Zornhut

Die Zornhut ist eine Vorbereitungshut für den Zornhau, die vor allem bei Joachim Meyer terminologische Eigenständigkeit erlangt. Das Schwert ruht an der Schulter — meist der rechten — und die Spitze zeigt schräg nach hinten, ganz als wäre der Fechter gerade im Begriff, zum Zornhau auszuholen. Sie stellt gewissermaßen eine Zwischenstufe zwischen dem Vom Tag und dem bereits eingeleiteten Schlag dar.

Liechtenauers Zettel

Liechtenauers Zettel erwähnt die Zornhut nicht eigens — stattdessen trägt der Zornhau selbst den prominentesten Merkvers: „wer dir oberhawet / zornhaw ort dem drawet". Dass die zugehörige Lade- oder Ausholposition des Zornhau einer eigenen Hut entspricht, wird erst in der späteren Glossierungstradition sichtbar.

Glossen

Ringeck

Ringeck erwähnt die Ausholposition des Zornhau implizit: Der Fechter soll das Schwert an die Schulter legen und dann mit „gantzer krafft" zuschlagen. Eine Benennung als eigene Hut erfolgt bei ihm nicht.

Pseudo-Danzig (Cod. 44.A.8)

Im Danzig-Kodex wird die Zornhut als Ladebewegung des Zornhauort beschrieben (fol. 14v ff.). Der Glossator betont, dass bereits das Ausholen eine Drohung sein könne und der Gegner durch Schreiten und Körperhaltung unter Druck zu setzen sei.

Lew

Jud Lew bleibt in der Benennung konservativ und subsumiert die Ausholbewegung des Zornhaus unter die Tag-Hut — eine plausible Interpretation, da der Übergang ohnehin fließend ist.

Meyer

Meyer führt die Zornhut als eigenständige Position in seine Systematik ein und stellt sie prominent neben die anderen Wachten. Für Meyer ist die Zornhut die Ausgangshaltung des Zornhau schlechthin. Er lehrt, dass man aus dieser Stellung nicht nur den Zornhau, sondern auch versetzte Varianten und Abgeh-Aktionen einleiten kann. Die Zornhut signalisiert dem Gegenüber eine unmittelbare Bedrohung durch einen wuchtigen Oberhau und zwingt zum Reagieren.

Ausführung und Mechanik

Beim Rechtsfechter liegt die Klinge an der rechten Schulter auf, die rechte Hand befindet sich am Kreuz oder leicht darunter, die linke am Knauf. Die Spitze zeigt nach hinten-oben. Die Mechanik des Zornhaus aus der Zornhut erfolgt durch ein Vorführen der Hände kombiniert mit einer Schrittbewegung; der lange Hebelarm erzeugt enorme Schlagwucht.

Taktische Anwendung

Die Zornhut dient der Vorbereitung und Signalisierung des Zornhaus. Sie ist eine offensive Position, die den Gegner unter Druck setzt und ihn zu einer Reaktion — meist einem eigenen Hau — provoziert. Der Fechter in der Zornhut hat bereits eine Schlaglinie vorgezeichnet und muss nur noch die Bewegung vollenden. Dies spart Zeit und sichert den Vorschlag.

In der Praxis

Trainiert wird die Zornhut vor allem im Kontext des Zornhau-Drills: Vom Signal „Zornhut!" aus erfolgt auf Kommando der Hau. Häufiger Fehler ist das Umfassen des Knaufs mit zu viel Spannung, was die Weichheit des Schlags beeinträchtigt. Bewährt hat sich zudem die Übung: Zornhut → Zornhau → Winden → Rückkehr in die Zornhut.

Primärquellen

  • Meyer, Joachim: Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens. Straßburg 1570, II.22v–23r.
  • Cod. 44.A.8 (Danzig), fol. 14v ff.

Sekundärliteratur

  • Forgeng, Jeffrey L. (Übers.): The Art of Combat: A German Martial Arts Treatise of 1570. London 2006.
  • Tobler, Christian Henry: In Saint George’s Name. Wheaton 2010.
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