Cod. I.6.4°.3

Die Ringeck-Handschrift

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Überblick

  • Signatur: Cod. I.6.4°.3, Universitätsbibliothek Augsburg (ehemals Cod. I.6.2°.3)
  • Datierung: nach 1440
  • Sprache: Frühneuhochdeutsch (bairisch-ostschwäbische Prägung)
  • Aufbewahrungsort: Universitätsbibliothek Augsburg
  • Autor: Sigmund Ringeck

Inhalt

Der Cod. I.6.4°.3 ist das einzige Fechtbuch, das einem namentlich fassbaren Autor zugeschrieben wird: Sigmund Ringeck, einem Fechtmeister der Marxbrüder, der im Umfeld der bayerischen Herzöge wirkte. Die Handschrift enthält die umfangreichste und am vollständigsten ausgearbeitete Glosse des Liechtenauer-Zettels des gesamten 15. Jahrhunderts.

Ringeck kommentiert systematisch sämtliche Teile des Zettels: das Lange Schwert, das Fechten im Harnisch, das Rossfechten — Überblick und das Ringen — Überblick. Seine Glosse zeichnet sich durch besondere sprachliche Klarheit und eine konsequente didaktische Strukturierung aus. Anders als die frühere Nürnberger Handschrift bietet Ringeck eine durchkomponierte, in sich geschlossene Darstellung der Liechtenauer’schen Lehre.

Der Aufbau folgt einem klaren Schema: Jedem Merkvers des Zettels folgt eine ausführliche Prosa-Erläuterung, die den technischen Ablauf Schritt für Schritt darstellt. Ringeck erweitert die Glosse um eigenständige Lehrstücke, darunter ausführliche Erörterungen zu den Vier Lagern, den Zornhauen und den Prinzipien Vor Nach Indes sowie Vor Nach IndesKriegs und der Drei Wunder – Hauen, Stechen und Schneiden – gilt als besonders gelungen und wurde von späteren Meistern immer wieder aufgegriffen.

Stellung in der Liechtenauer-Tradition

Die Ringeck-Glosse ist die einflussreichste und meistzitierte Glosse des 15. Jahrhunderts. Spätere Fechtmeister wie Paulus Kal und Joachim Meyer bezogen sich ausdrücklich auf Ringeck, und viele moderne Rekonstruktionen der Deutschen Fechtschule stützen sich maßgeblich auf seinen Text. Als maßgebliche Glosse bildet sie gemeinsam mit dem Pseudo-Peter von Danzig und der Jud-Lew-Glosse den Kanon der Liechtenauer-Exegese.

Die Handschrift ist zudem ein bedeutendes Zeugnis für die Organisationsstruktur der Marxbrüder, da Ringeck sich in der Einleitung explizit auf Johannes Liechtenauer als Stifter der Tradition beruft und damit die Kontinuität der Lehre betont.

Editionen und Forschung

  • Christian Henry Tobler: Secrets of German Medieval Swordsmanship: Sigmund Ringeck’s Commentaries on Liechtenauer. Chivalry Bookshelf, 2001. Englische Übersetzung mit Kommentar.
  • David Lindholm & Peter Svärd: Sigmund Ringeck’s Knightly Art of the Longsword. Paladin Press, 2003.
  • Dierk Hagedorn: Transkription der Ringeck-Handschrift (in Vorbereitung).
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