Goliath Fechtbuch
Das Fechtbuch mit dem Goliath-Wasserzeichen

Überblick
- Signatur: Ms. Germ. Quart. 2020, Jagiellonen-Bibliothek Krakau
- Datierung: ca. 1510–1520
- Sprache: Frühneuhochdeutsch
- Aufbewahrungsort: Jagiellonen-Bibliothek, Krakau
- Autor: Anonym
Inhalt
Das sogenannte Goliath Fechtbuch — benannt nach dem darin enthaltenen Wasserzeichen, das den biblischen Riesen Goliath zeigt — ist eine Zettel-Glosse der Liechtenauer-Tradition aus dem frühen 16. Jahrhundert. Die Handschrift, deren Autor unbekannt ist, enthält den Zettel mit einer ausführlichen Prosa-Glosse und stellt ein wichtiges Bindeglied zwischen der klassischen Glossatoren-Tradition des 15. Jahrhunderts und den gedruckten Fechtbüchern der Reformationszeit dar.
Inhaltlich folgt das Goliath Fechtbuch der kanonischen Struktur: Deutsche Fechtschule mit den Fünf Hauen und den Vier Legern, Winden am Schwert, Techniken aus dem Band, sowie Abschnitte zum Harnischfechten — Überblick und Ringen — Überblick. Die Glosse weist charakteristische Abweichungen von den drei kanonischen Glossen (Ringeck, Pseudo-Danzig, Jud Lew) auf und liefert stellenweise eigenständige Interpretationen.
Die Illustrationen sind sparsam, aber technisch präzise. Der didaktische Fokus liegt eindeutig auf dem Text, nicht auf der bildlichen Repräsentation, was die Handschrift in die Nähe der funktionalen Gebrauchshandschriften rückt.
Stellung in der Liechtenauer-Tradition
Das Goliath Fechtbuch dokumentiert die anhaltende Vitalität der handschriftlichen Glossen-Tradition zu einem Zeitpunkt, als mit Andre Paurnfeindt (1516) bereits die ersten gedruckten Fechtbücher erschienen. Es belegt, dass die handschriftliche und die gedruckte Tradition eine Zeitlang parallel existierten und sich gegenseitig ergänzten.
Editionen und Forschung
- Dierk Hagedorn: Goliath. Das Fechtbuch. VS-Books, Herne 2015. Maßgebliche Edition mit Übersetzung und Kommentar.