Nebenhut (Meyer)

Die Nebenhut nach Joachim Meyer

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Meyers viertes Hauptleger

Die Nebenhut nimmt in Joachim Meyers System eine Sonderstellung ein: Sie ersetzt den Alber als viertes Mitglied der vier Hauptleger — eine der markantesten Abweichungen Meyers von der Liechtenauerschen Tradition. Das Schwert hängt mit der Spitze nach hinten-unten an der linken oder rechten Körperseite; die lange Schneide zeigt zum Gegner, die Hände befinden sich auf Hüfthöhe. Links und rechts spiegelbildlich eingenommen, ist sie die Huthälfte für tiefe, seitliche Angriffe.

Meyers Entscheidung für die Nebenhut und gegen den Alber ist taktisch begründet: Die Nebenhut bietet eine verdeckte Bedrohung — die Spitze weist vom Gegner weg, die Klinge scheint passiv, doch die Rotation aus Hüfte und Schulter katapultiert sie ohne Vorwarnung ins Ziel. Der Alber hingegen, mit seiner vollständig entblößten Oberpartie, hält Meyer für zu riskant im Fechtkontext des 16. Jahrhunderts.

Spitze nach hinten — Unterhaue vorbereitet

Meyers primäre Aktion aus der Nebenhut sind Unterhaue. Der Fechter führt die Klinge aus der tiefen, seitlichen Position in einem weiten Bogen nach oben — angetrieben durch eine kraftvolle Körperrotation, die Hüfte und Schulter in eine Linie bringt. Meyer beschreibt besonders den “Streich” und verschiedene Wechselhiebe, die aus der Nebenhut mit verdecktem Ansatz geschlagen werden. Der Gegner erkennt den Hau erst spät, da das Schwert aus seinem peripheren Sichtfeld aufsteigt und die eigentliche Gefahr erst im letzten Moment sichtbar wird.

Die Nebenhut eignet sich besonders gegen Gegner, die hoch gebunden haben — im Ochs oder Tag. Unter deren Klingenebene hindurch greift der Unterhau die ungedeckten Beine, die Hüfte oder die Flanke an. Meyer nutzt diese Eigenschaft auch für das “Verführen”: Der Fechter zeigt die scheinbar harmlose Nebenhut und schlägt im richtigen Moment überraschend zu — der Gegner hat auf die falsche Bedrohung reagiert.

Abgrenzung zu anderen Tiefhuten

Meyer grenzt die Nebenhut präzise vom Wechsel und vom Alber ab: Der Wechsel führt die Spitze vor dem Körper nach unten, die Nebenhut seitlich nach hinten. Vom Alber unterscheidet sie sich durch die seitliche statt frontale Ausrichtung. Diese Differenzierung der Tiefhuten ist ein Spezifikum Meyers — er bietet für jede Distanz und jeden Gegnertyp eine passende Unterhut, die in ihrem taktischen Profil klar definiert ist.

Quellen

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