Krumphau

Der gekrümmte Händehieb

technikmeisterhaulanges schwertLiechtenauerMeyer

Der Krumphau („krump" = krumm, gekrümmt, schräg) ist einer der meistunterschätzten der Meyers Meisterhaue. Seine Besonderheit liegt darin, dass die Klinge nicht in gerader Linie schlägt, sondern schräg oder quer geführt wird — die Spitze läuft gewissermaßen „um die Ecke" und trifft die Hände oder die Fechtfaust des Gegners, ohne dass die eigene Klinge an dessen Schwert gebunden wird.

Liechtenauers Zettel

„Krump auff behende / wirff den ort vff die hende" „Krump wer wol versetzt / mit schreitten vil hew verletzt"

Zwei Merkverse beschreiben die Taktik: Der erste befiehlt, die Spitze flink („behende") auf die Hände zu werfen. Der zweite beschreibt die Fähigkeit des Krumphauers, bei gelungener Versetzung durch viele Hiebe mit gleichzeitiger Schrittarbeit zu verwunden.

Glossen

Ringeck

[24v.2] Der krumphaw° mitt sine~ stucken

Text: „Krump vff behende / wirff den ort vff die hende“

Glosa: Daß ist wie du krump solt haw°en zu° den henden vñ daß stuck trÿb also wenn er dir von deine~ recht~ sÿtten mitt aine~ obern ode~ vndern haw~ zu° der blöss haw~et So [25r.1] spring vsß dem haw° mitt dinem recht~ fu°ß gege~ im wol vff sin Lincke sÿtten vñ schlach in mit gecrüczten arme~ mitt dem ort vff die hende vñ dz stuck trÿb och gem im wenn er gen dir staut In der hüt deß ochsen.

[25r.2] Aber ain stuck vß dem krumphaw°

Text: „Krump wer wol seczet / mitt schrÿtten er vil hew~ leczet“

Glosa: Daß ist wie du mitt dem krump haw° die obern häw abseczen solt daß stuck trÿb also Wann er dir von sine~ rechten sÿtten oben ein hawet zu° der blosß so schrÿt mitt dem rechten fu°ß vff sÿn lincke sÿten v~ber sin schwert mit dem ort [25v.1] vff die erden In die schranckhüte dz trÿb zu° baÿden sÿtten Och magstu In vß dem abseczen vff dz haupt schlachen.

[25v.2] Aber ain stuck vsß dem krumhaw°

Text: „Haw krump zu° den flechen / den maistern wiltu sÿ schwechen“

Glosa: Daß ist Wenn du aine~ maiste~ schwechen wilt So trÿb dz stuck also weñ er dir oben einhawt võ sine~ rechten sÿtten So haw~ kru~ mit gekrentzten hende~ gege~ sine~ haw vff sin schwert.

[25v.3] Aber ain stuck vß dem krumhaw°

Text: „Wenn es kluczt oben / so stand ab dz will ich loben“

Glosa: Dast ist wenn du im mitt dem krumphaw~ vff sin schwert hawst So schlache vom schwert mitt de~ kurczen schnide~ [26r.1] bald wider vff im oben ein zu° dem kopff Oder windt Im mitt dem krumphaw° die kurczen schnÿden an sin schwert vñ stich im zu° der brust.

[26r.2] Aber ain stuck vß dem krumphaw°

Text: „Krum nicht kurcz haw° / durch wechsel dar mitt schow“

Glosa: Das ist wenn er dir von siner rechten achseln oben ein will howen So tu° alß ob du mitt dem krumphaw° an sin schwert wöllest binden Vnnd kurcz vnd far mitt dem ort vnde~ sine~ schwert durch vnd wind vff din rechte sÿttenn dein gehülcz über din höppt vnd stich im zu° dem gesicht.

[26r.3] Mörck wie man den krumphaw° brechen sol

Text: „[26v.1] Krump wer dich Irret / der edel krieg in verwü°ret / Daß er fürwar nicht waÿst wo er sÿ one far“

Glosa: Daß ist Wann du im von diner rechten sÿtten ober ode~ vnden zu° haw~est Hawt er dann och von sÿner rechten sÿtten mit gekreutzen armen krump vff din schwert Vñ verir°et dir do mitt dein hew~ So blÿb mitt dine~ schwert starck an dem sine~ Vnnd schüß im vnde~ dem schwert den ort lang ein zu° der brust etc~.

