Federfechter

Die Freifechter von der Feder

personorganisationfechtgesellschaft16 jh

“Die Freifechter von der Feder / welche sich nach uraltem Brauch und hergebrachter Gewohnheit der ritterlichen Übung freier Künste der Fechterey befleissen.” — Privileg, 1607

Die Gesellschaft

Die Federfechter — offiziell Freifechter von der Feder — waren die zweite große Fechtergesellschaft des Heiligen Römischen Reiches und die zentrale Konkurrenzorganisation der Marxbrüder. Anders als die Frankfurter Bruderschaft entstanden die Federfechter nicht aus einer religiösen Bruderschaft, sondern als Zusammenschluss bürgerlicher Fechtmeister, die sich dem Monopolanspruch der Marxbrüder nicht beugen wollten.

Ihr Name leitet sich entweder von der Feder am Barett der Fechtmeister oder von der Feder als Metapher für die Leichtigkeit und Eleganz ihrer Fechtweise her. Ihr Wappentier war der Greif — eine bewusste symbolische Konkurrenz zum Löwen der Marxbrüder. Wo die Quellen vom Löwen und Greifen sprechen, formulieren sie einen Gegensatz der Institutionen, nicht nur der Fechtstile.

Das Privileg von 1607

Nach jahrzehntelangen juristischen Auseinandersetzungen mit den Marxbrüdern erwirkten die Federfechter 1607 ein kaiserliches Privileg von Rudolf II., das ihre Gleichberechtigung formal anerkannte. Der Sitz der Gesellschaft war in Prag, dem kaiserlichen Hof Rudolfs II. — ein strategisch bedeutsamer Standort, da der Kaiserhof in Prag einen kulturellen Gegenpol zum Frankfurter Reichsstadt-Milieu der Marxbrüder bildete.

Das Privileg gewährte den Federfechtern:

  • Das Recht, eigene Fechtschulen abzuhalten und Meister zu ernennen.
  • Eigene Examen und Meisterbriefe auszustellen (mit dem Greifensiegel).
  • Juristische Anerkennung als legitime Fechtergesellschaft.

Bedeutung für die Verbreitung des Fechtens

Die Konkurrenz der beiden Gesellschaften wirkte als Motor der Professionalisierung und Ausbreitung des Fechtens:

  • In jeder Reichsstadt existierten nun potentiell zwei Fechtschulen — eine der Marxbrüder und eine der Federfechter.
  • Der Wettbewerb um Schüler führte zu didaktischen Innovationen und einer systematischeren Lehre.
  • Das Fechten drang in Schichten des Bürgertums vor, die zuvor kaum Zugang zur exklusiven Ausbildung der Marxbrüder hatten.

Die Federfechter trugen maßgeblich zur Verbürgerlichung und Popularisierung der Fechtkunst bei — eine Entwicklung, die im Werk Joachim Meyers 1570 bereits sichtbar wird, das ein urban-bürgerliches Publikum adressiert.

Meyers Verbindung zu den Federfechtern ist quellenmäßig nicht eindeutig gesichert, aber wahrscheinlich: Meyer wirkte in Straßburg, einer Stadt ohne Marxbrüder-Niederlassung, und sein Fechtbuch spricht einen Adressatenkreis an, der mit dem bürgerlichen Selbstverständnis der Federfechter kongruent ist.

Das Ende der Fechtgesellschaften

Beide Gesellschaften verloren im Laufe des 17. Jahrhunderts an Bedeutung. Die Ursachen waren strukturell:

  • Militärische Entwicklung: Die Verbreitung von Feuerwaffen und die veränderte Kriegstaktik reduzierten die militärische Relevanz des Schwertkampfes.
  • Höfisches Fechten: Die französisch geprägte Fechtmode des Hofes (De petits épées) verdrängte das traditionelle Langschwert und Messer.
  • Dreißigjähriger Krieg: Die ökonomischen und sozialen Verwerfungen des Krieges (1618–1648) zerrütteten das Zunftwesen.
  • Aufstieg der Universitäten: Akademische Fechtmeister, die an Universitäten lehrten, traten in Konkurrenz zu den Zunftmeistern.

Im 18. Jahrhundert existierten beide Gesellschaften nur noch nominell; ihre faktische Bedeutung endete mit dem Niedergang des zünftischen Fechtens.

Quellen

  • Wassmannsdorff, Karl: Sechs Fechtschulen. Leipzig 1870.
  • Cinato, Franck: The Marxbrüder and Federfechter. In: Jaquet, Daniel et al. (Hrsg.): Late Medieval and Early Modern Fight Books. Brill, Leiden 2016.
  • Wiktenauer: Federfechter
Nach oben ↑