Kurtzhau (Meyer)
Der kurze, nicht vollständig ausgezogene Hau

Definition
Der Kurtzhau — “kurtzer Hauw” — ist bei Joachim Meyer ein Hau mit absichtlich verkürzter Bewegung, ohne vollständigen Armauszug. Er ist die unversammelte Variante eines regulären Hiebs: Wo der versammelte Oberhau mit langem Arm und vollem Schritt geführt wird, wird der Kurtzhau mit gebeugtem Arm, reduzierter Körperbewegung und ohne — oder mit verkleinertem — Schritt ausgeführt. Meyer definiert ihn als Hau, der “nit mit gantzem Arm auszgezogen / sonder kurtz und verschlagen” werde.
Meyer kennt den “kurtzen Oberhauw”, den “kurtzen Mittelhauw” und den “kurtzen Underhauw” — jeweils die schnellere, kraftreduzierte Version des Vollhiebs.
Taktischer Einsatz
Der Kurtzhau dient der Überraschung in der Nahdistanz. Wenn die Fechter so nahe sind, dass ein voller Hau nicht mehr ansetzbar ist, wird der Kurtzhau zur primären Option. Die Bewegung kommt nahezu ausschließlich aus Handgelenk und Unterarm. Meyer warnt jedoch: Auf weite Distanz eingesetzt, verpufft die Wirkung, und der Gegner kann den Hieb “mit einem Finger abweisen”. Der Kurtzhau ist ein Spezialwerkzeug für das Arbeiten “innwendig der Wehr” — kein Ersatz für den versammelten Hau.
In der modernen Praxis entspricht der Kurtzhau den halben Hauen und gezogenen Schnitten im engen Binden und findet besondere Anwendung gegen exponierte Hände und Arme.
Quellen
- Meyers Fechtbuch 1570, 1570, 1. Buch, Kap. 11.
- Forgeng, Jeffrey L.: The Art of Combat. London 2015.