[26v.2] Ain andern brüch über den krumphaw°

Mörck wenn du im von diner rechten sÿtten oben ein hawst Hawt er deñ och võ sine~ recht~ sÿtten mit gekrenczten armen komp [27r.1] Vff dein schwert vnd drückt dir das da mit vnder sich gen der erden So wind ge deiner rechten syte~ vnd far mit den arme~ wol vff v~ber dein hau°pt vnd secze Im dein ort obe~ an die brust Glosa Versetzt er dir das so plÿb also sten mit dem gehu~lcz vo° dem hau~pt vnd arbait behendtlich mit dem ort von aine~ bloß zu° der andere~ Das hayset der edel krig Da mit verwirstü In so gar Das er nit waysst wo er vor dir blibe~ sol fur war.

Pseudo-Danzig (Cod. 44.A.8)

[16v.4] Das ist der text vnd die glos von dem krump haw mit seinen stucken

Text: „krump auf behende wirff den ort auf die hende / krump wer wol setzet Mit schritten vil häw letzet"

Glosa: [17r.1] Merck der krump haw ist der vier vor setzen ains wider die vier hüten wenn do mit pricht man die hüten Die do haist der öchss vnd auch der öber vnd den vnder haw den treib also wenn du mit dem zu° vechten zw° im kumpst stet er denn gegen dir vnd helt sein swert für seinem haubt In der hu°t des ochsens auff seiner lincken seitten So setz den lincken fues vor vnd halt dein swert an deiner rechten achsel in der hu°t vnd spring mit dem rechten fuess wol auff dein rechte seitten gegen ÿm vnd slach ÿn mit der langen schneid aus gekräutzten armen vber sein hend

[17r.2] Ein anders

Merck den krump haw magstu auch treiben aus der schranck hu°t von paiden seittñ vnd in die hu°t schick dich also wenn dw mit dem zu° vechten zw° ÿm kumpst So ste mit dem lincken fuess vor vnd halt dein swert mit dem ort neben deiner rechten seitten auff der erden das die lang schneid oben seÿ vnd gib dich plöß mit der lincken seitten haut er dir denn zw° der plöss So spring aus dem haw gegen ÿm mit dem rechten fuëss wol auff dein rechte seitten vnd slach ÿn mit gekräutzten henden aus der langen schneid mit dem ort auff sein hend

[17r.3] Item

Also schick dich mit der schranck hu°t zw° deiner lincken seitten wenn du mit dem zu° uechten zu° ÿm kumpst So stee mit dem rechten fuëß vor vnd [17v.1] halt dein swert neben deiner lincken seÿtten auff der erden mit gekräutzten henden das die kurtz schneid oben seÿ vnd gib dich plos mit der rechten seÿtten Haut er dir denn zu° der plöss So spring aus dem haw gegen ÿm mit dem lincken fuess wol auff sein rechte seitten vnd slach yn mit ym sprung mit der kurtzen schneid uber die hend ~

[17v.2] Das ist der text vnd die glos eines guten stucks aus dem krump haw

Text: „Haw krump zw den flechen den maisterñ wiltu sy swechen / Wenn es klitzt oben So stand ab das wil ich loben"

Glosa: Merck das stuck soltu treiben gegen den maisterñ aus dem pandt des swertz vnd das treib also Wenn dw mit dem zu° vechten zu° ÿm kumpst So leg dein swert zu° deiner rechten seitten in die schranck hu°t vnd stee mit dem lincken fuess vor oder hald es an deiner rechten achsel Haut er dir dann oben zu° der plöss So haw starck mit der langen schneid aus gekräutzten armen gegen seinem haw vnd als pald die swert zu° sam~en klitzen So wind indes gegen deiner lincken seitten die kurtz schneid an sein swert vnd stich ÿm zu° dem gesicht Oder wildu yn nicht stechen So haw ÿm Indes mit der kurtzen schneid vom swert zu° kopff oder zw° leib

[18r.1] Das ist der text vnd die glos aber eins aus dem krumphaw

Text: „krump nicht kurtzhaw Durchwechsel do mit schaw"

Glosa: merck das ist wenn er dir von sein° rechten seitten oben ein wil hauen So var hoch auff mit den henden vnd thue als dw ÿm mit dem krump haw an sein swert wellest pinden vnd var mit dem ort vnd seine~ swert durch vnd stich ym zw° der anderñ seitten zu° dem gesicht oder der prust vnd wart das dw oben vor dem haubt mit dem gehültz wol gedackt seist Auch prichstu mit dem stuck die hu°t des ochsen Den treib also Wenn dw mit dem zw° vechten zw ÿm gest stet er denn gegen dir vnd heltt sein swert mit dem gehültz auff seiner lincken seitten vor dem haupt So wurff dein swert an dein rechte achsel vnd thue als du im mit dem krump haw an sein swert an wöllest pinden vnd haw kurtz vnd wechsel do mit vnden durch sein swert vnd schewss im deñ ort zu° der anderñ seitten lanck vnder seine~ swert ein zu° dem hals So mües er vor setzen Do mit kumpstu zw° schlegen vnd zw° ander arbait mit dem swert

