Schwert und Buckler
Das Fechten mit Schwert und Faustschild in der Deutschen Fechtschule

Schwert und Buckler in der Deutschen Fechtschule
Der Buckler — ein kleiner Faustschild von etwa 15–40 cm Durchmesser — war im Hoch- und Spätmittelalter die verbreitetste Begleitwaffe zum einhändig geführten Schwert. Einfache Bürger, Stadtwachen und Soldaten trugen ihn am Gürtel; er war die defensive Standardausrüstung des nicht-adligen Fechters. Die Kombination aus Einhand-Schwert und Buckler existiert in der Deutschen Fechtschule am Rande, wird aber von keiner zentralen Liechtenauer-Quelle systematisch behandelt.
Das älteste erhaltene Fechtbuch Europas, die Ms. I.33 (um 1300, Landesbibliothek Gotha), ist ein reines Schwert-und-Buckler-Manual. Es zeigt einen Mönch und einen Schüler in didaktischen Fechtszenen und etabliert ein vollständiges Fechtsystem. Die I.33 ist älter als Liechtenauer und repräsentiert eine eigenständige, vor-Liechtenauersche Fechttradition.
Quellen in der Deutschen Fechtschule
In der Liechtenauer-Tradition ist Schwert und Buckler bestenfalls als Randnotiz präsent. Hans Talhoffer widmet der Kombination einige Tafeln in seinem Fechtbuch von 1459, ebenso Paulus Kal. Beide integrieren Schwert-und-Buckler-Techniken in ihre Kompendien, ohne ihnen die systematische Tiefe zu geben, die sie dem Langen Schwert oder dem Ringen — Überblick reservieren.
Paulus Hector Mair greift das Thema im 16. Jahrhundert wieder auf, mit ausführlicheren Illustrationen, bleibt aber eklektisch. Die deutsche Schwert-und-Buckler-Tradition ist eine Nebenströmung, keine Hauptlinie wie das Blossfechten mit dem Langen Schwert.
Techniken und Praxis
Die Mechanik der Kombination ist evident: Das Schwert in der rechten Hand führt den Angriff, der Buckler in der linken Hand blockt, deflektiert, stört und — bei Talhoffer — wird auch als Schlagwerkzeug eingesetzt. Die Grundhaltung ist die Tageshut oder der Pflug, wobei der Buckler vor der Brust oder am ausgestreckten Arm getragen wird.
Moderne HEMA-Praktiker trainieren Schwert-und-Buckler vor allem nach I.33 — die Quelle bietet durch den streng didaktischen Aufbau (aufsteigende Komplexität, systematische Wiederholung) eine zugänglichere Rekonstruktionsbasis als die knappen Illustrationen Talhoffers. Buckler-Turniere sind selten, aber wachsende Nischen innerhalb der HEMA-Community.
Quellen
- Ms. I.33, Landesbibliothek Gotha.
- Talhoffer, Hans: Fechtbuch (1459), mehrere Handschriften.
- Kal, Paulus: Fechtbuch (um 1470).