Nickel Preußen

Meister der Gesellschaft Liechtenauers

personmeisterLiechtenauer15 jh

Biographie

Nickel Preußen (auch Nickel Preussen) erscheint unter den siebzehn Meistern der Marxbrüder in der Liste des Paulus Kal (Cgm 1507). Der Name Nickel ist eine obersächsisch-schlesische Kurzform von Nikolaus, der Beiname Preußen verweist auf eine Herkunft aus dem Deutschordensland Preußen. Diese geographische Zuordnung ist bemerkenswert: Sie dehnt den Einzugsbereich der Deutschen Fechtschule über Schlesien (Andre Liegnitzer) hinaus bis an die östliche Peripherie des deutschen Sprachraums aus.

Preußen war im 15. Jahrhundert ein Gebiet intensiver kriegerischer Aktivität — die Konflikte des Deutschen Ordens mit Polen-Litauen, die Ständekämpfe und die spätere Säkularisation zum Herzogtum Preußen (1525) schufen einen Markt für Fechtmeister und militärische Ausbilder. Es ist plausibel, dass Nickel Preußen seine Kunst im Kontext dieser Nachfrage ausübte, möglicherweise im Dienst des Ordens oder der preußischen Städte.

Wie bei den meisten der siebzehn Meister ist außerhalb von Kals Liste nichts über sein Leben oder seine Lehre überliefert. Kein erhaltenes Fechtbuch trägt seinen Namen, keine Glosse zitiert ihn. Seine Bedeutung erschöpft sich in seiner Erwähnung durch Paulus Kal — was jedoch, angesichts der sorgfältigen Komposition der Meisterliste, kein geringes Zeugnis ist.

Die Bedeutung der Meisterliste

Die Liste im Cgm 1507 konstruiert eine Traditionslinie, die Johannes Liechtenauer als Gründer und Paulus Kal als gegenwärtigen Hüter der Kunst präsentiert. Die zwischen ihnen stehenden siebzehn Namen sind die Glieder dieser Kette. Nickel Preußen ist eines dieser Glieder — ein Meister, dessen Werk Kal kannte und als traditionswürdig erachtete, auch wenn die Überlieferung es später nicht bewahrte.

Die preußische Herkunft zeigt, dass die Deutsche Fechtschule kein exklusiv süddeutsches Phänomen war, sondern bis in die nördlichen und östlichen Reichsgebiete ausstrahlte.

Quellen

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