[18r.2] Das ist der text vnd die glos aber eins stucks aus dem krumphaw

Text: „[18v.1] Krump wer dich irret Der edel krieg in verwirret Das er fur war Nicht wais wo er seÿ ane far"

Glosa: Merck wenn dw den krump haw treiben wild So müstu dich albeg do mit plos geben vnd das vernÿm also wenn du in mit dem krump haw von deiner rechten seiten ein haust oder an sein swert pindest die weil pistu plos mit der lincken seitten Ist er denn also gescheid vnd wil dir vom swert noch der plöß hawen vnd wil dich mit behendickait Ire machen So weleib mit deinem swert an dem seine~ vnd volg dar an seinem swert nach vnd wind im denn ort zw° dem gesicht vnd arbait im für pas mit dein krieg das ist mit den winden zw° den plösen So wirt er vor Irrt das er für war nicht wirt wissen welichen enden er sich für dir vor häwen oder für stechen beschützen sol etc ~

Lew

[13v] Text: „Krump auf behende / Würff den ort auf die hende / Krump wer wol versetzet / Mit schritten vil hew letzet."

Glosa: Wiß das krump haw ist der vier versetzen eins wider die vier hut Wann damit kriegt man den ochsen vnd auch den eber, Vnd den untterhaw den treib also Wann du mit dem zufechten zu Im komst Steet er denn gegen dir vnd helt sein swert vor dem kopff In der hut des ochsen auf seiner lincken seitten So setz den lincken fuß für vnd halt dein swert an der rechten achseln yn der hut vnd auß der hutt springe mit dem rechten fusse wol auff die rechten seitten vnd schlag In mit der langen sneiden aus gecreutzten [14r.1] armen über sein hende etc.

[14r.2] Item den krump haw soltu auch treiben auß der schranck hut von baiden seitten Vnd In die hut schick dich also Wann du mit dem zufechten zum man kompst so setz den lincken fuß vor vnd halt dein swert mit dem ort neben deiner rechten seitten auf der erden das die lang sneiden am swertt oben gewant sei Vnd gib dich also plos mit der lincken seitten Hewet er dir dann zu der plösse oben ein so spring aus dem hawe mit dem rechten fusse wol auf die rechten seitten gegen Im vnd stos mit der lincken hant den knopff deines swertes untter deinen rechten arm vnd slag In mit gecreutzigten henden auß der langen sneiden mit dem ort auf sein hende etc.

[14v.1] Item also schick dich mit der schranck hut zu deiner lincken seitten Wann du mit dem zu vechten zum mann kompst So setze den rechten fusß für vnd halt dein swert mit dem ort neben deiner lincken seitten auf der erden mit gecreutzigten henden das die kurtz sneiden am swertt oben sein vnd gib dich mit der rechten seitten plos Hewet er dich dann zu der plösse so schreit mit dem lincken fus wol auß dem haw auf dein lincke seitten vnd schlag In mit dem schritt mit der kurtzen schneiden über sein hende etc.

[14v.2] Text: „Haw krump zu den flechen / Den maistern wiltu sie swechen / Wann es glitzend oben / So stand ab das wil ich loben."

Glosa: [15r] Merck das stucke soltu treiben gegen den maistern auß dem pand des swertz Vnd das mercke also Wann du mit dem zufechten zu Im kommest so leg dein swert zu deiner rechten seitten In die schranck hut oder halt es auf deiner nechsten achseln Hewet er dir dann oben zu der plösse so haw starck mit gecreutzten armen mit der langen sneiden gegen seinem haw vnd alsbald die swert zusamen glitzen so wind Indes mit dem swert gegen deiner lincken seitten vnd far auf mit den armen vnd stich Im zu der obern plösse Oder wiltu In nicht stechen so merck alsbald es glitzet so hawe Im Indes mit der kurtzen sneiden zu kopff vnd zu leibe etc.

[15v] Text: „Krump nicht kurtz haw / Durchwechsel damit schaw."

