Historische Fechtgesellschaften
Marxbrüder, Federfechter und die Organisation der Fechtkunst

Die Marxbrüder (ab 1487)
Die Bruderschaft Unserer Lieben Frau und St. Marxen — kurz Marxbrüder — war die bedeutendste Fechtgesellschaft des Heiligen Römischen Reiches. 1487 erhielten sie von Kaiser Friedrich III. ein kaiserliches Privileg, das ihnen das Monopol zur Ausbildung und Prüfung von Fechtmeistern verlieh. Nur wer vor den Marxbrüdern eine Prüfung ablegte, durfte den Titel eines Meisters des langen Schwerts führen.
Die Marxbrüder hatten ihren Sitz in Frankfurt am Main, unterhielten aber Niederlassungen im gesamten Reichsgebiet. Sie organisierten Fechtschulen — öffentliche Schau-Wettkämpfe —, die sowohl der Unterhaltung als auch der Rekrutierung neuer Mitglieder dienten. Die Aufnahmeprüfung, das sogenannte Meisterstück, umfasste den Nachweis praktischer Fechtfertigkeit im Deutsche Fechtschule, Harnischfechten und Ringen.
Die Federfechter (ab ca. 1570/1607)
Die Federfechter — auch Freifechter von der Feder genannt — entstanden im 16. Jahrhundert als Konkurrenz zu den Marxbrüdern. Sie erhielten 1607 von Kaiser Rudolf II. ein eigenes kaiserliches Privileg, das das Monopol der Marxbrüder brach. Ihr Symbol war die Feder, die sie in Anlehnung an die Feder des Greifen aus dem Wappen der Marxbrüder wählten.
Die Federfechter waren weniger exklusiv als die Marxbrüder und öffneten die Fechtkunst stärker für bürgerliche Kreise. Joachim Meyers Wirken fällt in diese Zeit der institutionellen Transformation: Sein gedrucktes Fechtbuch von 1570 richtete sich an ein breiteres Publikum und trug zur Demokratisierung der Fechtkunst bei.
Die Lukasbrüder
Die Existenz einer dritten Fechtgesellschaft, der Lukasbrüder, ist quellenmäßig umstritten. Einige Forscher halten sie für eine kurzlebige regionale Gruppierung oder eine Namensvariante einer der anderen Gesellschaften. Gesicherte Quellenbelege für eine dritte, den Marx- und Federfechtern gleichrangige Bruderschaft fehlen.
Aufnahmeprüfung und Meisterwürde
Die Prüfung zum Fechtmeister war ein formalisiertes Ritual. Der Kandidat musste sein Können im Gefecht gegen mehrere Meister demonstrieren — mit dem Langen Schwert, dem Messer und dem Dolch. Die Meisterwürde war mit erheblichen Privilegien verbunden: Nur geprüfte Meister durften gegen Bezahlung Fechtunterricht erteilen und an Fechtschulen teilnehmen.
Das Ende der Fechtgesellschaften
Mit dem Wandel der Kriegstechnik und der zunehmenden Dominanz des Rapiers im 17. Jahrhundert verloren die traditionellen Fechtgesellschaften an Bedeutung. Die letzte Fechtschule der Marxbrüder ist für 1660 belegt. Im 18. Jahrhundert verschwanden beide Gesellschaften endgültig — abgelöst durch die neuen nationalen Fechtschulen (französische Schule, italienische Schule) und das aufkommende Sportfechten.
Quellen
- Welle, Rainer: »… und wisse das alle höbischeit kompt von deme ringen«. Der Ringkampf als adelige Kunst im 15. und 16. Jahrhundert. Pfaffenweiler 1993.
- Hils, Hans-Peter: Meister Johann Liechtenauers Kunst des langen Schwertes. Lang, Frankfurt a. M. 1985.
- Wiktenauer: Fechtgesellschaften