Schrankhut
Die querliegende Defensivbarriere

Die Schrankhut (von fnhd. „schranc" = schräg, quer) ist eine defensive Hut, bei der die Klinge mit der Spitze zum Boden quer vor dem Körper gehalten wird. Sie dient dem Schutz der unteren Öffnungen, indem die querliegende Klinge einen physischen Riegel vor Bauch und Beinen des Fechters bildet. Sie ist eng verwandt mit der Eisenport, jedoch in der Klingenführung etwas höher und variabler.
Liechtenauers Zettel
Im Zettel Liechtenauers wird die Schrankhut nicht namentlich erwähnt. Sie erscheint erst in den erweiterten Glossen und bei den späteren Meistern des 15. und 16. Jahrhunderts als eigenständige Position. Die Funktion — Abschirmen der unteren Blößen durch eine Querstellung der Klinge — ist jedoch bereits im Konzept des Versetzens aus dem Alber angelegt.
Glossen
Ringeck
Ringeck behandelt die Schrankhut nicht als eigene Kategorie. Indirekte Bezüge finden sich in seinen Ausführungen zum Absetzen aus Unterhuten, wo eine ähnliche Klingenstellung beschrieben wird.
Pseudo-Danzig (Cod. 44.A.8)
Im Danzig-Kodex erscheint die Schrankhut im Kontext des Ringens am Schwert (fol. 36v ff.), also dann, wenn der Kampf in die Nähe übergeht und die Klinge als Barriere gegen das Eindringen des Gegners eingesetzt wird.
Weitere Glossatoren
Der spätere Talhoffer zeigt Positionen, die der Schrankhut entsprechen, jedoch ohne die Terminologie zu verwenden. Erst mit Joachim Meyer erhält die Schrankhut eine feste Nomenklatur und systematische Einordnung.
Meyer
Joachim Meyer widmet der Schrankhut ein eigenes Kapitel (1570, II.24r ff.) und definiert sie klar als defensive Position. Bei Meyer ist die Schrankhut eine Haltung, bei der das Schwert vor dem Körper kreuzt und die Spitze nach unten-außen weist. Sie wehrt primär Unterhaue und Stiche ab und bietet einen stabilen Ausgangspunkt für Gegenstiche. Meyer betont die Rolle der Schrankhut im Fechten aus der Verschiebung.
Ausführung und Mechanik
Die Hände befinden sich etwa auf Bauchhöhe, die Klinge verläuft diagonal oder nahezu horizontal vor dem Körper. Die Spitze zeigt zum Boden, die lange Schneide ist dem Gegner zugewandt. Die Schrankhut zeichnet sich durch minimale Bewegung beim Versetzen aus — ein leichtes Seitwärtsführen der Klinge genügt, um einen eingehenden Stich oder Unterhau abzufangen.
Taktische Anwendung
Die Schrankhut ist eine Defensivposition par excellence. Gegen einen mit tiefen Hieben agierenden Gegner bietet sie einen effizienten Schutz durch bloße Klingenpräsenz. Der Nachteil liegt in der verringerten offensiven Flexibilität: Aus der Schrankhut sind nur begrenzt Haue möglich; der Fechter muss zuerst in eine andere Hut übergehen oder einen kurzen Stoß mit der Spitze ansetzen.
In der Praxis
Moderne Trainierende verwenden die Schrankhut vor allem als Übergang beim Abgehen und in der Halb-Distanz. Übung: Partner gibt Unterhaue an; der Verteidiger fängt diese in der Schrankhut ab und kontert mit einer Umhut-Bewegung in den Ochs. Häufiger Fehler: Die Klinge wird zu steil gehalten, sodass sie nicht die gesamte untere Öffnung abdeckt.
Primärquellen
- Cod. 44.A.8 (Danzig), fol. 36v ff.
- Meyer, Joachim: Gründtliche Beschreibung der Kunst des Fechtens. Straßburg 1570, II.24r–24v.
Sekundärliteratur
- Forgeng, Jeffrey L. (Übers.): The Art of Combat: A German Martial Arts Treatise of 1570. London 2006.