Stundenplanung und Trainingsaufbau

Konkrete Trainingspläne für Anfänger, Mittelstufe und Fortgeschrittene

konzeptmoderne praxistrainingmethodikHEMA

Grundsätze der Periodisierung

Ein systematischer HEMA-Trainingsaufbau folgt den Prinzipien der Trainingslehre: progressive Überlastung, Variation der Belastungsreize, Periodisierung in Makro- und Mikrozyklen, und Integration von Technik, Taktik, Kondition und Quellenarbeit. Anders als im Training für eine einzelne Waffengattung muss HEMA-Training mehrere Waffen parallel entwickeln und die Brücke zwischen historischer Quelle und sportlicher Praxis schlagen.

Jahr 1 — Das Anfänger-Curriculum

Das erste Trainingsjahr (ca. 80 bis 100 Einheiten à 90 Minuten) legt die Basis in Fußarbeit, Grundtechnik und Sicherheitskultur.

Monat 1 bis 3 — Grundlagenphase: Erstes bis drittes Training: Haltungsschule, Fußarbeit (Schritt, Zutritt, Austritt, Kreisen), die vier Huten (Vom Tag, Ochs, Pflug, Alber) als statische Positionen. Viertes bis sechstes Training: Oberhau und Unterhau aus dem Stand und Schritt, frontal, mit Pell-Kontrolle. Themenschwerpunkt ist die gerade Hiebebene. Ab dem siebten Training: Partnerdrill — Oberhau gegen Oberhau, Abstandskontrolle, erster kontrollierter Klingenkontakt. Ab dem zehnten Training: Einfache Parier-Drills (Oberhau — Versetzen — Nachschlag).

Monat 4 bis 6 — Technikaufbau: Einführung der fünf Meisterhaue im Technikdrill — Zornhau, Krumphau, Zwerchau, Schielhau, Scheitelhau. Jeder Hieb wird isoliert geübt, an der Pell und im kooperativen Partnerdrill. Parallel: erste Einführung in das Anbinden — weiches Binden und einfaches Fühlen. Abschluss des Halbjahres: Erste geführte Sparring-Sequenzen mit begrenztem Repertoire (Zornhau- und Krumphau-Varianten).

Monat 7 bis 9 — Windungen und erste Freikampf-Elemente: Winden am Schwert — vom Band ins Winden, einfache Windungsvarianten (Ochs-Windung, Pflug-Windung). Kombination von Haue und Windung: Anbinden, Fühlen, Winden, Auslösung. Erweiterung des Sparring-Repertoires um Windungssequenzen. Parallel: Einführung der Vier Blössen als Zielsystem.

Monat 10 bis 12 — Integration und erster Freikampf: Integration aller Elemente in längere Technik-Sequenzen (Hieb — Binden — Winden — Fühlen — Nachschlag). Regelmäßiges, moderates Freikampf-Sparring (ca. 20–30 % der Trainingszeit). Erste Einführung in Turnierregeln. Erste Quellenlektüre in der Gruppe (Ringeck oder Pseudo-Danzig, ausgewählte Passagen). Jahresabschluss: Vereinsinternes Sparring-Turnier ohne Wertung, Fokus auf Erfahrung, nicht auf Sieg.

Jahr 2 bis 3 — Die Mittelstufe

Technische Vertiefung: Systematische Durcharbeitung aller Stücke des Blossfechtens nach einer kanonischen Glosse (Cod. 44.A.8 oder Ringeck). Varianten der Meisterhaue in der Anwendung, kontextuelles Winden, komplexe Nachschlag-Varianten. Einführung in das Harnischfechten (theoretisch und an ausgewählten Stücken) und in das Ringen (Basistechniken: Armhebel, Genickhebel, Hüftwürfe in reduzierter Form).

Einführung neuer WaffenMesser (Grundsystem, Partnerarbeit mit Holzmessern), Dolch (Basistechniken, Parier-Dolch-Kombination), Dussack (nach Meyer-Einführung), Stange (erste Orientierung).

Taktische Entwicklung: Systematisches Training von Distanzmanagement, Tempowechsel und Finten-Ketten. Vertiefte Gegneranalyse und adaptive Taktik. Erste Teilnahme an externen Seminaren, Vereins-Workshops und regionalen Turnieren (moderate Erwartungshaltung).

Quellenarbeit: Eigenständige Quellenlektüre als Teil des Trainings — die Fortgeschrittenen erhalten Quellenpassagen zur häuslichen Vorbereitung, die in der Gruppe diskutiert und praktisch erprobt wird.

Fortgeschrittene — ab Jahr 3+

Das fortgeschrittene Training ist individualisiert und projektartig organisiert. Themenzyklen von 6 bis 12 Wochen wechseln zwischen Kernwaffen und Spezialdisziplinen (Harnischfechten, Rossfechten-Experiment, Test Cutting mit scharfen Klingen). Die Teilnehmenden übernehmen zunehmend Lehrverantwortung — Anleitung von Anfänger-Gruppen, Konzeption von Drills, methodische Reflexion.

Quellenarbeit wird akademisch vertieft: transkriptionsbasierte Analyse (Textvergleich zwischen Glossenfassungen), Rekonstruktionshypothesen entwickeln und dokumentieren, Teilnahme an fachwissenschaftlichen Diskursen (Konferenzen, Publikationen in Vereins- oder Verbandsorganen). Turnierteilnahme erfolgt nun mit individueller Wettkampfplanung und systematischer Videoanalyse des eigenen Fechtens und des der Gegner.

Rahmen eines exemplarischen Trainingsplans (90 min)

  1. Aufwärmen (15 min): allgemeine Mobilisation, fußarbeitsspezifische Aktivierung, Balance-Spiel.
  2. Technikblock A (25 min): isolierter Technikdrill, neue Technik einführen oder bekannte vertiefen.
  3. Technikblock B (25 min): Partnerarbeit zum Block-A-Thema, gestaffelt von kooperativ zu moderat widerstandsorientiert.
  4. Sparring / Anwendung (20 min): geführte Sparring-Sequenzen oder moderates Freikampf-Sparring.
  5. Cool-down und Reflexion (5 min): Partner-Feedback (eine Sache, die gut war, eine Sache, an der gearbeitet werden muss), Ausblick auf die nächste Einheit.

Quellen

  • Schmidt, Herbert: Schwertkampf (enthält Übungsprogressionen). Wieland Verlag, 2014.
  • Windsor, Guy: Theory and Practice of Historical Martial Arts. Swordschool, 2018.
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