Ringen — Moderne Praxis

Historisches Ringen in der heutigen HEMA-Szene — Training, Sicherheit, Wettkampf

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Das Ringen — Überblick nach historischen Quellen ist heute eine lebendige und wachsende Teildisziplin der HEMA-Bewegung. Anders als das Schwertfechten, das eigene Schutzkleidung und spezialisiertes Equipment erfordert, ist das Ringen zugänglicher: Es braucht nur einen Partner, eine weiche Unterlage und die Bereitschaft, sich auf körpernahen Kampf einzulassen.

Training und Methodik

Das moderne Training des historischen Ringens stützt sich vor allem auf die Quellen des 15. und 16. Jahrhunderts — Hans Talhoffer, Paulus Kal und insbesondere Fabian von Auerswald. Die Techniken werden in der Regel in technischen Sequenzen unterrichtet: Der Trainer demonstriert eine Technik aus der Quelle, die Schüler üben sie zunächst in Langsamkeit und ohne Widerstand, dann mit zunehmendem Druck des Partners. Entscheidend ist die Partnerarbeit: Anders als beim Schwertfechten, wo ein Fehler in der Deckung einen Treffer zur Folge hat, kann ein Fehler im Ringen — ein unkontrollierter Wurf, ein überdrehter Hebel — zu unmittelbaren Verletzungen führen. Deshalb ist die Kommunikation zwischen den Partnern zentral.

Die Fallschule ist der erste und wichtigste Trainingsinhalt. Bevor ein Schüler eine andere Person wirft, muss er selbst sicher fallen können — vorwärts, rückwärts, seitwärts. Die Fallschule des historischen Ringens unterscheidet sich von der des modernen Judo oder Ringen durch die Annahme eines harten (nicht matten-) Bodens: Der Fall muss so ausgeführt werden, dass der Körper nicht die volle Wucht auf einen Punkt konzentriert, sondern die Energie über eine möglichst grosse Aufprallfläche verteilt.

Fortgeschrittenes Ring-Training integriert den Übergang vom Schwert: Das Durchlaufen aus dem Fechten heraus ins Ringen wird als fliessende Bewegung geübt. Der Fechter erkennt die Gelegenheit, lässt das Schwert fallen oder behält es als Hebel, und geht sofort in einen Wurf oder Hebel über. Diese Integration von Fechten und Ringen ist ein Alleinstellungsmerkmal der HEMA-Ring-Praxis gegenüber reinem Ringsport.

Wettkampf-Ringen im HEMA-Turnier

Ringen ist in vielen HEMA-Turnieren als eigener Bewerb oder als Teil des Schwertfecht-Bewerbs vertreten. Die Regelwerke variieren: Manche Turniere erlauben Ringen nur nach vorherigem Klingenkontakt (um das reine “Ringen ohne Schwertbezug” zu vermeiden), andere werten Ringtechniken besonders hoch. Armhebel sind in den meisten Regelwerken auf ein kontrolliertes Ausführen ohne Vollendung beschränkt — der Gegner muss die Möglichkeit haben, durch Klopfen aufzugeben. Würfe sind meist auf Wurfvarianten mit Festhalten des Partners beschränkt, um unkontrollierte Stürze zu vermeiden.

Die grösste Herausforderung des Wettkampf-Ringens ist die Regelauslegung: Was die Quellen als Kampfringen mit harten Hebeln und rücksichtslosen Würfen zeigen, muss im sportlichen Wettkampf in eine sichere, faire Form übersetzt werden. Die Szene experimentiert noch mit Regelwerken, die diesen Spagat leisten.

Sekundärliteratur

  • Welle, Rainer: …und wisse das alle höbischeit kompt von deme ringen. Pfaffenweiler 1993.
  • Wiktenauer — Ringen.
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