Hans-Peter Hils
Grundlagenwerk der Liechtenauer-Forschung (1985)

“Hils’ Dissertation von 1985 ist der Urtext der modernen Liechtenauer-Forschung.”
Biographie
Hans-Peter Hils (gest. 2021) war ein deutscher Historiker, dessen Dissertation Meister Johann Liechtenauers Kunst des langen Schwertes (1985, erschienen im Verlag Peter Lang) das Fundament der modernen akademischen Fechtbuchforschung legte. Das Buch ist bis heute die maßgebliche monographische Darstellung der Liechtenauer-Tradition und wird in der Forschungsliteratur durchgängig als Hils 1985 zitiert.
Das Werk
Hils’ Dissertation leistete, was vor ihm niemand unternommen hatte: eine vollständige systematische Bestandsaufnahme aller damals bekannten Handschriften und Drucke der Liechtenauer-Tradition mit kodikologischen Beschreibungen, stemmatischen Analysen (Textverwandtschaft) und historischer Kontextualisierung.
Die Arbeit geht weit über die Hs. 3227a und die Glossen von Sigmund Ringeck und Peter von Danzig hinaus: Hils erfasste auch entlegenere Handschriften wie den Cod. 44.A.8, den Cgm 1507 (Pauernfeindt) und Dutzende weitere Manuskripte, die zuvor noch nie im Zusammenhang der Liechtenauer-Überlieferung betrachtet worden waren. Die akribische Verzeichnung von Wasserzeichen, Schreiberhänden und Einbänden ermöglichte erstmals eine fundierte Chronologie und Geographie der Überlieferung.
Methodik und Wirkung
Hils’ methodischer Ansatz war streng historisch-philologisch: Er las die Fechtbücher nicht als Gebrauchsanleitungen, sondern als historische Dokumente, deren Entstehungsbedingungen, Überlieferungswege und Rezeptionskontexte zu rekonstruieren sind. Diese Perspektivierung war in den 1980er Jahren bahnbrechend — die Fechtbuchforschung existierte zuvor kaum als eigenständige Disziplin.
Dasselbe gilt für die praktische HEMA-Bewegung: Als in den 1990er und 2000er Jahren Praktiker begannen, die Quellen für das Training zu nutzen, griffen sie zwangsläufig auf Hils’ Arbeit zurück. Sein Buch blieb lange die einzige verlässliche Orientierung im Dickicht der Handschriftenüberlieferung und ist es in vieler Hinsicht bis heute — wenngleich neuere Forschungen manche von Hils’ Datierungen und Zuschreibungen präzisiert haben.
Quellen
- Hils, Hans-Peter: Meister Johann Liechtenauers Kunst des langen Schwertes. Peter Lang, Frankfurt a. M. u. a. 1985 (=Europäische Hochschulschriften, Reihe III, Bd. 257).