Ms. germ. quart. 2020

Die Jud-Lew-Glosse

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Überblick

  • Signatur: Ms. germ. quart. 2020, Staatsbibliothek zu Berlin
  • Datierung: 15. Jahrhundert
  • Sprache: Frühneuhochdeutsch
  • Aufbewahrungsort: Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz
  • Autor: Jud Lew

Inhalt

Die Handschrift Ms. germ. quart. 2020 enthält die Glosse des Fechtmeisters Jud Lew zum Liechtenauers Merkverse Liechtenauers und bildet damit den Abschluss der sogenannten drei kanonischen Glossen der Deutsche Fechtschule. Neben dem Pseudo-Peter von Danzig und der Ringeck-Glosse stellt Jud Lews Kommentar die dritte eigenständige Bearbeitung des Zettels dar.

Die Glosse Lews ist merklich kompakter als die ausführliche Ausarbeitung Ringecks, zeichnet sich jedoch durch eine pointierte und praxisnahe Sprache aus. Lew behandelt die Kernbereiche des Liechtenauer’schen Systems – das Lange Schwert, das Fechten im Harnisch und das Rossfechten — Überblick – mit einem Fokus auf den unmittelbar anwendbaren technischen Gehalt. Wo Ringeck zu ausführlichen didaktischen Exkursen neigt, bleibt Lew eng an den Merkversen und bietet eine gestraffte, prägnante Auslegung.

Besondere Beachtung verdient Lews Behandlung der ZornhauFechtens am Schwert, wo seine Erläuterungen ein tiefes praktisches Verständnis der zugrundeliegenden Mechanik erkennen lassen. Seine Glosse der Vier Lager und der Prinzipien des Blossfechtens weist charakteristische Abweichungen von Ringeck und dem Danzig-Komplex auf, die für die vergleichende Forschung von großem Wert sind.

Über Jud Lew selbst ist wenig bekannt. Der Name deutet auf eine jüdische Herkunft hin, was in der spätmittelalterlichen Fechtliteratur eine Ausnahme darstellt. Die handschriftliche Überlieferung und der Stil seiner Glosse legen nahe, dass er ein ausgebildeter Fechtmeister innerhalb der Marxbrüder war. Paulus Kal führt ihn in seiner Meisterliste auf, was seine Stellung innerhalb der Tradition bestätigt.

Stellung in der Liechtenauer-Tradition

Als dritte kanonische Glosse komplettiert Jud Lews Werk das Bild der Liechtenauer-Exegese des 15. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Ringeck und dem Pseudo-Peter von Danzig erlaubt Lews Glosse einen triangulierenden Blick auf die Interpretation des Zettels und ist für das Verständnis der inneren Varianz der Deutschen Fechtschule unverzichtbar.

Editionen und Forschung

  • Dierk Hagedorn: Jud Lew: Das Fechtbuch. VS-Books, Herne 2011. Maßgebliche Edition mit Übersetzung und Kommentar.
  • Christian Henry Tobler: In Saint George’s Name: An Anthology of Medieval German Fighting Arts. Freelance Academy Press, 2010 (enthält Auszüge und vergleichende Analysen).
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