Glosa: Das ist ein pruch wider die hut auß dem ochsen Den treib also Wann du mit dem zufechten zu dem mann geest Steet er dann In der hut vnd helt sein swertt In seiner lincken seitten vor dem haubt So würff dein swert an dein rechte achseln vnd thue als du Im mit dem krumphaw wöllest an sein swert pinden vnd haw kurtz vnd wechsel damit vnden durch Vnd scheuß Im den ort zu der andern seitten langk ein zu der plösse so muß er versetzen Damit kompstu zu slegen vnd zu ander arbaitt mit dem swert etc.

[16r] Text: „Krump wer dich ÿrret / Der edel krieg In verirret / Das er nicht wais für wor / Wo er sej one vor."

Glosa: Merck wann du den krump haw treibest So mustu dich albegen damit plos geben Vnd das vernyme also Wann du mit dem krump haw von deiner rechten seitten ein hewest oder an sein swert pindest Dieweil pistu plos mit der lincken seitten Ist er dann also gescheid vnd wil dir vom swertt zu der plösse hawen vnd wil dich mit behendigkeit irre machen so beleib mit deinem swert an dem seinen vnd volge daran seinem hawe nach vnd wind Im den ort Indes zu dem gesichte vnd arbait Im fürpas mit [16v.1] dem krieg zu den plössen So wirt er für war nicht wissen an welchen enden er sich vor dir vor hewen oder vor stichen schützen sol.

Meyer

Joachim Meyer (1570) behandelt den Krumphau als dritten der Meisterhaue und widmet ihm breiten Raum. Er unterscheidet mehrere Varianten: den „hohen Krumphau" (gegen Ochs), den „tiefen Krumphau" (gegen tiefe Huten) und den Krumphau mit Ablaufen. Meyer betont, dass der Krumphau „mit gewaltigem Schritt" und „gegen der Wehr" (d.h. gegen die Klinge des Gegners) geschlagen werden soll. Bei Meyer ist der Krumphau eine Meister-Parade, die zugleich angreift. Er verbindet ihn mit dem Zucken und dem Durchwechseln.

Ausführung und Mechanik

Der Krumphau wird mit gestreckten Armen geführt, das Gehilz nahe dem Kopf. Die Klinge zeigt schräg nach vorn; im Moment des Auftreffens führt die kurze Schneide. Entscheidend ist der Winkel: Die Klinge wird nicht direkt geschlagen, sondern die Spitze beschreibt eine schräge Bahn, die unter oder neben der gegnerischen Klinge vorbeiläuft und die Hände trifft. Die Schrittarbeit — oft ein Sprung zur linken Seite — ist integraler Bestandteil der Ausführung: Ohne den Schritt verliert der Krumphau an Reichweite und Sicherheit.

Taktische Anwendung

Der Krumphau ist spezifisch wirksam gegen den Ochs und den Langort — also gegen Huten, bei denen die gegnerische Spitze auf den Fechter gerichtet ist. Er dient primär der Hand-Treffung („wirff den ort vff die hende"), kann aber mit dem zweiten Vers („mit schreitten vil hew verletzt") auch in eine Serie von Folgehieben übergehen. Taktisch ist der Krumphau ein Konterhieb: Er wird nicht als erster Angriff geschlagen, sondern als Antwort auf eine spezifische gegnerische Position.

In der Praxis

Der Krumphau erfordert im Training besondere Aufmerksamkeit für Winkel und Timing. Häufiger Fehler: Der Fechter versucht, den Krumphau mit gebeugten Armen und ohne Schritt zu schlagen — die Spitze kommt nicht an den Händen vorbei. Training: Partner-Drill aus Ochs mit Fokus auf richtigen Winkel und Sprung, Schlag gegen eine erhöht positionierte Pell (etwa auf Kopfhöhe stehend), Krumphau mit anschließendem Durchlaufen. Die Kombination Krumphau-Scheitelhau („Krump al Schnyt") ist eine fortgeschrittene Übung, die Koordination und Timing schult.

Primärquellen

  • Hs. 3227a (Nürnberger Kodex), fol. 18v–19r
  • Cod. 44.A.8 (Danzig), fol. 13r–14v
  • Ringeck, Ms. Dresden C 487, fol. 19r–20v
  • Jud Lew, Cod. I.6.4°.3, Augsburg
  • Meyer, Joachim: Gründtliche Beschreibung, 1570, 1. Buch, Kap. 9

Sekundärliteratur

  • Hagedorn, Dierk (Hrsg.): Peter von Danzig. Herne 2008.
  • Tobler, Christian Henry: In Saint George’s Name. Wheaton 2010.
  • Forgeng, Jeffrey L.: The Art of Combat. London 2015.
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