Ringen — Quellenüberblick

Die Überlieferung des Ringens in Handschriften und Drucken

konzeptringenquelle

Das Ringen — Überblick gehört zu den am breitesten überlieferten Disziplinen der Deutschen Fechtschule, auch wenn seine Quellenlage sich in einem entscheidenden Punkt von der des Deutsche Fechtschules unterscheidet: Es existiert kein mit den Liechtenauer-Zetteln vergleichbarer Merkvers-Kern, um den sich die Glossen gruppieren. Stattdessen erfolgt die Überlieferung über mehrere, teils voneinander unabhängige Stränge, deren Gemeinsamkeit die Zugehörigkeit zur selben Kampfkultur ist.

Die früheste Ring-Quelle ist die Hs. 3227a (Nürnberger Kodex, um 1400). Die sogenannte Döbringer-Prosa enthält frühe Ringanweisungen, die noch stark mit dem Schwertkampf verwoben sind und vor allem den Übergang vom Fechten zum Ringen beschreiben. Das Durchlaufen als zentrale Schnittstelle beider Disziplinen wird hier erstmals schriftlich fixiert.

Hans Talhoffer (1443–1467) widmet dem Ringen in seinen Fechtbüchern umfangreiche, reich illustrierte Abschnitte. Seine Ringer-Tafeln zeigen das gesamte Spektrum: Armhebel, Beinsteller, Würfe, Hüftschwünge und den Übergang zum Dolch. Talhoffer unterscheidet sorgfältig zwischen blossem Ringen zu Fuß und Ringen im Harnisch — zwei Modalitäten, die er in separaten Tafelfolgen behandelt. Seine Illustrationen sind präziser und instruktiver als die der Schwert-Tafeln, was auf eine besondere Vertrautheit mit dem Ringkampf schliessen lässt.

Paulus Kal (Cgm 1507) behandelt das Ringen in seinem Tafelsystem und stellt es gleichberechtigt neben das Schwert- und Harnischfechten. Kals Ringer-Tafeln zeigen die Techniken in seinem charakteristischen ganzseitigen Bildformat mit Goldhintergrund.

Die bedeutendste eigenständige Ring-Quelle ist **Fabian von Auerswald**s Ringer kunst von 1539 — ein gedrucktes Werk mit 85 illustrierten Techniken, das als umfangreichstes Einzelwerk zum Ringen innerhalb der deutschen Tradition gilt (siehe Ringen bei Fabian von Auerswald). Auerswalds Buch stellt den Höhepunkt der Ring-Literatur des 16. Jahrhunderts dar und unterscheidet sich von den handschriftlichen Quellen durch seine systematische, pädagogisch durchdachte Struktur.

Paulus Hector Mair schliesslich kompiliert im 16. Jahrhundert in Cod. icon. 393 das gesamte verfügbare Ring-Material seiner Zeit. Mairs Ringer-Sektionen enthalten hunderte von Techniken aus verschiedenen Quellen, die er in sein Standard-Raster von Aktion und Kontrtechnik überführt.

Die unterschiedlichen Schwerpunkte der Quellen ergeben ein facettenreiches Bild: Während die frühe Hs. 3227a das Ringen als integralen Bestandteil des Schwertkampfes sieht, behandeln Talhoffer und Auerswald es als eigenständige Kunst. Kal und Mair wiederum ordnen das Ringen in ein universelles Kampfsystem ein. Diese Mehrstimmigkeit ist kein Mangel, sondern eine Stärke der Überlieferung.

Quellen

  • Hs. 3227a (Nürnberger Kodex), fol. 89r ff.
  • Talhoffer, Hans: Fechtbuch von 1459, Ms. Thott.290.2º, Det Kongelige Bibliotek, Kopenhagen.
  • Kal, Paulus: Cgm 1507, Bayerische Staatsbibliothek, München.
  • Auerswald, Fabian von: Ringer kunst: fünf und achtzig Stücke. Wittenberg 1539.
  • Mair, Paulus Hector: Cod. icon. 393, Bayerische Staatsbibliothek, München.

Sekundärliteratur

  • Welle, Rainer: …und wisse das alle höbischeit kompt von deme ringen. Pfaffenweiler 1993.
  • Wiktenauer — Ringen.
Nach oben ↑