Schrankhut (Meyer)

Die Schrankhut nach Joachim Meyer

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Schutz für die unteren Öffnungen

Die Schrankhut ist bei Joachim Meyer eine defensive Querbarriere zum Schutz der unteren Körperhälfte. Das Schwert wird vor dem Körper gehalten, die Klinge verläuft diagonal oder nahezu horizontal, die Spitze weist zum Boden oder schräg nach außen. Die Hände befinden sich auf Bauch- bis Brusthöhe, die lange Schneide ist dem Gegner zugewandt. Der Name leitet sich vom mittelhochdeutschen “schranc” ab — schräg, quer, versetzt — und beschreibt präzise die Klingenstellung.

Meyer behandelt die Schrankhut als eigenständige Hut mit einem klar definierten Schutzbereich: Anders als die Eisenport, deren vertikale Klinge einen schmalen, aber hohen Schutzkorridor bildet, deckt die Schrankhut durch ihre Querlage eine breitere horizontale Fläche ab. Sie ist die Antwort auf Angriffe, die seitlich oder schräg in die unteren Öffnungen zielen — Hiebe, die an einer vertikalen Klinge vorbeigehen würden.

Abgrenzung zur Eisenport

Meyer differenziert präzise zwischen Schrankhut und Eisenport — eine Unterscheidung, die in der älteren Tradition fehlt und den taktischen Feinsinn seines Systems illustriert. Die Eisenport schirmt mit vertikaler Klinge, ideal gegen direkt anfliegende Unterhaue und Stiche in der Körpermittellinie. Die Schrankhut präsentiert eine diagonale/horizontale Klingenebene, die vor allem seitliche und schräge Angriffe zuverlässig abfängt.

Der zweite entscheidende Unterschied liegt in der Offensivfähigkeit: Aus der Eisenport sind schnelle Gegenhiebe nur mit Verzögerung möglich, da die Klinge zunächst umorientiert werden muss. Die Schrankhut hingegen erlaubt einen fließenden Übergang in den Angriff — ein leichter Wechsel des Handwinkels verwandelt eine Parade in einen Mittelhau oder Streich von unten.

Techniken: Umbschlagen und Unterhaufänge

Meyers zentrale Aktion aus der Schrankhut ist das “Umbschlagen”: Ein eingehender Unterhau wird mit der langen Schneide aufgefangen; im selben Moment dreht der Fechter die Hände und schlägt mit der kurzen Schneide zur anderen Seite um. Die Schrankhut wirkt dabei als Federplattform — die Querlage der Klinge speichert die Energie des gegnerischen Hiebs und leitet sie umgehend in den Gegenangriff weiter.

Gegen Stiche unterläuft die Schrankhut den Angriff und führt die Klinge von unten gegen die gegnerischen Hände oder Arme. Die breite Auffangfläche der horizontalen Klinge macht es dem Gegner nahezu unmöglich, vorbeizukommen. Meyer warnt jedoch: “Wer zu lang in einer Versatzhut bleibt / gibt dem Gegner das Mittel an die Hand / sie zu umgehn”. Wie die Eisenport ist die Schrankhut eine Durchgangsstation — kein dauerhaftes Leger.

Quellen

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