Cod. 26-232 (Dürer)

Das Fechtbuch aus der Werkstatt Albrecht Dürers

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Überblick

  • Signatur: Cod. 26-232, Graphische Sammlung Albertina, Wien
  • Datierung: um 1512
  • Sprache: Frühneuhochdeutsch
  • Aufbewahrungsort: Albertina, Wien
  • Autor: Albrecht Dürer (Werkstatt)

Inhalt

Der Cod. 26-232 ist ein Fechtbuch aus der Werkstatt Albrecht Dürers,Nürnberg. Das Manuskript, heute in der Graphischen Sammlung der Albertina in Wien verwahrt, umfasst Ringtechniken und Fechttechniken mit dem Langen Schwert. Die Handschrift ist primär ein Bildwerk — der Text beschränkt sich auf knappe Beischriften, die Hiebrichtung, Ziel oder taktische Absicht benennen.

Die Illustrationen heben sich von der übrigen Fechtbuch-Überlieferung durch ihre außergewöhnliche künstlerische Qualität ab. Sie zeigen:

  • Anatomisch präzise Figuren mit natürlicher Körperspannung und differenzierter Muskulatur
  • Ruhige, natürliche Standmotive und eine realistische Gewichtsverteilung
  • Räumliche Tiefe durch perspektivische Verkürzungen und Überschneidungen
  • Dynamische Bewegungsdarstellung mit erkennbaren Vor- und Nachpositionen

Diese Merkmale verweisen auf die künstlerische Schulung Dürers und seine intensiven Studien zur menschlichen Proportion. Ob Dürer die Zeichnungen eigenhändig ausführte oder Werkstattmitarbeiter unter seiner Anleitung — die stilistische Nähe zu seinem gesicherten Werk ist evident. Die Figuren im Cod. 26-232 wirken wie anatomische Studien, die zufällig Kampfhandlungen zeigen, nicht wie schematische Fechtbuch-Illustrationen, die zufällig von einem großen Künstler stammen.

Die behandelten Techniken stammen aus dem Umfeld der Deutsche Fechtschule und decken das für Nürnberger Fechtbücher der Zeit typische Spektrum ab. Der Schwerpunkt liegt auf dem Ringen — Überblick — Hebel, Würfe, Bodenkampf — gefolgt vom Deutsche Fechtschule mit dem Langen Schwert.

Bedeutung

Der Cod. 26-232 nimmt eine Sonderstellung in der Fechtbuch-Überlieferung der Deutschen Fechtschule ein:

  1. Künstlerischer Rang: Kein anderer Künstler von Dürers Format hat ein Fechtbuch illustriert. Die Handschrift dokumentiert die Wertschätzung, die das Fechten in der Nürnberger Oberschicht genoss.
  2. Anatomische Präzision: Die Illustrationen erlauben Rückschlüsse auf Körpermechanik, die aus schematischeren Darstellungen nicht zu gewinnen sind — ein Gewinn für die moderne Technikforschung.
  3. Werkstatt-Kontext: Die Handschrift ist ein seltenes Beispiel für die Einbindung eines Fechtbuch-Projekts in eine professionelle Künstlerwerkstatt der Renaissance.
  4. Nürnberger Fechtkultur: Der Cod. 26-232 ergänzt das Bild Nürnbergs als Zentrum der Deutschen Fechtschule — neben den Marxbrüdern und Meistern wie Hans Medel und Lienhart Sollinger.

Die Handschrift überliefert kein originelles Fechtsystem und erhebt keinen textlichen Anspruch auf lehrinhaltliche Eigenständigkeit. Ihr Wert liegt in den Bildern — in der einzigartigen Verbindung von fechtpraktischem Inhalt und künstlerischer Meisterschaft.

Editionen und Forschung

  • Cod. 26-232, Albertina Wien. Originalhandschrift.
  • Hils, Hans-Peter: Meister Johann Liechtenauers Kunst des langen Schwertes. Lang, Frankfurt a. M. 1985.
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