Verkerer

Die Hände in der Bindung verdrehen

technikblossfechtenbindungLiechtenauer

Liechtenauers Zettel

Kein eigener Zettelvers. Der Verkerer ist ein Glossenbegriff der Liechtenauer-Tradition und wird in den Handschriften als spezifische Bindungstechnik abgehandelt.


Definition

Der Verkerer (von verkehren — umdrehen, verdrehen) bezeichnet das Verdrehen der Hände in der Bindung, nicht der Klinge selbst. Während beim Mutieren das Schwert um seine Längsachse gedreht wird (Schneidenwechsel), verbleibt beim Verkerer die Klinge in ihrer ursprünglichen Orientierung — lediglich die Handposition ändert sich.

Konkret: Der Fechter steht mit der rechten Hand oben und der linken unten im Band. Beim Verkeren werden die Hände verdreht, sodass die rechte Hand nach unten und die linke nach oben kommt. Die Klinge bleibt in ihrer Ausrichtung gleich, aber der Hebelarm und die Druckrichtung ändern sich fundamental.


Mechanik und Taktik

Der Verkerer verändert die Hebelverhältnisse im Band, ohne den Klingenkontakt aufzugeben. Die verdrehte Handposition ermöglicht einen Druck in eine Richtung, die dem Gegner unerwartet ist. Wo vor dem Verkeren der Druck frontal war, kann er nach dem Verkeren lateral oder diagonal erfolgen.

Der Verkerer ist verwandt mit dem Mutieren, aber taktisch distinkt:

Aspekt Mutieren Verkerer
Bewegung Klinge drehen Hände verdrehen
Resultat Andere Schneide Anderer Druckwinkel
Einsatz Um um Hindernisse herum zu kommen Um den Gegner aus der Stellung zu drängen

Glossen

Die Glossen bei Ringeck und Danzig behandeln den Verkerer im Zusammenhang mit der Schrankhut und anderen Legern. Der Verkerer wird als Mittel beschrieben, die gegnerische Klinge aus der eigenen Mitte zu drängen, ohne selbst die Deckung zu verlieren. Die verdrehte Handposition ist eine Übergangsposition — sie wird selten lang gehalten, sondern dient dem unmittelbaren taktischen Vorteil.


In der Praxis

  • Handpositions-Drill: Partner A und B stehen in der Bindung. A übt das Verkeren aus beiden Legern (Ochs, Pflug). Fokus: Die Klinge bleibt in Kontakt zum gegnerischen Schwert; nur die Hände ändern die Position. Die Druckveränderung soll für B spürbar sein.
  • Verkerer als Vorbereitung: Aus dem Verkerer heraus folgt häufig ein Hieb oder Stich. Partner A verkert und führt sofort eine Folgeaktion aus. B versucht zu erkennen, wann der Verkerer die entscheidende Öffnung schafft.

Quellen

Sekundärliteratur

  • Tobler, Christian Henry: Fighting with the German Longsword. Rev. ed. Wheaton 2015.
  • Hils, Hans-Peter: Meister Johann Liechtenauers Kunst des langen Schwertes. Frankfurt a.M. 1985.
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