Fechten in der Renaissance

Medienwandel, neue Waffen und die Transformation der Fechtkunst

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Wandel vom 15. zum 16. Jahrhundert

Das 16. Jahrhundert brachte für die Deutsche Fechtschule eine fundamentale Transformation. Die mittelalterliche Welt der handschriftlichen Glossen, geheimen Merkverse und exklusiven Meister-Prüfungen wich einer zunehmend bürgerlichen, öffentlichen und medial veränderten Fechtkultur. Diese Transformation lässt sich an mehreren Achsen beschreiben.

Druckerpresse verändert die Fechtbuch-Tradition

Die Erfindung des Buchdrucks revolutionierte die Verbreitung fechttechnischen Wissens. Andre Paurnfeindts Ergrundung Ritterlicher Kunst der Fechterey (1516) war das erste gedruckte Fechtbuch deutscher Sprache und öffnete die bis dahin exklusive handschriftliche Tradition für ein breites Publikum. Joachim Meyers monumentales Druckwerk von 1570 — illustriert, systematisch aufgebaut, didaktisch ambitioniert — stellte den Höhepunkt dieser Entwicklung dar.

Die Folgen waren ambivalent: Die Demokratisierung des Zugangs stand dem Verlust des exklusiven Lehrer-Schüler-Kontexts gegenüber, in dem die handschriftlichen Glossen ursprünglich mündlich kommentiert worden waren.

Von ritterlicher zu bürgerlicher Fechtkunst

Die Fechtkunst des 16. Jahrhunderts emanzipierte sich von ihren ritterlichen Ursprüngen. Waren im Mittelalter Adlige und ihre Dienstleute die primären Träger der Fechtkultur, traten nun zunehmend Bürger in den Vordergrund. Die Städte — Nürnberg, Augsburg, Straßburg, Frankfurt — wurden zu eigenständigen Zentren der Fechttradition. Joachim Meyer selbst war Straßburger Bürger und schrieb für ein urbanes Publikum.

Meyer als Wendepunkt

Meyer markiert den Übergang in Person: Er verehrt Johannes Liechtenauer als Ahnen, modernisiert aber das System substantiell. Seine didaktische Prosa, die Einführung neuer Huten (Rosen), die systematische Behandlung von Finten und der Einbezug neuer Waffen machen sein Werk zu einer Summe der mittelalterlichen Tradition und zugleich zu deren endgültiger Transformation für die Frühe Neuzeit.

Neue Waffen: Rappier, Dussack

Das Waffenspektrum erweiterte sich. Neben dem Langen Schwert traten neue Waffen in den Vordergrund:

  • Rappier: Die italienische Mode-Waffe verdrängte zunehmend das Lange Schwert als primäre zivile Waffe. Meyer integrierte das Rappier als eigenständiges Kapitel in sein System.
  • Dussack: Eine Übungs- und Trainingswaffe aus Leder, die Meyer als didaktisches Werkzeug für Anfänger etablierte.

Die Mode der Fechtschulen

Die Fechtschulen — öffentliche Wettbewerbe und Schauvorführungen — erlebten im 16. Jahrhundert ihre Blüte. Sie waren soziale Ereignisse, die hunderte von Teilnehmern und Zuschauern vereinten, und dienten sowohl der Unterhaltung als auch der Rekrutierung neuer Mitglieder für die Fechtgesellschaften. Die Rivalität zwischen Marxbrüdern und Federfechtern trieb die Professionalisierung und Öffentlichkeitswirkung der Fechtkunst zusätzlich an.

Quellen

  • Anglo, Sydney: The Martial Arts of Renaissance Europe. Yale University Press, 2000.
  • Forgeng, Jeffrey L.: The Art of Combat. A German Martial Arts Treatise of 1570. Greenhill Books, 2006.
  • Dupuis, Olivier: Joachim Meyer, escrimeur libre, bourgeois de Strasbourg. In: Maîtres et techniques de combat, 2014.
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