Gründliche Beschreibung

Meyers Fechtbuch 1570

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Überblick

  • Titel: Gründliche Beschreibung der Freyen Ritterlichen und Adelichen Kunst des Fechtens
  • Signatur: VD16 M 5042 (Verzeichnis der Drucke des 16. Jahrhunderts)
  • Druckort: Straßburg, Thiebolt Berger
  • Datierung: 1570
  • Sprache: Frühneuhochdeutsch
  • Autor: Joachim Meyer
  • Umfang: 5 Teile in einem Band

Inhalt

Meyers Gründliche Beschreibung ist der einzige gedruckte Text der Deutsche Fechtschule im 16. Jahrhundert und zugleich der Höhe- und Endpunkt der mittelalterlichen Deutschen Fechtschule. Anders als die früheren handschriftlichen Glossen und illustrierten Fechtbücher richtet sich Meyers Werk an ein stadtbürgerliches Publikum – insbesondere an die Mitglieder der Fechtschulen und Fechtgesellschaften Freiburgs und Straßburgs, in denen Meyer als Fechtmeister wirkte.

Das Werk ist in fünf Teile gegliedert: I. Langes Schwert, II. Dussack, III. Rappier, IV. Dolch und V. Stangenwaffen (Stange, Hellebarde, Spieß). Diese klare, didaktisch motivierte Gliederung unterscheidet das Werk fundamental von den mittelalterlichen Handschriften, die nach Merkversen oder thematischen Blöcken organisiert waren. Meyer konzipierte sein Fechtbuch als Lehrbuch im frühneuzeitlichen Sinne – mit systematischem Aufbau, Kapitelüberschriften und pädagogischer Progression.

Die Illustrationen bestehen aus kunstvollen Holzschnitten, die wahrscheinlich aus dem Umkreis von Tobias Stimmer stammen, einem führenden Straßburger Holzschneider. Die Figuren sind anatomisch korrekt, in zeitgenössischer bürgerlicher Kleidung dargestellt und zeigen die Fechter in dynamischen Posen. Die Bildqualität übertrifft die älteren Handschriftenillustrationen deutlich und dokumentiert den Übergang zum professionellen Buchdruck mit seinem standardisierten Reproduktionsverfahren.

Meyers Fechtsystem ist eine Synthese der traditionellen Liechtenauer'schenitalienischen Fechtens, namentlich im Rappier-Teil. Diese Integration südeuropäischer Einflüsse macht die Gründliche Beschreibung zu einem einzigartigen Dokument des kulturellen Austauschs innerhalb der europäischen Fechtkultur der Renaissance.

Die Rostocker Handschrift

Der Vergleich mit der handschriftlichen Vorstufe – dem Cod. Guelf. A.8 Aug. 2° – zeigt eine erhebliche Überarbeitung: Einige Techniken wurden gestrichen, andere neu aufgenommen, der didaktische Aufbau verfeinert. Die Handschrift belegt, dass Meyer über Jahre an seinem System arbeitete und die Druckfassung das Resultat eines bewussten Redaktionsprozesses ist.

Editionen und Forschung

  • Jeffrey L. Forgeng: The Art of Combat: A German Martial Arts Treatise of 1570. Greenhill Books / Frontline Books, 2006. Englische Übersetzung mit Reproduktionen.
  • Wolfgang Landwehr: Joachim Meyer: Gründtliche Beschreibung der freyen Ritterlichen unnd Adelichen Kunst des Fechtens. Faksimile-Ausgabe, 2015.
  • Diverse Aufsätze in Acta Periodica Duellatorum.
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