Cod. I.6.2.4

Das Fechtbuch des Hans Medel (1539)

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Überblick

  • Signatur: Cod. I.6.2.4, Universitätsbibliothek Augsburg
  • Datierung: 1539
  • Sprache: Frühneuhochdeutsch
  • Aufbewahrungsort: Universitätsbibliothek Augsburg
  • Autor: Hans Medel

Inhalt

Der Cod. I.6.2.4 ist das einzige überlieferte Zeugnis des Fechtmeisters Hans Medel und behandelt das Fechten mit dem Langen Schwert (Deutsche Fechtschule) sowie das Ringen — Überblick. Das Langschwertkapitel folgt der klassischen Struktur der Liechtenauer-Tradition: Blossfechten mit den Fünf Hauen und den Vier Legern, Winden am Schwert und Techniken aus dem Band, Nachfechten mit weiteren Stücken.

Die Handschrift ist ein schlichtes, funktionales Gebrauchsmanuskript — keine Prachthandschrift, sondern ein Arbeitswerkzeug. Die Illustrationen, wo vorhanden, sind einfach gehalten und dienen der technischen Verdeutlichung, nicht der Repräsentation. Dieser Gebrauchscharakter ist quellenkundlich relevant: Er zeigt das Fechtbuch in seiner ursprünglichen Funktion als Lehrwerkzeug, nicht als Sammelepistem.

Die Techniken weisen teils Parallelen zu Ringeck auf, teils bieten sie eigenständige Ausführungen. Vergleiche mit zeitgenössischen Augsburger Handschriften — insbesondere dem Cod. I.6.2.2 des Gregor Erhart — zeigen Ähnlichkeiten in Aufbau und Technikrepertoire, die auf einen gemeinsamen Quellenpool der süddeutschen Fechter-Szene schließen lassen.

Stellung in der Liechtenauer-Tradition

Medels Fechtbuch belegt die Kontinuität der Liechtenauerschen Lehre über die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts. Es steht chronologisch zwischen den frühen Handschriften und den großen gedruckten Werken der zweiten Jahrhunderthälfte. Medel fungiert als Bewahrer der kanonischen Tradition in einer Zeit des medialen und taktischen Wandels.

Editionen und Forschung

  • Cod. I.6.2.4 — Universitätsbibliothek Augsburg
  • Hans-Peter Hils: Meister Johann Liechtenauers Kunst des langen Schwertes. Lang, Frankfurt a. M. 1985.
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