Meisterhauw

Die fünf verborgenen Haue der Liechtenauer-Tradition

prinzipLiechtenauermeisterhau

Der Meisterhau (in älterer Schreibweise Meisterhauw) ist ein Kernbegriff der Lehre Johannes Liechtenauers. Der Zettel nennt fünf „verborgene Haue" — die fünf Meisterhaue —, die zugleich als Angriff und als Versatz gegen die Haue des Gegners dienen:

  1. Zornhau — der schräge Gegenhieb, der mit dem Ort alle Oberhäue bricht
  2. Krumphau — bricht die Huten und führt die Klinge auf andere Linien
  3. Zwerchau — der Querhau, der die Kron bricht und aus der Bindung heraus arbeitet
  4. Schielhau — schlägt in die Langen Ort hinein und bricht die Oberhuten
  5. Scheitelhau — der senkrechte Hau gegen die Nebenhuten

Diese fünf Haue bilden das Grundgerüst des Blossfechtens. Nach der Lehre des Zettels sind sie die entscheidenden Haue der Kunst, die man „sonst nicht anders lernen" soll — und jeder von ihnen erfüllt zugleich die Funktion von Angriff und Verteidigung.

Die alte Schule: Zettel und Glossatoren

Die fünf Meisterhaue sind vollständig im Zettel angelegt und wurden von den Glossatoren des 15. Jahrhunderts ausführlich kommentiert — vor allem von Sigmund Ringeck, von Pseudo-Danzig (Cod. 44.A.8, 1452) und von Jud Lew. In den Glossen erscheinen die Meisterhaue nicht als isolierte Einzeltechniken, sondern als systematische Antworten auf die gegnerischen Hüte und Haue: Jeder Meisterhau „bricht" einen bestimmten Gegenstand der gegnerischen Deckung.

Zu jedem Hau beschreiben die Glossen die Gegenbindung, das Fühlen an der Klinge und die Anschlussstücke — etwa den Ort-Nachstoß beim Zornhau oder die Windungen beim Zwerchau —, die nach dem Prinzip von Vor Nach Indes arbeiten. Die fünf Haue stehen damit am Anfang des systematischen Lehrgebäudes, das die vier Hauptstücke bilden.

Meyer als Ergänzung

Joachim Meyer (Straßburg, 1570) übernahm die fünf Meisterhaue in seiner Gründtlichen Beschreibung und ordnete sie in ein eigenes, didaktisch durchstrukturiertes System ein. Die Grundform der fünf Haue bleibt bei ihm dieselbe wie in der alten Lehre; Meyer erweitert sie aber um zusätzliche Varianten, Anwendungen auf andere Waffen und eine klarere schulmäßige Gliederung. Er ist damit nicht ihr Erfinder, sondern ihr Systematisierer und Vermittler im 16. Jahrhundert. → Meyers Meisterhaue

Siehe auch

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