Kron

Die defensive Haltung mit über den Kopf erhobener Klinge

konzeptLiechtenauerMeyerkronverteidigunglanges schwert

Zettel und Definition

Die Kron ist eine Defensivhaltung, bei der der Fechter das Schwert mit horizontal oder gewinkelt erhobener Klinge über den Kopf bringt, um senkrechte Oberhaue aufzufangen. Der Zettelvers Liechtenauers lautet:

"Was von ym kumpt / dy kron Das nimpt ym dy schaitel Vnd macht ym schart vil"

(Variierende Lesarten.) Die Kron “nimmt” dem Gegner den Scheitelhau und “macht Scharten” — die eigene Klinge blockiert den herabsausenden Hau mit der Schneide und beschädigt dabei die gegnerische. Der Name ist ikonographisch: Die erhobenen Arme und die Klinge bilden eine kronenartige Form über dem Kopf.

Taktische Funktion und Glossen

Die Kron ist eine Option der letzten Deckung gegen vertikale Oberhaue, die nicht anders abzufangen sind. Ringeck betont, dass die Kron nur eine Momentaufnahme sein darf: Sobald der Hau abgefangen ist, muss der Fechter Indes stechen oder schlagen — sonst bleibt er in einer exponierten, armlastigen Position.

Der kanonische Kron-Bruch ist der Zwerchau: Wer die Kron hält, exponiert Hände und Arme; ein horizontaler Zwerchhau schlägt unter der erhobenen Klinge hindurch und trifft, bevor der Verteidiger reagieren kann. Ringeck formuliert: “Wann einer dy kron helt / so treib den Zwerchhau von der hand”. Danzig ergänzt als zweiten Kron-Bruch das Schneiden in den Arm: Statt zu schlagen, kann der Fechter die gegnerische Klinge von unten anheben und gleichzeitig in den Arm schneiden.

Meyer

Joachim Meyer kennt die Kron, behandelt sie aber primär unter dem Aspekt ihrer Verwundbarkeit. Er lehrt weniger die korrekte Ausführung als vielmehr den Kron-Bruch. Diese Akzentsetzung reflektiert Meyers Vorbehalt gegenüber statischen Defensivhaltungen: Die Kron ist ihm ein Relikt, dessen Schwäche er betont.

Quellen

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