn der Hieb trifft. Ein verspäteter oder vorauseilender Schritt öffnet Blößen.
  • Rückwärts: Der defensive Schritt, der Distanz schafft und gegnerische Angriffe ins Leere laufen lässt. Meyer lehrt das rückwärtige Fechten gleichberechtigt zum vorwärtigen — beide Richtungen sind taktisch valide Optionen, nicht Zeichen von Schwäche oder Aggression.
  • Zur Seite: Der seitliche Schritt, der den Fechter aus der Angriffslinie bewegt und einen neuen Winkel für den Gegenangriff eröffnet. Besonders relevant für Meisterhaue wie den Zwerchau und den Krumphau.

Der versammelte Schritt

Eine Meyer-spezifische Innovation ist der versammelte Schritt — ein kurzer, ökonomischer Schritt, bei dem der hintere Fuß nur minimal nachgezogen wird. Der Fechter bewegt sich kaum von der Stelle und bleibt stets in der Lage, sofort eine Anschlussaktion zu starten. Der versammelte Schritt korrespondiert mit den verstohlenen Hauen: Wie der Hieb selbst wird auch die Beinarbeit auf ein Minimum reduziert, um Geschwindigkeit und Unlesbarkeit zu maximieren.

Meyers Schrittterminologie umfasst darüber hinaus:

  • Zweifachschritt: Ein Doppelschritt, der große Distanzen überbrückt.
  • Springen: Ein beidbeiniger Sprung vorwärts oder rückwärts, der maximale Distanzänderung in kürzester Zeit erlaubt.
  • Verführen mit dem Schritt: Ein vorgetäuschter Rückzug, der den Gegner zum Nachrücken verleitet.

Bedeutung der Fußarbeit in Meyers System

Meyers Fokus auf die Beinarbeit ist im Kontext des 16. Jahrhunderts zu sehen. Der Einfluss der italienischen Fechtkunst mit ihrer Betonung von tempo und misura (Distanz) ist spürbar. Meyer integriert diese Konzepte in die deutsche Tradition und macht die Beinarbeit zu einem expliziten Lehrinhalt — wo die mittelalterlichen Quellen den Schritt voraussetzen oder nur beiläufig erwähnen, widmet Meyer ihm ausführliche Erläuterungen.

In der modernen Praxis ist Meyers Schrittarbeit ein zentraler Trainingsgegenstand. Die Koordination von Hand und Fuß entscheidet über die Effektivität jeder Technik. Drill: Der Fechter führt Hiebe mit synchronem Schritt aus — zuerst langsam, dann in steigendem Tempo, bis die Kopplung automatisiert ist.

Quellen

  • Meyer, Joachim: Gründtliche Beschreibung. Straßburg 1570.
  • Forgeng, Jeffrey L.: The Art of Combat. Greenhill Books, 2006.
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