Ringen — Grundpositionen
Die Grundhaltungen und Ausgangspositionen des historischen Ringkampfs

Die Grundlagen des historischen Ringen — Überblicks beginnen nicht mit Wurf- oder Hebeltechniken, sondern mit den elementaren Körperhaltungen und Griffpositionen, aus denen sich alle weiteren Aktionen entwickeln. Die Quellen zeigen eine begrenzte Anzahl von Ausgangspositionen, die in verschiedenen Varianten immer wiederkehren und das strukturelle Fundament der Ringkunst bilden.
Die fundamentale Ausgangsposition ist der Stand — die aufrechte, stabile Kampfhaltung, aus der der Ringer agiert. Fabian von Auerswald illustriert in seiner Ringer kunst (1539) eine charakteristische Ring-Haltung: Die Beine stehen schulterbreit, das vordere Bein ist leicht gebeugt, das hintere stützt. Der Oberkörper ist aufrecht, das Becken tief — eine Position, die maximale Stabilität bei erhaltener Beweglichkeit bietet. Die Hände sind vor dem Körper, die Arme halb angewinkelt und bereit, den Gegner zu greifen oder dessen Griffe abzuwehren. Diese Grundhaltung unterscheidet sich von der Leger-Position des Schwertfechters durch die fehlende Waffe und die daraus resultierende Notwendigkeit, Distanz und Körpereinsatz anders zu kontrollieren.
Die Griffvarianten bilden die eigentliche taktische Grundlage des Ringens. Die Quellen unterscheiden mehrere Grundgriffe, die in unterschiedlichen Kontexten eingesetzt werden:
Das Unterhaken ist einer der häufigsten Eröffnungsgriffe. Der Ringer führt seinen Arm von unten unter die Achsel des Gegners und greift dessen Oberarm oder Schulter. Dieser Griff schafft Hebelkontrolle über den gesamten Oberkörper des Gegners und dient als Ausgangspunkt für Würfe über die Hüfte oder für Armhebel. Hans Talhoffer zeigt das Unterhaken in vielen seiner Ringer-Tafeln als den Griff, aus dem der Gegner aus der Balance gezogen wird.
Der Kragen- oder Nackengriff greift den Gegner am Hals, am Kragen des Wamses oder direkt im Nacken. Dieser Griff bringt den Kopf des Gegners unter Kontrolle — “wo der Kopf hin geht, folgt der Körper”, wie eine implizite Lehre der Quellen besagt. Der Nackengriff ist besonders im Durchlaufen essenziell: Nach dem Untertauchen unter der gegnerischen Klinge greift der Fechter in den Nacken des Gegners und reisst ihn nach unten.
Der Handgelenk-Griff ist der präziseste der Grundgriffe. Er zielt auf die Kontrolle des gegnerischen Armes und bildet die Basis für Armhebel und Armdreher. Auerswald zeigt eine Vielzahl von Handgelenk-Griffen mit unterschiedlichen Hebelrichtungen.
Die Quellen betonen, dass der Kampf im Ringen mit dem ersten Griff oft schon entschieden ist. “Wer zuerst fasst, hat den Vorteil”, lautet ein in mehreren Glossen wiederkehrendes Prinzip. Die Grundpositionen und Griffvarianten sind daher keine formalen Übungen, sondern die unmittelbaren Vorstufen der Entscheidung.
Quellen
- Talhoffer, Hans: Fechtbuch von 1459, Ms. Thott.290.2º, Det Kongelige Bibliotek, Kopenhagen.
- Auerswald, Fabian von: Ringer kunst: fünf und achtzig Stücke. Wittenberg 1539.
Sekundärliteratur
- Welle, Rainer: …und wisse das alle höbischeit kompt von deme ringen. Pfaffenweiler 1993.
- Wiktenauer — Ringen.