Pflug

Der Pflug ist eines der Ochs der Liechtenauerschen Tradition und neben dem Ochs die zweite Spitze-führende Hut. Die Hände werden tief gehalten — etwa auf Hüfthöhe — und die Klinge zeigt schräg aufwärts in Richtung Gesicht oder Brust des Gegners. Der Name leitet sich von der Ähnlichkeit mit einem Pflugsterz ab, dessen Handhabe im Winkel nach oben ragt.

Liechtenauers Zettel

„Ochß pflug / alber / vom tag / sey dir vnmer"

Der Auszug stellt den Pflug gleichberechtigt neben die anderen drei Hauptleger. Der Pflug erfüllt in Liechtenauers System die untere Stichdrohung als Pendant zum Ochs.

Glossen

Ringeck

[33v.3] Das sind die vier leger

Text: „Vier leger allain / Da võ halt vnd flu~ch die gemaim / [34r.1] Ochs pflu°g / alber / võ tag / sÿ dir nit vnmer“

Glosa: Ist das dü võ kaine~ leger nicht halte~ solt denn alain võ den viere~ die hie genãt worden sind.

[34.3] Die ander hu°tt Der pflu°g do schick dich also mit stand mit dem lincken fu°ß vor vnd halt din schwert gecru~tzten hende~ nebe~ diner rechte~ sÿtten ober dine~ knÿe Also das Im der ort gegen dem gesicht ste.

Pseudo-Danzig (Cod. 44.A.8)

[25r.3] Das ist der text vnd die glos von den vier legerñ

[25v.1] Text: „Vier leger allain / da von halt vnd fleuch die gemain / Ochs phlueg alber / vom tag seÿ dir nicht vnnmär"

Glosa: Merck die vier leger das sein die vier hu°ten da du aus fechten solt

[25v.4] Das ist die ander hu°t

Merck die ander hu°tt haist der phlueg da schick dich also mit Stee mit dem lincken fuess vor vnd halt dein swert mit gekrautztñ henden mit dem knopff vnder sich neben deiner rechten seitten zu° der hüff das die kurtz schneid oben seÿ vnd der ort im stee gegen dem gesicht ~

[25v.5] Merck Zu° der lincken seitten schick dich also In den phlueg stee mit dem rechten fuess vor vnd halt dein swert neben deiner lincken seitten mit dem knopff vndersich zu° der hüff das die lang schneid [26r.1] oben seÿ vnd Im der ort ste gegen dem gesicht Das ist der phlueg von paiden seitten ~

Lew

[27v.1] Text: „Vier leger allein / Dauon haltu fleuch die gemein / Ochs pflug alber / Vom tag sein dir nit vnmër."

Glosa: Merck diese vier leger das sein die vier hut da du aus vechten [28r.1] solt Die erst hut heisset der Ochs etc.

[28v.2] Item die ander hut die heist der pflug Da schick dich also mit setze den lincken fus vor vnd halt dein swert mit gecreutzigten henden vnttersich zu deiner rechten seitten mit dem knopff neben deiner rechten hüfft das die kurtz sneid oben sej vnd der ort fürsich auf stee dem man gegen dem gesicht etc.

[28v.3] Item zu der lincken seitten schick dich also In den pflug Setz den rechten fuß vor vnd halt dein swert neben deiner lincken seitten vnttersich zu deiner lincken hüfft das die lang sneid oben gewant sej vnd der ort übersich stee dem man gegen [29r.1] dem gesichte etc.

Meyer

Joachim Meyer führt den Pflug als eine seiner Grundhuten fort, weicht jedoch in Details der Fußstellung und Klingenführung ab. Bei Meyer ist der Pflug flacher und weiter vor dem Körper angesiedelt, was der gesteigerten Betonung von Versatzhieben geschuldet ist. Seine Pflug-Variante leitet fließend zum Zornhau über.

Ausführung und Mechanik

Beim Pflug befindet sich die starke Faust (beim Rechtsfechter die rechte) auf Hüfthöhe nahe am Körper, die zweite Hand sitzt tiefer am Knauf. Die Klinge ist im etwa 45-Grad-Winkel nach oben gerichtet. Der Stich erfolgt durch ein simultanes Strecken beider Arme, begleitet von einem Ausfallschritt — dies verleiht dem Pflug-Stich seine notorische Kraft. Aus dem Pflug können zudem Unterhaue mit hoher Geschwindigkeit geschlagen werden.

Taktische Anwendung

Der Pflug ist eine defensiv-offensive Hut. Die tiefe Handhaltung schirmt die unteren Öffnungen ab und bietet gleichzeitig die sofortige Option eines kraftvollen Stichs. Wird der Gegner durch die geöffnete Oberseite zum Hau provoziert, versetzt der Fechter und windet aus der Bindung in den Ochs um. Diese Kombination aus Einladung, Versatz und Winden macht den Pflug zu einer taktisch hochflexiblen Position.

In der Praxis

Im Training wird der Pflug besonders für Stichdrills und Windungsübungen verwendet. Ein häufiger Fehler ist das Abspreizen der Ellbogen — sie sollen möglichst nah am Körper bleiben, um Hebel für den steilen Stichwinkel zu gewinnen. Empfohlene Übungen: Partnerübung Pflug gegen Ochs mit abwechselndem Winden; Stichdrill aus dem Pflug auf Distanzmarkierungen; Kombination: Pflug-Stich → Bindung → Winden → Ochs.

Primärquellen

  • Hs. 3227a (Nürnberger Kodex), fol. 13v–15r
  • Cod. 44.A.8 (Danzig), fol. 6v–9r
  • Ringeck, Ms. Dresden C 487, fol. 9r–10r

Sekundärliteratur

  • Hagedorn, Dierk (Hrsg.): Peter von Danzig: Transkription und Übersetzung. Herne 2008.
  • Tobler, Christian Henry: In Saint George’s Name. Wheaton 2010.
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