Lienhart Sollinger

Bindeglied zwischen Meyer und Mair

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Biographie

Lienhart Sollinger (auch Lienhart Sollinger) ist ein nahezu unbekannter Fechtmeister des 16. Jahrhunderts, dessen Name in Querverweisen mehrerer prominenter Quellen auftaucht, ohne dass ein eigenes Fechtbuch von ihm überliefert wäre. Diese negative Quellenlage macht Sollinger zu einem typischen Vertreter jener Fechtmeister, deren Bedeutung sich nicht in eigenen Werken manifestiert, sondern in ihrer Vermittlungsfunktion innerhalb der Traditionslinie.

Die spärlichen Erwähnungen — bei Paulus Hector Mair und indirekt im Umfeld Joachim Meyers — deuten auf einen Fechtmeister, der als Lehrer von Lehrern wirkte: ein Mann, der das System an nachfolgende Generationen weitergab und dessen Name in den Quellenflüssen der Kompilatoren zirkulierte, ohne selbst an die Öffentlichkeit zu treten.

Verbindung zu Mair und Meyer

Mair

Paulus Hector Mair listet Sollinger in seinen Quellenverzeichnissen als einen der Meister, deren Technikmaterial er in seine monumentalen Kompilationen aufnahm. Mairs Arbeitsweise war explizit enzyklopädisch — er sammelte und kopierte Material aus allen verfügbaren Quellen, darunter auch von Meistern, deren eigenständige Werke heute verloren sind. Dass Sollinger in Mairs Materialfundus erscheint, belegt seine Zugehörigkeit zum Kreis der anerkannten Lehrer der Jahrhundertmitte.

Meyer

Die Verbindung zu Joachim Meyer ist indirekt und Gegenstand der Forschung: Meyer erwähnt in der Vorrede seines Gründlichen Beschreibung der […] Kunst des Fechtens (1570) mehrere zeitgenössische Fechtmeister, von denen er Material empfangen habe. Ob Sollinger namentlich darunter war, ist nicht gesichert. Strukturell auffällig ist jedoch eine gewisse Nähe zwischen Techniksequenzen bei Mair und späteren Stücken bei Meyer, die auf eine gemeinsame Quelle hindeuten könnten — einen Transfer, bei dem Sollinger als Mittelsmann fungiert haben mag.

Position in der Tradition

Sollinger repräsentiert den Typus des Überlieferungsfechtmeisters: kein Innovator, kein Neuerer, sondern ein Bewahrer des kanonischen Materials, der die Kette der Transmission aufrechterhielt. Die Deutsche Fechtschule lebte von solchen Männern — den vielen Ungenannten und Halbvergessenen, deren individuelle Namen in den Manuskripten verblassten, deren Arbeit aber die institutionelle Kontinuität des Systems sicherte.

Forschungsgeschichtlich wäre eine systematische Untersuchung der Querverweise bei Mair und Meyer wünschenswert, um Sollingers Position präziser zu bestimmen. Die derzeitige Quellenlage erlaubt keine gesicherte Biographie, wohl aber die Einordnung in das Netzwerk von Fechtmeistern, das im 16. Jahrhundert den süddeutschen Raum überspannte.

Quellen

  • Mair, Paulus Hector: Opus Amplissimum de Arte Athletica (Cod. icon. 393). Bayerische Staatsbibliothek München. [Erwähnung Sollingers im Quellenverzeichnis]
  • Dupuis, Olivier: A la recherche d’un maître escrimeur oublié. In: Strenae, 8/2015. [Zur Forschung über vergessene Meister der Deutschen Fechtschule]
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