Rainer Welle

Editor des Cod. 44.A.8 und Wissenschaftshistoriker

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“Ohne Edition keine Forschung.”

Biographie

Rainer Welle ist ein deutscher Wissenschaftler, dessen kritische Edition des Cod. 44.A.8 (der sogenannten Danziger Fechthandschrift) einen Meilenstein der modernen Fechtbuchforschung darstellt. Die Handschrift, die eine der ausführlichsten Glossen zu Johannes Liechtenauers Zettel überliefert, galt lange als schwer zugänglich — Welles Edition machte sie erstmals einem breiten wissenschaftlichen und praktizierenden Publikum verfügbar.

Die Edition des Cod. 44.A.8

Welles Arbeit an der Danziger Handschrift ist eine vollständige kritische Edition mit diplomatischer Transkription, sprachhistorischem Kommentar und Einordnung in die Überlieferungsgeschichte der Liechtenauer-Glossen. Der Cod. 44.A.8, benannt nach seiner Signatur in der Biblioteca dell’Accademia Nazionale dei Lincei e Corsiniana in Rom, enthält neben der Ringeck-Glosse eine ausführliche, eigenständige Glossierung des Liechtenauer-Zettels, die traditionell einem “Pseudo-Danzig” zugeschrieben wird — eine Zuschreibung, die Welle in seiner Edition differenziert diskutiert.

Der besondere Wert von Welles Edition liegt in ihrer sprachwissenschaftlichen Tiefe: Anders als reine Transkriptionen, die lediglich den Text buchstabengetreu wiedergeben, analysiert Welle die dialektalen und soziolektalen Merkmale der Handschrift und ordnet sie in die Schreibsprachlandschaft des 15. Jahrhunderts ein.

Wissenschaftshistorischer Kontext

Welle gehört zu einer Generation von Forschern, die das Fechtbuch nicht als isoliertes technisches Dokument, sondern als komplexes kulturhistorisches Phänomen behandeln. Seine Arbeiten verknüpfen kodikologische, sprachgeschichtliche und wissenssoziologische Perspektiven und haben maßgeblich zur akademischen Etablierung der Fechtbuchforschung als seriöser historischer Disziplin beigetragen.

Quellen

  • Welle, Rainer: …und wisse das alle höbischeit kompt von deme ringen. Der Ringkampf als adelige Kunst im 15. und 16. Jahrhundert. Pfaffenweiler 1993.
  • Wiktenauer: Rainer Welle
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