Cod. Pal. Germ. 430

Das Fechtbuch des Johannes Lecküchner (1482)

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Überblick

  • Signatur: Cod. Pal. Germ. 430, Universitätsbibliothek Heidelberg
  • Datierung: 1482
  • Sprache: Frühneuhochdeutsch
  • Aufbewahrungsort: Universitätsbibliothek Heidelberg
  • Autor: Johannes Lecküchner

Inhalt

Der Cod. Pal. Germ. 430 ist das umfangreichste erhaltene Messerfechtbuch des Mittelalters und das Hauptwerk des Johannes Lecküchner, Pfarrer und Fechtmeister in Herzogenaurach. Die Handschrift umfasst über 420 Folioseiten mit 418 Tuschfederzeichnungen und stellt das Messerfechten in einer Systematik dar, die in ihrer Detailliertheit selbst viele zeitgenössische Langschwert-Handschriften übertrifft.

Lecküchner überträgt das Liechtenauersche Langschwert-System konsequent auf das Lange Messer. Die strukturellen Parallelen sind evident: Der Zornhau des Langschwerts wird zum Zornort, der Krumphau zum Krump, die Vier Huten erscheinen als Vier Leger des Messers, und das Winden am Schwert findet seine Entsprechung im Winden am Messer, wobei der Nagel (Parierstift) eine zentrale Rolle als Drehpunkt spielt.

Die Handschrift beschreibt das vollständige Fechtsystem für eine Waffe, die im 15. Jahrhundert als Kriegs- und Zivilwaffe gleichermaßen verbreitet war. Die Illustrationen zeigen Techniken vom ersten Angriff über Gegenhiebe, Ringkampfeinsätze, Entwaffnungen bis zum Kampf Messer gegen Schwert. Die didaktische Struktur ist progressiv aufgebaut und ermöglicht ein schrittweises Erlernen des Systems.

Stellung in der Liechtenauer-Tradition

Lecküchners Werk ist das Fundament des Messerfechtens, vergleichbar der Stellung, die Ringecks Glosse für das Lange Schwert einnimmt. Es demonstriert die Übertragbarkeit der Liechtenauerschen Prinzipien auf andere Waffen und belegt die Lebendigkeit der Tradition im ausgehenden 15. Jahrhundert.

Editionen und Forschung

  • Jeffrey L. Forgeng: The Art of Swordsmanship by Hans Lecküchner. Boydell Press, 2015. Kritische Edition mit englischer Übersetzung.
  • Christian Henry Tobler: Captain of the Guild. Master Peter Falkner’s Art of Knightly Defense. Freelance Academy Press, 2011. Enthält Vergleichsanalysen zu Lecküchner.
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