Fechthandschuhe
Speziell für HEMA entwickelte Handschuhe — Typen, Vor- und Nachteile

Das Handproblem im HEMA
Die Hände sind die im modernen HEMA-Training am stärksten gefährdeten Körperteile. Sie sind das primäre Ziel der Meyers Meisterhaue — Krumphau, Zwerchau, Schielhau zielen alle auf Hände und Unterarme — und sie sind anatomisch schlecht geschützt. Knöchel, Mittelhandknochen und Fingergelenke halten einem ungeregelten Treffer mit einem Das Federschwert nicht stand.
Das Handproblem beschäftigt die HEMA-Community seit ihren Anfängen. Die Entwicklung adäquater Handschuhe war ein zentraler Treiber der Ausrüstungs-Innovation der letzten zwei Jahrzehnte. Die Lösung ist ein Kompromiss: maximaler Schutz bei minimaler Mobilitätseinschränkung.
Typen und Hersteller
Die wichtigsten HEMA-Handschuhe im Überblick:
SPES Heavy Gloves (Italien): Der De-facto-Standard für Langschwert-Training und -Turnier. Große, massiv gepolsterte Handschuhe mit Hartplastik-Schalen über Mittelhand und Fingern. Exzellenter Schutz, aber eingeschränkte Fingerfertigkeit — Ringtechniken und Griffwechsel sind mit SPES Heavys erschwert.
Sparring Gloves (Polen): Maßgeschneiderte Handschuhe mit segmentierten Hartplastikplatten, die den Fingern mehr Bewegungsfreiheit lassen als die SPES Heavys. Bevorzugt von Fechtern, die komplexe Griffarbeit und schnelle Hutwechsel praktizieren. Etwas weniger robust. Preis: ca. 180–250 €.
Red Dragon (UK): Einsteiger-Handschuhe, die ursprünglich für Reenactment entwickelt wurden. Akzeptabler Schutz für kontrollierte Drills, aber unzureichend für intensives Sparring. Preisgünstig (ca. 60–80 €), aber keine Langzeitlösung.
ProGauntlet (Niederlande): Ein ambitioniertes, durch Crowdfunding finanziertes Projekt, das motorradhandschuhartige Gelenkmechaniken für maximale Finger-Freiheit bei hohem Schutz verspricht. Noch nicht in Massenproduktion erhältlich, aber richtungsweisend.
HF Armory (Ukraine): Etabliert sich als Alternative zu SPES Heavy mit ähnlichem Schutzprofil und etwas geringerer Steifigkeit.
Mobilität vs. Schutz
Die Abwägung zwischen Schutz und Beweglichkeit ist die zentrale Herausforderung im Handschuh-Design. Ein perfekt schützender Handschuh, der die Finger immobilisiert, verhindert die Ausführung der meisten Langschwert-Techniken. Ein maximal beweglicher Handschuh, der keinen Schutz bietet, ist sinnlos. Die verschiedenen Handschuh-Typen besetzen unterschiedliche Punkte auf diesem Kontinuum — der ideale Handschuh existiert (noch) nicht.
Quellen
- Hersteller-Websites: SPES, Sparring Gloves, Red Dragon, HF Armory, ProGauntlet.
- Community-Rezensionen: r/wma, HEMA International Discussion (Facebook).