Meyer 1600 (Nachdruck)
Der posthume Nachdruck — Meyers anhaltende Wirkung

Überblick
- Autor: Joachim Meyer († 1571)
- Datierung: 1600 (posthum)
- Sprache: Frühneuhochdeutsch
Inhalt
Der Nachdruck von Meyers Fechtbuch aus dem Jahr 1600 ist ein bemerkenswertes buchhistorisches und fechtergeschichtliches Dokument. Fast dreißig Jahre nach Meyers Tod und dreißig Jahre nach der Erstausgabe der Gründtlichen Beschreibung von 1570 gab sein Schwiegersohn das Werk erneut heraus — ein Vorgang, der im Fechtschrifttum der Frühen Neuzeit ohne Parallele ist.
Der Nachdruck spricht für eine anhaltende Nachfrage nach Meyers Fechtlehre um 1600, zu einem Zeitpunkt also, als das Lange Schwert in der praktischen Fechtkultur bereits vom Rapier verdrängt wurde. Dass ein Verlag das Risiko eines unveränderten Nachdrucks eines fast dreißig Jahre alten Fechtbuchs einging, belegt den Rang, den Meyers Werk im kulturellen Gedächtnis der Zeit einnahm — sei es als praktisches Lehrbuch, sei es als repräsentatives Standardwerk einer Epoche.
Der textliche und bildliche Bestand entspricht im Wesentlichen der Ausgabe von 1570: Langes Schwert, Dussack, Rappier, Dolch und Stange in der bewährten systematischen Gliederung. Die Holzschnitte sind unverändert übernommen. Der Nachdruck ist daher keine inhaltliche Erweiterung der meyerschen Lehre, sondern ein Zeugnis ihrer fortdauernden kulturellen Geltung.
Bedeutung
Der Nachdruck von 1600 markiert symbolisch das Ende der gedruckten Langschwert-Tradition im deutschen Sprachraum. Nach diesem Datum erscheinen keine neuen Werke zum zweihändigen Fechten mehr, und Meyers Buch wird zur letzten Referenz einer aussterbenden Kunst.
Quellen
- Meyer, Joachim: Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens. Nachdruck, 1600.
- Wiktenauer: Joachim Meyer