Ebbing (Binden und Band)

Das Band zwischen den Klingen

technikblossfechtenbindungLiechtenauer

Liechtenauers Zettel

Das Konzept des Bandes ist nirgends isoliert, sondern durchdringt die gesamte Lehre Liechtenauers. Es erscheint implizit in der Vor-Nach-Strophe: Nur wer im Band fühlen kann, wer das Verhältnis von Stark und Schwach im Band erkennt, dem erschließt sich das Handeln im Indes.


Definition

“Ebb” oder “Eb” — das Band (von binden, Band) — bezeichnet den Zustand anhaltenden Klingenkontakts zwischen zwei Fechtern. Anders als das Anbinden, das den Moment des ersten Kontakts meint, beschreibt das Ebbing den Zustand der fortdauernden Klingenverbindung.

In diesem Zustand sind beide Klingen mechanisch miteinander gekoppelt. Jede Bewegung des einen Fechters überträgt sich taktil auf den anderen. Das Band ist somit sowohl ein Instrument der Kontrolle (der Gegner kann keine freie Bewegung ausführen, ohne das Band zu verlassen) als auch der Information (das Fühlen im Band verrät die Intention des Gegners).


Stark und Schwach im Ebbing

Die Hebelmechanik von Stark und Schwach entfaltet sich vollständig erst im Band. Im Ebbing ist entscheidend, welcher Bereich der eigenen Klinge auf welchen Bereich der gegnerischen trifft:

  • Stark gegen Schwach: Maximale Kontrolle. Der Fechter, dessen Stark auf des Gegners Schwach liegt, dominiert das Band mechanisch.
  • Schwach gegen Stark: Der Fechter ist unterlegen und muss unverzüglich handeln — Winden, Nachgeben oder Durchwechseln.

Das Ebbing ist dynamisch: Während des Fechtens verschiebt sich das Verhältnis von Stark und Schwach kontinuierlich. Ein guter Fechter nutzt diese Verschiebung aktiv, indem er im Band auf- und abgleitet.


Fühlen im Ebbing

Das Sprechfenster und Fühlen (fülen) ist die zentrale sensorische Fähigkeit im Band. Hs. 3227a formuliert es prägnant: Sobald die Klingen Kontakt haben, muss der Fechter fühlen, ob der Gegner “weich oder hart” ist. Weichheit signalisiert eine offene Blöße (→ Stoß, Schnitt). Härte signalisiert die Notwendigkeit zu Winden, Nachgeben oder Durchwechseln.


Techniken aus der Bindung

Aus dem Ebbing erwachsen mehrere spezifische technische Optionen:

  • Winden: Die Klinge bleibt am Schwert des Gegners, während der Ort durch Drehung um die Klingenachse in die gegnerische Blöße geführt wird.
  • Absetzen: Der gegnerische Angriff wird mit der Stärke abgefangen und sofort mit der Spitze kontert.
  • Durchwechseln: Die Klinge verlässt die Bindung unter dem gegnerischen Schwert hindurch und wechselt auf die andere Seite.
  • Mutieren: In der Bindung wird die Klinge gewendet (Lange zur Kurzen Schneide oder umgekehrt).
  • Duplieren: Ein zweiter Hieb folgt unmittelbar, ohne die Bindung zu verlassen.
  • Schiessen: Die Spitze schnellt aus der lockeren Bindung zum Stich vor.

Glossen

Ringeck

Ringeck behandelt das Band als taktische Grundbedingung der meisten Nebenstücke. Seine Glosse betont, dass man aus dem Band heraus stets Indes handeln müsse — wer im Band verharrt, ohne zu agieren, verliert die Initiative.

Pseudo-Danzig

Danzig widmet dem Band im Kontext der Ochs besondere Aufmerksamkeit. Seine Darstellung zeigt das Band als die taktische Mitte zwischen den Legern: Aus dem Band heraus können alle Leger erreicht werden, und in das Band hinein münden die meisten Hiebe.


In der Praxis

  • Band-Fühlübung: Beide Partner stehen im Band (z.B. Ochs gegen Pflug) und bewegen sich langsam auf- und abgleitend. Ohne visuelle Kontrolle muss der Übende benennen, ob er im Stark oder Schwach gebunden ist.
  • Band-Kontinuitäts-Drill: Die Partner bleiben für mindestens zehn Sekunden im kontinuierlichen Band, während sie durch verschiedene Techniken (Winden, Mutieren, Duplieren) hindurchgehen, ohne das Band zu verlieren.

Quellen

Sekundärliteratur

  • Tobler, Christian Henry: Fighting with the German Longsword. Rev. ed. Wheaton 2015.
  • Schmidt, Herbert: Schwertkampf: Der Kampf mit dem langen Schwert nach der Deutschen Schule. Wieland 2007.
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