Der Fechtmeister als Beruf

Ausbildung, Prüfung und sozialer Status der Fechtmeister im Spätmittelalter

konzeptgeschichtesozialgeschichte

Was bedeutete es, Fechtmeister zu sein?

Der Fechtmeister des 15. und 16. Jahrhunderts war ein durch Ausbildung, Prüfung und Privileg autorisierter Lehrer der Fechtkunst. Er stand in der Tradition Liechtenauers und der Marxbrüder und repräsentierte ein spezifisches, durch die Fechtgesellschaften kontrolliertes Berufsbild. Der Fechtmeister war weder Adliger noch Bauer — er stand sozial zwischen den Ständen, ein Handwerker des Waffenkampfs, der von seinem Wissen und seiner Lehrbefugnis lebte.

Die Berufsbezeichnung war geschützt. Niemand durfte sich Fechtmeister nennen oder Fechtschulen abhalten, der nicht von den Marxbrüdern oder einer anderen anerkannten Fechtgesellschaft geprüft und lizenziert worden war. Verstöße wurden von den städtischen Räten verfolgt.

Ausbildung, Prüfung, Anstellung

Die Ausbildung zum Fechtmeister durchlief ein strukturiertes Curriculum. Der aspirierende Fechtmeister lernte bei einem etablierten Meister die Grundlagen der Deutschen FechtschuleLanges Schwert, Ringen — Überblick, Messer, Dolch, Stangenwaffen — und die spezifischen Versatz- und Nebenstücke. Nach mehreren Jahren folgte die Prüfung vor einem Kollegium von Meistern. Der Prüfling musste seine Kunst in Wort und Tat demonstrieren: theoretisches Wissen (Merkverse, Prinzipien) und praktisches Fechten gegen Angreifer.

Die erfolgreiche Prüfung verlieh das Recht, selbst Fechtschulen abzuhalten und Schüler zu lehren. Fechtmeister zogen oft von Stadt zu Stadt, boten ihre Dienste den Stadträten an und erhielten dafür Gehalt und Unterkunft. Einige — wie Joachim Meyer — ließen sich dauerhaft in einer Stadt nieder und integrierten sich ins städtische Bürgertum.

Sozialer Status der Fechtmeister

Der soziale Status war ambivalent. Ein erfolgreicher Fechtmeister konnte Bürger einer bedeutenden Stadt werden, ein angesehenes Handwerk ausüben und sogar publizieren — Meyer ist das prominenteste Beispiel. Zugleich haftete dem Beruf ein Makel des Niederen an: Fechtmeister standen auf einer Stufe mit Badem, Scharfrichtern und Spielleuten, den “unehrlichen” Berufen der ständischen Gesellschaft. Die Fechtbrüder bemühten sich zeitlebens um soziale Anerkennung, die ihnen nie vollständig gewährt wurde.

Vergleich mit anderen Handwerkern

Die Parallele zum Zunftwesen ist augenfällig: Wie ein Schuhmacher oder Schmied durchlief der angehende Fechtmeister eine formalisierte Ausbildung (Lehrling → Geselle → Meister), musste ein Meisterstück vorweisen (die Prüfung) und sich einer Zunft (der Fechtgesellschaft) unterordnen. Die Fechtmeister organisierten sich als Handwerkszunft des Kriegshandwerks.

Quellen

  • Hils, Hans-Peter: Meister Johann Liechtenauers Kunst des langen Schwertes. Frankfurt a.M. 1985.
  • Jaquet, Daniel: Fighting by the Book: European Martial Arts Manuscripts and the Establishment of the HEMA Community. In: Acta Periodica Duellatorum, 2016.
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