Das Fechtschwert

Das Lange Schwert — ritterliche Hauptwaffe

waffenkundelanges schwerttypologie

Typologie nach Oakeshott

Das Lange Schwert (longsword, Langenschwert) ist die zentrale Waffe der Deutschen Fechtschule und die Primärwaffe des Liechtenauerschen Systems. In der Oakeshott-Typologie fallen die im Fechtkontext relevanten Klingen unter mehrere Typen:

  • Typ XIIa: Breite, flache Klinge mit ausgeprägter Hohlkehle, Griff für anderthalbhändige Führung. Charakteristisch für das Hochmittelalter (13. Jh.).
  • Typ XIIIa: Der klassische Typ des Großschwerts — lange, breite Klinge mit geringer Verjüngung, primär auf Hiebwirkung ausgelegt.
  • Typ XVa: Diamantquerschnitt, starke Verjüngung zum Ort, ausgeprägt steif. Primärer Stichtyp — der wahrscheinlich häufigste Klingentyp in den Fechthandschriften des 15. Jahrhunderts.
  • Typ XVIIIb: Schmale, steife Klinge, lange Fehlschärfe, langer Griff — eine späte Entwicklung, die auf die Bedürfnisse des Harnischfechtens zugeschnitten ist.

Die erhaltenen Fechthandschriften (Cod. 44.A.8, Cod. I.6.4°.3) zeigen überwiegend Typ-XV- und Typ-XVIII-Klingen, was dem hauptsächlich stechenden Charakter des Liechtenauerschen Fechtens entspricht.

Abmessungen und Gewicht

Die historischen Originale zeigen eine bemerkenswerte Konsistenz der Proportionen:

  • Klingenlänge: 85–110 cm
  • Gesamtlänge: 110–130 cm
  • Gewicht: 1,2–2,0 kg
  • Balancepunkt: 5–10 cm vor dem Parier

Entgegen dem populären Missverständnis vom „schweren Breitschwert" war das Lange Schwert eine präzise balancierte, dynamische Waffe. Die typischen 1,5 kg verteilen sich auf eine Gesamtlänge von ca. 130 cm — das entspricht einer ungefähren linearen Massenverteilung von 11,5 g/cm. Ein Fehlgriff in Balance und Gewicht macht die Waffe für die komplexen Windungs- und Wechseltechniken des Liechtenauerschen Fechtens unbrauchbar.

Das Gehilz

Das Gehilz des Längen Schwerts ist funktional hochspezialisiert:

  • Parierstange: Gerade oder leicht nach unten gebogen, typisch 18–26 cm lang. Sie schützt die Hände, dient aber auch als Hebel- und Fangpunkt im Winden am Schwert.
  • Griff: Aus Holz, mit Lederwicklung, Länge 20–30 cm — Raum für die anderthalbhändige Führung. Die Länge erlaubt den Einsatz des hinteren Griffs als Hebel (Hebel am Schwert).
  • Knauf: Typologisch variabel — Radknauf, Birnenknauf, Scheibenknauf. Der Knauf dient nicht als Schlagwaffe (Mortschlag), sondern als Gegengewicht und als Wiederlager des Griffs bei bestimmten Ringtechniken (Ringen — Überblick).

Historische Originale vs. moderne Repliken

Historische Schwerter sind Individuen — keine zwei Originale gleichen sich exakt. Moderne Repliken (Albion, Arms & Armor, Regenyei, Pavel Moc, SIGI) folgen meist einem archetypischen Modell, das aus mehreren Originalen gemittelt ist. Dieser Unterschied ist für das praktische Fechten relevant: Ein modernes Schwert verhält sich anders als ein individuelles Original, dessen spezifische Balance aus der Handwerksarbeit eines einzelnen Klingenschmieds resultierte.

Die Rolle als ritterliche Hauptwaffe

Das Lange Schwert war im 14. und 15. Jahrhundert die primäre Waffe des ritterlichen Fechtens im Deutsche Fechtschule — anders als das Schwert zu Pferd, das kürzer und einhändig geführt wurde. Es war zugleich duellfähige und kriegstaugliche Waffe: Die Fechthandschriften behandeln es sowohl im ungeharnischten als auch im geharnischten Fechten (Harnischfechten — Überblick).

Quellen

  • Oakeshott, Ewart: The Sword in the Age of Chivalry. Boydell Press, 1964.
  • Oakeshott, Ewart: Records of the Medieval Sword. Boydell Press, 1991.
  • Johannes Liechtenauer — Zettel.
  • Joachim MeyerGründliche Beschreibung, 1570.
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