Dussack-Huten (Meyer)

Die Huten am Dussack nach Meyer

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Die vier Hauptleger am Dussack

Joachim Meyer überträgt sein Legersystem konsequent auf den Dussack, passt jedoch die Huten an die einhändige Mechanik an. Die vier Hauptleger des Dussacks sind: der Tag, der Öchslin (Ochs), der Pflug und die Nebenhut — dieselbe Grundstruktur wie am Langen Schwert, jedoch mit charakteristischen Abweichungen, die durch die einhändige Führung und die gebogene Klinge bedingt sind.

Der Tag am Dussack befindet sich über dem Kopf, die Klinge nach hinten geneigt. Anders als der beidhändige Langschwert-Tag erlaubt die einhändige Haltung eine variantenreiche Positionierung — Meyer spricht von verschiedenen Arten, den Tag „auff mancherley weiß“ zu führen. Die Klinge kann steil oder flach gehalten werden, der Arm gestreckt oder angewinkelt. Diese Variabilität ist taktisch bedeutsam: Der Gegner kann die Reichweite des folgenden Oberhauens nicht präzise einschätzen.

Der Öchslin am Dussack wird analog zum Langschwert-Ochs mit der Klingenspitze zum Gegner gerichtet eingenommen, jedoch auf der rechten oder linken Seite mit nur einer Hand. Die exponierte Faust ist hier — anders als am Langschwert — nicht durch die zweite Hand gedeckt, was spezifische Schutzmaßnahmen erfordert.

Der Pflug am Dussack richtet die Spitze von unten auf den Gegner, die Klinge liegt mit nach oben gekehrter Schneide vor dem Körper. Meyer betont, dass aus dem Pflug am Dussack sowohl gestochen als auch geschlagen werden kann, wobei der Stich — im Unterschied zum Langschwert — wegen der einhändigen Struktur stärker gewichtet wird.

Die Nebenhut am Dussack wird tief und seitlich gehalten, die Klingenspitze nach hinten unten. Sie ist eine vielseitige Hut: defensiv für Versetzen, offensiv für aufsteigende Haue und Unterhaue. Meyer nutzt die Dussack-Nebenhut auch als Einladungshut, die den Gegner zu einem hohen Angriff provoziert, den man mit schnellem Aufstreichen brechen kann.

Abweichungen von den Langschwert-Huten

Die zentralen Unterschiede ergeben sich aus der Einhändigkeit: Jede Dussack-Hut exponiert die Faust stärker, erlaubt jedoch schnellere Winkelwechsel und kürzere Reaktionszeiten. Die gebogene Klinge verändert zudem die Geometrie der Huten — so ist der Öchslin am Dussack weniger steil als am geraden Langschwert, um den optimalen Schnittwinkel zu wahren. Der Wechsel tritt beim Dussack prominent hervor als tiefe Hut, aus der heraus insbesondere Unterhau und Mittelhau (Meyer) geschlagen werden.

In der Praxis

Moderne Dussack-Fechter trainieren die Huten nach Meyers Prinzip des Pflanzens und Fliegens: Die Huten werden zunächst statisch eingenommen (gepflanzt), um die Mechanik zu verinnerlichen, dann in fließenden Übergängen verbunden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Handschutz — der Dussack besitzt einen integrierten Handkorb, doch die richtige Faustposition in jeder Hut entscheidet über Sicherheit und Effektivität.

Quellen

  • Meyer, Joachim: Gründtliche Beschreibung. Straßburg 1570, 2. Buch, Kap. 1–3.
  • Forgeng, Jeffrey L.: The Art of Combat. London 2015, Dussack-Kapitel.
  • Fürgut, Alexander: Meyers Dussack. Ein Lehr- und Übungsbuch. G & S Verlag, 2020.
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