Dussack — Mittelhau und Unterhau (Meyer)
Horizontal und aufsteigend geführte Häue am Dussack nach Meyer

Der Mittelhau am Dussack
Der Mittelhau wird am Dussack horizontal geführt und zielt auf die mittleren Blößen des Gegners — Arme, Hände, Flanke, Hals. Joachim Meyer definiert ihn als einen Hau, der „weder von oben herab / noch von vnden auff / sondern gerad gegen dem Mann mit außgestrecktem Arm“ geschlagen wird. Am Dussack gewinnt der Mittelhau eine besondere taktische Bedeutung, da die exponierte Faust des Gegners ein primäres Ziel darstellt.
Die einhändige Führung erlaubt einen besonders schnellen, kurzen Mittelhau aus dem Handgelenk und der Schulter. Anders als der Oberhau, der eine größere Ausholbewegung erfordert, kann der Mittelhau nahezu ohne Vorwarnung ausgeführt werden. Die gebogene Dussack-Klinge verstärkt die Schnittwirkung dieser horizontalen Bewegung: Bei einem Mittelhau gegen den gegnerischen Arm zieht die Krümmung der Klinge durch das Ziel und erzeugt eine tiefere Schnittwunde als eine gerade Klinge vergleichbarer Geschwindigkeit.
Meyer lehrt den Mittelhau häufig in Verbindung mit dem Zwerchau: Der Zwerchhau wird am Dussack tendenziell als Mittelhau klassifiziert und mit gekreuztem Handgelenk und kurzer Schneide gegen die Hände des Gegners geschlagen — „quer von einer seitten zur andern“. Diese kompakte Aktion eignet sich besonders zum Brechen gegnerischer Oberhaue.
Der Unterhau am Dussack
Der Unterhau steigt von unten auf und wird aus tiefen Huten — insbesondere dem Wechsel und der Nebenhut — geschlagen. Meyer unterscheidet am Dussack zwei Hauptformen: den geraden Unterhau, der vertikal oder diagonal von unten nach oben zielt, und den gekreuzten Unterhau, der mit verwechselten Händen geschlagen wird.
Am Dussack ist der Unterhau ein effektives Werkzeug gegen hoch angreifende Gegner. Während der Gegner einen Oberhau einleitet, schießt der Unterhau des Dussackfechters unter der gegnerischen Klinge hindurch und trifft die untere Blöße oder den Arm. Diese Unterlauf-Technik ist am Dussack besonders wirkungsvoll, da die einhändige Mechanik eine hohe Geschwindigkeit beim Wechsel von tiefer Hut zu aufsteigendem Hau erlaubt. Meyer betont, dass der Unterhau am Dussack nicht isoliert, sondern stets in Verbindung mit einer Anschlussaktion — typischerweise einem Oberhau — trainiert werden soll: Der Fechter „schlage Unterhau / und bald Oberhau“, um den Gegner im Wechsel von unten und oben zu überwältigen.
Quellen
- Meyer, Joachim: Gründtliche Beschreibung. Straßburg 1570, 2. Buch, Kap. 5–6.
- Forgeng, Jeffrey L.: The Art of Combat. London 2015.