Oberhau (Meyer)
Die fundamentale Angriffsbewegung bei Joachim Meyer

Definition und Einteilung
Der Oberhau ist bei Joachim Meyer die fundamentale Angriffsbewegung: ein von oben geführter Hieb, der die vertikale Achse nutzt. In Meyers Dreiteilung — Oberhau, Unterhau, Mittelhau — bildet er die primäre Angriffsform. Meyer identifiziert vier Haupttypen: Zornhau (diagonal), Mittelhau im engeren Sinne (horizontal abfallend), Scheitelhau (senkrecht) und Schielhau (schräg mit kurzer Schneide). Alle Meisterhaue, soweit sie von oben kommen, seien “nichts anders dann Oberheuwe” — sie unterscheiden sich in Winkel und Absicht, nicht in der Grundstruktur.
Versammelt vs. unversammelt
Der versammelte Oberhau wird mit Schritt, Hüft- und Schulterdrehung ausgeführt; die Kraft kommt aus dem gesamten Körper. Der unversammelte Oberhau erfolgt ohne Schritt, primär aus Handgelenk und Arm — eine “verstohlene” Variante für Geschwindigkeit und Täuschung. Der versammelte Hau lehrt die Mechanik; der unversammelte dient dem scharfen Fechten.
Taktische Bedeutung
Der Oberhau eröffnet das Gefecht. Aus den gepflanzten Huten — besonders Tag und Zornhut — zwingt er den Gegner “zur Wehr”. Ein gut gesetzter Oberhau verschafft das Vor. Meyer warnt jedoch vor dem unbedachten Dreinschlagen: Ein Oberhau ohne Versammlung und Kontrolle sei “ein unbesonnener Schlag”, der dem Gegner das Vor Nach Indes schenkt.
Quellen
- Meyers Fechtbuch 1570, 1570, 1. Buch, Kap. 5–6.
- Forgeng, Jeffrey L.: The Art of Combat. London 2015.